Felix Magath hat es sich gemütlich gemacht. Auf der Terrasse des Vorzeigehotels Sheraton an der portugiesischen Algaveküste nahe Albufeira zeigen sich gerade die letzten Sonnenstrahlen eines Tages, an dem der Trainer des Bundesliga-Vierten VfB Stuttgart seinen Kader auf die anstehende Rückrunde vorbereitet hat.

VFB STUTTGART - Magath will die Krone

rl
15. Januar 2004, 17:04 Uhr

Felix Magath hat es sich gemütlich gemacht. Auf der Terrasse des Vorzeigehotels Sheraton an der portugiesischen Algaveküste nahe Albufeira zeigen sich gerade die letzten Sonnenstrahlen eines Tages, an dem der Trainer des Bundesliga-Vierten VfB Stuttgart seinen Kader auf die anstehende Rückrunde vorbereitet hat.

Felix Magath hat es sich gemütlich gemacht. Auf der Terrasse des Vorzeigehotels Sheraton an der portugiesischen Algaveküste nahe Albufeira zeigen sich gerade die letzten Sonnenstrahlen eines Tages, an dem der Trainer des Bundesliga-Vierten VfB Stuttgart seinen Kader auf die anstehende Rückrunde vorbereitet hat.

"Wetter und Umgebung sind prima, hier passt alles", sagt Magath, der mit dem VfB bereits zum dritten Mal in Folge in diesem Ambiente arbeiten kann. Zuletzt folgte darauf immer eine äußerst gute zweite Halbserie, die die Schwaben vergangenen Sommer bis in die Champions League brachte. Darauf hofft Magath auch 2004. RS-Mitarbeiter Roland Leroi sprach mit dem Stuttgarter Trainer.

Felix Magath, der VfB schloss die erste Bundesliga-Halbserie als Tabellenvierter ab. Überwiegt in der Bewertung die Freude über diese Platzierung oder machen Ihnen die Partien zu schaffen, in denen Stuttgart zuletzt sechs Mal in Folge vor der Winterpause ohne Sieg blieb?
Die sechs Spiele sind vernachlässigenswert. Unterm Strich steht neben dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal der vierte Bundesliga-Platz und der Einzug ins Champions League-Achtelfinale. Der Verein hat damit große Ziele erreicht. Daran orientiere ich mich, wir legten eine hervorragende erste Halbserie hin. Jetzt gilt es, das Niveau zu halten und zu verbessern, damit wir nach der Saison zu den fünf besten deutschen Mannschaften Deutschlands gehören. Und in der Champions League wollen wir auch noch ein paar Runden schaffen.

In der Vorsaison schaffte Stuttgart den zweiten Platz. Wer Vize war, will aber doch auch Meister werden?
Das sehe ich genauso. Wir haben das Ziel, beim VfB nach 34 Spieltagen einmal ganz vorne stehen. Daran arbeiten wir. Mal sehen, ob und wie schnell wir das realisieren können.

Was fehlt Stuttgart aktuell zu Werder Bremen, Bayern München und Bayer Leverkusen, den drei Vereinen, die momentan vor dem VfB stehen?
Wir leben beim VfB von der guten Atmosphäre, vom außergewöhnlich positiven Miteinander. Jeder nimmt sich etwas zurück, jeder hilft dem anderen. Das brachte uns nach vorne. Wir haben eine Menge von talentierten Spielern, die sich aber weiter entwickeln müssen. Daher fehlt uns im Vergleich mit den anderen Klubs noch die Qualität der Einzelspieler. Entweder holen wir in der Winterpause noch etwas Klasse dazu oder wir müssen Geduld mit unseren jungen Leuten aufbringen und hoffen, dass die Spieler in ein, zwei Jahren so weit sind.

Ist Atmosphäre ein Punkt, auf den Sie besonders achten?
Das ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden als in früheren Zeiten. Mit negativer Atmosphäre habe ich schließlich schon schlechte Erfahrungen gemacht.

Rechnen Sie denn gar nicht damit, dass Ihre jungen Leute wie die Nationalspieler Kuranyi und Hinkel zwangsweise in ein Leistungsloch fallen?
Doch, es ist ja normal, wenn Spieler mal in Ihrer Entwicklung stagnieren oder zurück gehen. Darauf schaue ich schon die letzten zwei Jahre, bin immer auf der Hut und achte auf Anzeichen. Die Gefahr ist weiterhin da. Die Jungen sind bei uns Leistungsträger, die ganze Mannschaft würde unter einem Rückschritt leiden.

Überrascht es Sie, dass dieser Einbruch noch nicht stattfand?
Es ist erstaunlich, dass wir uns kontinuierlich gesteigert haben. Wir arbeiten daran, dass diese Entwicklung noch mindestens ein halbes Jahr anhält.

Nur ein halbes Jahr?
Auf mehr achte ich momentan nicht. Keiner weiß, was 2005 los sein wird.

