Wegen Verdachts auf Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung sind Klubchef Karl-Heinz Wildmoser senior von Bundesligist 1860 München und dessen Sohn Karl-Heinz Wildmoser junior vorläufig festgenommen worden.

"Löwen" Wildmoser senior und junior verhaftet

ck
09. März 2004, 21:15 Uhr

Wegen Verdachts auf Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung sind Klubchef Karl-Heinz Wildmoser senior von Bundesligist 1860 München und dessen Sohn Karl-Heinz Wildmoser junior vorläufig festgenommen worden.

Dunkle Wolken ziehen sich über dem Bundesligisten TSV 1860 München zusammen. Am Dienstag sind Klubboss Karl-Heinz Wildmoser senior und dessen Sohn Karl-Heinz Wildmoser junior vorläufig festgenommen worden. Das bestätigte das bayerische Landeskriminalamt. Beide wurden zunächst zu einer Anhörung bei der Staatsanwaltschaft München I gebracht, Wildmoser senior bereits dem Haftrichter vorgeführt. Hintergrund ist der Verdacht auf Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Neubau der Allianz-Arena im Norden Münchens. Gegen zwei weitere namentlich nicht bekannte Personen wurde ebenfalls Haftbefehl erlassen.

Gegen zwei weitere Personen wurde ebenfalls Haftbefehl erlassen. Dabei handelt es sich um einen Schulfreund von Wildmoser junior sowie einen Angestellten der Wildmoser-Immobilienfirma in Dresden. Letzterer wurde nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwaltes Christian Schmidt-Sommerfeld am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem er ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Durchsuchung auch beim FC Bayern München

Am Dienstagmorgen wurden ab 9.00 Uhr zahlreiche Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Darunter die Geschäftsstellen der Münchner "Löwen" und des FC Bayern. Das LKA hob jedoch hervor, dass der FC Bayern nicht als beschuldigt gilt. Die Durchsuchung an der Säbener Straße sei lediglich zur "Auffindung von Beweismatarial" erfolgt. Weitere Informationen wollten die ermittelnden Behörden auf einer Pressekonferenz um 15.00 Uhr bekannt geben.

Ermittlungen seit Ende vergangenen Jahres

Nach Angaben des LKA führt die Staatsanwaltschaft München bereits seit Ende des vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren durch. Der Stadionbau, der insgesamt rund 300 Millionen Euro kosten soll, wird von beiden Verein gemeinsam getragen. Neben Wildmoser junior war zuletzt Fritz Scherer Geschäftsführer der Stadion GmbH. Scherer, ehemaliger Präsident von Bayern München, war allerdings in der vergangenen Woche (3. März) überraschend zurückgetreten. Der 64-Jährige hatte die Gesellschafter-Versammlung gebeten, ihn aus "persönlichen, gesundheitlichen Gründen" zum 1. April 2004 von seinen Aufgaben zu entbinden.

Sein Rücktritt habe indes mit den Ermittlungen "überhaupt nichts zu tun", stellte Scherer auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) klar: "Das waren persönliche und gesundheitliche Gründe, weil ich auf Dauer keinen Ganztagsjob mehr machen wollte.' Der FC Bayern stehe mit den vermuteten Straftaten in keinerlei Verbindung: `Wir sind alle rein. Ich habe mit den Angelegenheiten nichts zu tun - 100-prozentig."

Bürgermeister Ude fordert Zivilklage

Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat sich jetzt zu Wort gemeldet. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag forderte Ude den deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München auf Grund zu einer Zivilklage gegen die Beschuldigten auf. "Ich habe mit Professor Fritz Scherer telefoniert und ihn gebeten, eine Zivilklage einzuleiten. Bei einer erfolgreichen Klage könnte der Stadionbau billiger werden", sagte der Politiker.

Ude, Mitglied des TSV 1860 und des Aufsichtsrates der "Löwen", verlangte außerdem personelle Konsequenzen beim Klub: "Die sind erforderlich unabhängig von der strafrechtlichen Entwicklung." Zusammen mit Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) will er eine Aufsichtsratssitzung des Vereins einberufen. Dabei soll auch über mögliche Kandidaten geredet werden. Der neue Mann müsse das Krisenmanagement beherrschen, ein ehemaliger Aktiver komme nicht in Frage.

Die Bayern werden dieser Forderung wohl nachkommen. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte der deutsche Rekordmeister am Abend vor seinem Champions-League-Spiel bei Real Madrid: "Die FC Bayern München AG ist von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I völlig überraschend in Kenntnis gesetzt worden und hat sofort alles Erdenkliche veranlasst, um die Ermittlungen konstruktiv zu unterstützen. Vorstandsmitglied Karl Hopfner hat der Staatsanwaltschaft ausführlich Auskunft gegeben. Die FC Bayern München AG hat als mögliche Geschädigte die Wahrnehmung ihrer Rechte und die Prüfung aller rechtlichen Gesichtspunkte in anwaltliche Hände übergeben." Weitere Erklärungen wollten die Bayern nicht abgeben.

Autor: ck

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