Nach dem leichtsinnig vergebenen UEFA-Cup-Platz gerät Borussia Dortmunds Trainer Matthias Sammer immer stärker in die Schusslinie.

Sammer nach verpasstem UEFA-Cup in Frage gestellt

24. Mai 2004, 16:25 Uhr

Nach dem leichtsinnig vergebenen UEFA-Cup-Platz gerät Borussia Dortmunds Trainer Matthias Sammer immer stärker in die Schusslinie. "So geht es nicht weiter, dafür habe ich kein Verständnis", so Präsident Gerd Niebaum.

Trainer Matthias Sammer gerät bei Borussia Dortmund immer stärker in die Kritik. Mit dem Einbruch auf der Zielgeraden der Bundesliga-Saison hat der BVB leichtfertig die Qualifikation für den UEFA-Cup aus der Hand gegeben. Ebenso bitter wie das 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern und der Sturz auf einen UI-Cup-Platz war die Art und Weise, wie der einstige Weltpokalsieger Platz fünf an den Revierrivalen VfL Bochum verlor. Sammer hat seinen Bonus bei den Fans und offenbar auch bei den Verantwortlichen weitgehend verspielt.

Niebaum fordert "Explosion" der Mannschaft

"So geht es nicht weiter, dafür habe ich kein Verständnis. In einer solchen Situation muss die Mannschaft explodieren", wetterte Präsident Gerd Niebaum nach der ärmlichen Vorstellung. Inzwischen wird in der BVB-Führung die Trainerfrage diskutiert. Denn wie im Vorjahr, als ebenfalls mit einem 1:1 im Westfalenstadion gegen den Absteiger Energie Cottbus der direkte Einzug in die Champions League verpasst wurde, war es Sammer anscheinend wieder einmal nicht gelungen, die hochbezahlten Stars vor dem "Endspiel" auf Betriebstemperatur zu bringen.

Der Auftritt auf dem "Betze" passte in das Bild einer Saison, in der zu oft die Verletzungsmisere als Erklärung herhalten musste. Unter dem Strich sahen die Fans (1,4 Millionen bedeuten Zuschauerrekord in der Bundesliga) unansehnlichen Fußball ohne Struktur, Spielwitz und jegliche erkennbare Fortschritte.

BVB mit Geld, Bochum mit Spaß

Sammer, der in Dortmund noch einen Vertrag bis 2006 besitzt, versuchte es in der Vergangenheit mit Streicheleinheiten, öfter jedoch mit heftiger öffentlicher Kritik an seinen Schützlingen - allerdings vergebens.

Vielsagend bemerkte Niebaum in der Westfälischen Rundschau: "Wir haben gegenüber dem VfL Bochum die besseren Voraussetzungen und unsere Spieler die praller gefüllten Geldbeutel. Aber wir lassen uns von den Bochumern vormachen, wie man sich mit Spaß an der Sache präsentieren kann." Die direkte Qualifikation "wäre ein sportlicher Befreiungsschlag und unglaublich wichtig für die allgemeine Stimmung gewesen".

Der BVB-Chef fordert nicht nur wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage eine Aufbruchstimmung. Ob sie sportlich mit einem Coach Sammer zu schaffen ist, ist fraglich. Der Ex-Nationalspieler, dem wegen seiner verbissenen Art das Etikett "Spaßbremse" anhaftet, zeigte sich in der Vergangenheit auch im Umgang mit den diversen Mentalitäten seiner Multi-Kulti-Truppe äußerst unflexibel. Unverständnis erntete Sammer zum Beispiel, als er den Tschechen Tomas Rosicky in den beiden letzten wichtigen Saisonspielen zu Beginn auf der Bank schmoren ließ.

Den Fans muss es - gemäß den Reaktionen zur "Buh-russia" auf der Internetseite schwatzgelb.de - nach dem enttäuschenden Saisonfinale wie Hohn in den Ohren geklungen haben, als Sammer äußerte: "Werder Bremen ist auch im letzten Jahr Sechster geworden und jetzt Meister."´ Allerdings ging es beim BVB bereits in den beiden vergangenen Spielzeiten nach dem Titelgewinn 2002 stetig abwärts.

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