Im letzten halben Jahr standen der VfB und sein Trainer ständig im Vordergrund. Viele meinen, Felix Magath, der früher nur ein Feuerwehrmann war und Quälix hieß, habe sich geändert. Fühlen Sie sich in diesen Einschätzungen richtig porträtiert?
Das ist ein Riesenthema. Es ist nun mal ein Unterschied, ob man mit der Mannschaft Woche für Woche um die Existenz spielt oder ganz oben steht. Jetzt ist die Arbeitsweise ganz anders, die Spieler trauen sich was zu. In so eine Situation kam ich mit meinen früheren Mannschaften ja nie. Mit dem Hamburger SV kletterte ich mal vom 17. auf den fünften Platz. Aber dann verkaufte man mir gegen meinen Willen mit Jörg Albertz den Kapitän. Danach hingen wir wieder im unteren Drittel. Die gesamte Existenz des Vereins steht in solchen Situationen auf dem Spiel. In Stuttgart war nach dem Klassenerhalt 2001 klar, dass wir mit jungen Leuten weiter machen. Das gab auch mir mehr Sicherheit. Deshalb ist mein Auftreten jetzt anders, als zu Hamburger, Bremer oder Frankfurter Zeiten.

Ist das alles?
Natürlich habe ich auch Erfahrungen gemacht, lege jetzt eben mehr Wert auf die Atmosphäre. Früher dachte ich, dass es ausreicht, Erfolg zu haben, damit die Spieler die Arbeit des Trainers akzeptieren.

Haben Sie momentan auch Glück, dass alles so gut passt?
Ja, darauf habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit in Stuttgart auch spekuliert. Es kommt der Mannschaft zugute, dass so viele junge Leute dabei sind. Spieler, die noch nicht so viel kennen und eher bereit sind etwas aufzunehmen. Die haben noch viel mehr Platz, ihre Ziele zu erreichen, als ein 30-Jähriger, der nur noch einen letzten großen Vertrag haben will. Diese Sprüche kennen wir ja. Wenn sich Spieler zehn Jahre lang mit Mittelmaß zufrieden gegeben haben, passt das mit meinen Vorstellungen nicht zusammen. Meine Ansprüche sind hoch, ich will Meister werden.

In Zeiten der Vorbereitung werden Sie in der Öffentlichkeit bisweilen immer noch Quälix genannt. Sie haben sich nach eigenen Angaben mit dem Erfolg geändert. Wie empfinden Sie dieses Markenzeichen?
Das hat nichts mit Veränderungen nichts zu tun. Der Ausdruck war früher nix und ist auch heute nix. Ich verstehe nicht, warum diese Situation von den Medien mitgetragen wird. In jeder Sportart muss man viel arbeiten, um an die Spitze zu gelangen. Darüber sind sich eigentlich alle einig. Ich mache nur das, was nötig ist, um nach oben zu kommen. Von meinen Spielern verlange ich nicht mehr, als das, was ich früher selbst als Profi beim HSV gemacht habe. Trotzdem kommen im Trainingslager gleich einige an und wundern sich über das harte Programm um 9.00 Uhr. Ja, leck mich doch am Ärmel. Wir wollen an die Krone und dürfen nicht jammern, dass man was dafür schaffen muss. Schauen Sie sich doch nur mal Turner und Schwimmer an. Die trainieren um 6.00 Uhr und verdienen damit nichts. Bei mir heißt es dann gleich Quälix.

Genießen Sie Ihre aktuelle Popularität?
Ich freue mich schon über den positiven Zuspruch. Von genießen kann aber keine Rede sein, weil ich mit meiner Mannschaft nur auf dem Wege nach vorne, aber noch lange nicht am Ende angelangt bin. Bis jetzt ist es viel besser gelaufen, als man es erwarten konnte. Wir müssen aber weiter und deshalb habe ich Angst, dass sich zu viele selbst auf die Schulter klopfen. Keiner kann sich zurücklehnen und etwas genießen. Darauf achte ich mit Argusaugen.

Glauben Sie, dass Ihre Jungprofis einen Blick für die schöne Stimmung unter Palmen und das gute Ambiente in einem Winter-Trainingslager haben?
Nein, dafür hatte ich früher aber auch keinen Blick. Für Fußballer ist das normal. Erst wenn die Normalität wegfällt, würde man das registrieren und das Gejammer würde losgehen.

Sorgt der Triumphzug in der Champions League für eine gewisse Leichtigkeit oder wird das eher zur Belastung?
Die internationalen Spiele haben uns getragen. Deshalb bin ich froh, dass wir noch mindestens zwei Spiele in der Champions League haben. Das hilft uns beim Rückrunden-Start und setzt bei allen eine zusätzliche Motivation frei.

Achtelfinal-Gegner FC Chelsea hat jede Menge Geld und setzt auf Stars. Der komplette Gegenentwurf zum VfB Stuttgart?
Da treffen zwei Welten aufeinander. Chelsea hat mit Sicherheit die besseren Einzelspieler, aber wir haben das bessere Mannschaftsgefüge. Die Chancen, ins Viertelfinale zu gelangen, liegen bei 50 Prozent.

Was machen Sie, wenn die Bayern kommen und Ihnen ein Angebot als Hitzfeld-Nachfolger unterbreiten?
Lass die Bayern erst mal kommen, dann denke ich drüber nach.

Und wer wird 2004 Deutscher Meister?
Die Bayern, weil die uns im Dezember glücklich geschlagen und ihre Krise bereits hinter sich haben.

Autor: rl

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