Wattenscheid: Andrang bei brisanter Versammlung

Jacobs "Zeichen der Demokratie"

Christian Pozo y Tamayo
28. April 2009, 16:42 Uhr

"Das Interesse ist immer dann am größten, wenn die Leute Tumulte erwarten", erklärt Professor Rüdiger Knaup, der sich an seine aktive Zeit im Vorstand der SG Wattenscheid 09 erinnert. Dies scheint auch bei der Versammlung im Jahr 2009 der Fall gewesen zu sein, der am Montagabend 255 stimmberechtigte Mitglieder beiwohnten.

Tumulte blieben aus, einzig vereinzelte Spitzen in Richtung des abgetretenen Vorstands aus Guido Tann, Heinz-Jürgen "Gundi" Busch und Norbert Herden wurden genutzt, um "Dampf abzulassen".

Dabei waren die Zahlen, die Neu-Vorstand Christoph Jacob an die Leinwand projizierte, alles andere als positiv. So würde der Verein aktuell zum 30.06.2009 eine Deckungslücke in Höhe von 320.000 Euro aufweisen. Jacob erläuterte jedoch die von ihm geplanten Sanierungsmaßnahmen. Durch den Gehaltsverzicht von Spieler und Mitarbeitern möchte der Ex-Torwart 84.000 Euro einsparen, externe Gläubiger sollen insgesamt auf 40.000 Euro verzichten, dazu kommt ein geplanter Zufluss von Sponsoren in Höhe von 196.000 Euro. Jacob bekannte sich in der Vergangenheit dazu, für 200.000 Euro gerade zu stehen.

Das Vereinsvermögen an der Lohrheide beläuft sich zum Bilanzstichtag am 31.12.2008 auf - 227.228 Euro. Aus dem Geschäftsjahr 2007 hat man einen Fehlbetrag in Höhe von -42.397 Euro erwirtschaftet, in 2008 sogar -155.122 Euro. Alles in allem Summen, die dem gescheiterten Vorstand kein gutes Zeugnis ausstellen. Dennoch machte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Wilhelm Beermann, in der letzten von ihm geleiteten Versammlung klar, dass das Dreigestirn um Guido Tann sich "im Rahmen der Möglichkeiten bemüht hatte."

Zur Entstehung der Deckungslücke verlor Jacob nicht all zu viele Worte. Der Bau des Kunstrasenplatzes an der Berliner Straße belastet den Verein mit 110.000 Euro, dies konnte man aber in einen zehnjährigen Kredit umschulden, der den Klub nunmehr mit 1.100 Euro im Monat belastet. Woher die übrigen Verbindlichkeiten stammen, wurde nicht erläutert. Aber vom Souverän auch nicht hinterfragt.

Dr. Beermann scheidet aus Altersgründen aus dem Rat aus, erhielt aber von Professor Knaup als erstes Mitglied in der Geschichte des Vereins den Titel "Ehren-Aufsichtsratsvorsitzender". Angesichts der 1,9 Millionen Euro, die Beermann in den Jahren seiner Tätigkeit in mühevoller Kleinarbeit für den Verein akquirieren konnte, eine angemessene Auszeichnung, die mit stehenden Ovationen begleitet wurde.

Spannend wurde es bei der Wahl des neuen Aufsichtsrats. Sieben Kandidaten standen zur Verfügung, fünf Köpfe sind für das Gremium vorgesehen. Laut Jacob eine Revolution, da "seit Jahren keine Kampfabstimmung mehr stattgefunden hat. Das ist ein Novum bei 09 und ein Zeichen der Demokratie."

Es wurde geheim gewählt, alle Kandidaten traten an - auch die, denen man von Seiten des Vorstands aus kurz vor der Wahl noch nahe gelegt hatte, auf eine Kandidatur zu verzichten. Und man trat unter verschiedenen Voraussetzungen an. Jacob unterstrich Sekunden vor Abgabe der Stimmen nochmals, wie er sich das Gremium, das ihn zukünftig kontrollieren soll, vorstellt: "Ich habe persönlich vier Mitglieder vorgeschlagen, mir ist es wichtig, dass ich ein Team habe, mit dem ich zukünftig zusammen arbeiten kann. Welches, kann sich wahrscheinlich jeder ausrechnen. Ich hoffe, dass die Wahl im Sinne des Vereins hier über die Bühne geht."

Auf die Kandidaten entfielen folgende Stimmen:
Thorsten Heckendorf (173 Stimmen)
Stefan Beermann (166 Stimmen)
Jörg Rosenbach (139 Stimmen)
Jörg Niedergethmann (133 Stimmen)
Svenja Flöring (124 Stimmen)

Nicht im Rat vertreten:
Christian Mose (103 Stimmen)
David Goralski (42 Stimmen)

Positiv klang Professor Knaup bezüglich der angedachten Kooperation mit Galatasaray Istanbul. Der Ex-Präsident bezeichnete die Gespräche mit Berater Karl-Heinz "Kalli" Feldkamp als "äußerst viel versprechend", unterstrich aber weiter klar, dass man "noch nichts Greifbares in der Hand hat."

Am Mittwoch geht man dann endlich wieder zum sportlichen Tagesgeschäft über. Um 19.30 Uhr gastiert Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf II in der Lohrheide. RevierSport berichtet live per Ticker.

Autor: Christian Pozo y Tamayo

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