Bert van Marwijk: "Kultur des BVB berücksichtigen"

jt
02. Juni 2004, 16:52 Uhr

"Ich bin nicht gekommen, um alles anders zu machen. Ich muss die Kultur des BVB berücksichtigen und für meine Philosophie Überzeugungsarbeit leisten", äußert sich der neue Coach von Borussia Dortmund, Bert van Marwijk.

Für viele Fans ist der neue Coach der Dortmunder Borussia, Bert van Marwijk, ein unbeschriebenes Blatt. Er sei kein Selbstdarsteller und kein Sprücheklopfer sagen jene, die ihn näher kennen. Marwijk gilt als Taktikfuchs, Verfechter von Disziplin sowie kontrollierter Offensive, er gilt als gradlinig und ehrliche Haut. Der 52-Jährige ist außerdem kein Pokerspieler und überlässt nichts dem Zufall. Doch zahlreiche Unwägbarkeiten begleiten das Debüt des insgesamt siebten niederländischen Coaches in der Bundesliga in die neue Saison.

"Wir werden in der nächsten Woche intensiv über die Personalfragen sprechen", berichtete der ehemalige Coach von Feyenoord Rotterdam nach der Unterschrift unter seinen zunächst bis 2006 datierten Vertrag. Seine Einstellung - "Ich bin kein Trainer, der irgendwo hinkommt und fordert: "Ich brauche dies und jenes" - dürften die Verantwortlichen des wirtschaftlich stark angeschlagenen Traditionsklubs mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben.

"Kultur des BVB berücksichtigen"

Viel Arbeit wartet auf van Marwijk, der mit seinem bisher größten Triumph, dem 3:2 im UEFA-Cup-Finale 2002 über Dortmund, die langsame Talfahrt der Westfalen eingeleitet hatte. "Ich bin jedoch nicht gekommen, um alles anders zu machen. Ich muss die Kultur des BVB berücksichtigen und für meine Philosophie Überzeugungsarbeit leisten. Das geht nicht in ein oder zwei Wochen."

Derzeit weiß van Marwijk nicht einmal, wie der Kader für die kommende Saison aussieht. Zum Beispiel scheint sich eine Trennung von Torsten Frings abzuzeichnen, der im Trainingslager der Nationalmannschaft keine Gelegenheit auslässt, um seinen Absprung zu Bayern München zu forcieren. Dazu Manager Michael Meier in den Ruhrnachrichten verärgert: "Sein Verhalten ist ungehobelt. Wir können uns nicht alles bieten lassen. Das muss Konsequenzen haben."

Ebenfalls noch nicht klar ist die Zukunft von Tomas Rosicky, Jan Koller, Ewerthon und Dede. Der brasilianische Nationalspieler bestätigte, dass ihm Anfragen vom italienischen Serie-A-Klub Inter Mailand und aus Schalke vorliegen. "Ich will aber nicht gehen. Ich habe dem Präsidenten mein Wort gegeben", sagte Dede. Interesse zeigen die Borussen an einer Verpflichtung von Benjamin Lauth und Giovane Elber.

Förderer der Jugend

Van Marwijk hofft, beim Trainingsauftakt am 25. Juni und vor allem beim Start des UI-Cups am 17. Juli jene Spieler vorzufinden, um seine Vorstellungen vom attraktiven und erfolgreichen Fußball umzusetzen. "Ich greife gern an, aber gut organisiert. Das Gleichgewicht zwischen dem Spiel nach vorn und den Defensivaufgaben muss jedoch stimmen", erklärte der Niederländer, dem besonders Fähigkeiten im Umgang mit Talenten bescheinigt werden. "Wenn ein junger Spieler die gleichen Qualitäten hat wie ein etablierter Profi, dann wähle ich oft die Jugend. Denn der gehört die Zukunft", so van Marwijk.

Seine fachmännisches Fußball-Wissen ist in den kommenden Wochen zudem beim niederländischen Fernsehen gefragt. Bei der EM in Portugal arbeitet van Marwijk als Co-Kommentator. Die Familie reist natürlich mit. Der in Deventer geborene Vater von zwei Töchtern und Großvater erzählt stolz vom jüngsten Nachwuchs. Der wohnt gleich nebenan, im Haus von Schwiegersohn Mark van Bommel, Mittelfeldstar vom PSV Eindhoven, um den sich seit geraumer Zeit Schalke 04 bemüht. Kein Wunder, dass der EM-Teilnehmer nunmehr auch beim BVB im Gespräch ist.

Autor: jt

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