Was geht eigentlich sportlich in Bottrop? Bevor im Mai 2009 ein Portrait der Sportstadt innerhalb der neuen RevierSport-Serie „Ein Stück Heimat“ ausführliche Antworten auf diese Frage gibt, lieferte ein aktueller Besuch in der Dieter-Renz Halle der 120.000 Einwohner-Stadt am gestrigen Sonntag erste Erkenntnisse: Volleyball geht nicht nur gut, sondern richtig gut in Bottrop.

Volleyball: RWE Volleys schmettern Bottrop aus der Tristesse

Höhenflüge und ein neues "Wir-Gefühl"

Thomas Wein
17. Februar 2009, 13:50 Uhr

Was geht eigentlich sportlich in Bottrop? Bevor im Mai 2009 ein Portrait der Sportstadt innerhalb der neuen RevierSport-Serie „Ein Stück Heimat“ ausführliche Antworten auf diese Frage gibt, lieferte ein aktueller Besuch in der Dieter-Renz Halle der 120.000 Einwohner-Stadt am gestrigen Sonntag erste Erkenntnisse: Volleyball geht nicht nur gut, sondern richtig gut in Bottrop.

Wenngleich der erste Ohrenschein am Eingang der vollbesetzten Sporthalle aufgrund hochfrequent übersteuerter Lautsprecher das Gefühl vermittelte, man habe sich auf die Kirmes am Berliner Platz verirrt, imponierte bei rechtem Licht betrachtet der Gesamteindruck. Die Koloraturen des Hallensprechers untermalten nämlich mitnichten irgendeine sportliche Provinz-Posse, sondern den Auftritt der ersten Mannschaft eines Bottroper Vereins, der das bietet, was der Stadt und dem modernen Sportpark so sehr fehlt: Ein gradliniger Weg hin zum Leistungssport auf oberstem, nationalen Niveau, bemerkenswerte 1.000 Zuschauer, bundesligataugliche Anreize im Rahmenprogramm, Sponsorenpflege an jeder Ecke und vor allem Sport in Perfektion.

Die RWE Rhein-Ruhr Volleys Bottrop dominieren derzeit die 2. Volleyball-Bundesliga Nord auf ganzer Linie und kaum jemand zweifelt noch an einem Aufstieg in die höchste Spielklasse. Als aktueller Tabellenführer fertigten die Schmetter-Asse um Kapitän Ferdi Stebner am Sonntagabend auch den direkten Verfolger USC Braunschweig in Windeseile glatt in drei Sätzen (25:21, 27:25, 25:15) ab und schraubten die Bilanz auf rekordverdächtige 10 Siege in Folge. Eine Erfolgs-Story, deren Basis Schritt für Schritt durch Trainer Michael Werzinger und den umtriebigen Teammanager Wolfgang Donat aufgebaut wurde. Akribisch legte das Duo in den letzten Jahren ein Fundament, das den Anforderungen eines Bundesligisten gerecht wird. Was steckt dahinter?

„Die Verbindung von Politik und Sponsoring hat ein professionelles Umfeld geschaffen“, gibt Donat unumwunden zu und verweist auf den Blick über den städtischen Tellerrand hinaus. So sorgt unübersehbar seit mehr als einem Jahr ein überregionaler Energieversorger im Vereinsnamen für die nötige Power. Der Sportausrüster und der Biersponsor kommen aus dem fernen Dänemark, Tee-Getränke aus Süddeutschland. Nachbarschaftlich unterstützend schwingen Cheerleader aus Oberhausen die Beine sowie Trommler im Schalke-Trikot die Schlagstöcke, wenn es bei jedem Satzball heißt: „Steht auf, wenn ihr Bottroper seid“.

Mineralwasser aus Essen erhält jeder Zuschauer in der Halle gratis, während ein neugieriger Ex-Fußballprofi aus Gelsenkirchen namens Yves Eigenrauch durch die Menschenmasse huscht. Der Essener RWE-Vertriebsvorstand Achim Südmeier nickt auf der Tribüne laut lachend auf die Frage, ob man für guten Sport auch mal die Stadt wechseln müsse, denn er weiß, dass sich das Engagement in der Nachbarstadt lohnt. In der Tat, man befindet sich in Bottrop - und die vereinsaffin folierten Firmenwagen eines lokalen Gesundheitsdienstes vor der Tür erinnern einen spätestens beim Verlassen der Halle daran.

„Die Randsportart Volleyball in einer strukturschwachen Region wie Bottrop zu etablieren, ist nicht einfach“, rechtfertigt Donat die Strategie der eher dezentralen Sponsoren-Akquise. Gleichzeitig verhindert er mit diesem Weg auch Konflikte bei den lokalen Förderern. Wohl wissend, dass der Fußballsport mit seiner Zugkraft für die Stadt eine große Bedeutung hat, aber ein grundlegendes Konzept und breite Unterstützung fehlt, sieht er klare eigene Vorteile: „Wir sind da konzeptionell entschieden weiter, da wir in erster Linie Interessen einfacher bündeln können.“

Dieses neue „Wir-Gefühl“, das vor allem auch innerhalb der Mannschaft der Motor des Fortschritts ist, wurde nach dem Trainerwechsel von Gürsel Yesiltas zu Michael Werzinger im November 2008 deutlich spürbar. Die verantwortungsvolle Haltung und die fachliche Meinung der Spieler werden seitdem stärker in den Vordergrund gestellt. „Ich habe eher die Funktion des väterlichen Freundes am Spielfeldrand. Die nötige Motivation und das Können für Liga eins tragen die Spieler in sich“, bekräftigt Werzinger. Das Feld für die Bundesliga ist also bestellt.

Sollte jetzt noch die Soundqualität in der Halle erstklassigen Ansprüchen genügen, bleiben bei den Bottroper Höhenfliegern langsam keine Wünsche mehr offen.

Autor: Thomas Wein

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