SCHALKE: Varela fühlt sich nicht als Sündenbock

hb
17. November 2003, 16:42 Uhr

Er ist der Typ Strahlemann, einer, mit dem man gerne mal in Ruhe ein gepflegtes Bier trinken möchte, um sich über Gott und die Welt zu unterhalten.

Er ist der Typ Strahlemann, einer, mit dem man gerne mal in Ruhe ein gepflegtes Bier trinken möchte, um sich über Gott und die Welt zu unterhalten. In den letzten Wochen und Monaten allerdings stand Gustavo Varela nicht der Sinn nach derlei Vergnügen, hatte wenig zu lachen. Grund ist nicht der dumme Aussetzer in Freiburg, der Schalke das Pokal-Aus bescherte,. Seit seiner schweren Schädelverletzung ist der „Uru“ nicht mehr wieder zu erkennen. Gegenüber RevierSport erklärt der 25-Jährige, warum das so ist. Obwohl Varela inzwischen gut deutsch versteht und passabel spricht, fungierte als Übersetzer der Spanier Manuel Martinez, der für die Schalker Südamerika-Fraktion als Freund und Berater in allen Lebensfragen gilt.

Gustavo Varela, fühlen Sie sich degradiert, als WM-Teilnehmer 2002 plötzlich in der Regionalliga zu spielen?
Nein. Es mag sein, dass es so aussieht, aber ich fühle mich noch nicht fit genug, um in der Bundesliga zu bestehen. Aber ich bin auf dem besten Weg dahin.

Nach Freiburg waren Sie der Buhmann auf Schalke. Wie sind Sie damit umgegangen?
Natürlich ist mir klar, dass ich laut der Presse der Schuldige war. Ich bin aber der Meinung, dass es die Schiedsrichter vermehrt auf ausländische Spieler abgesehen haben.

Fühlen Sie sich noch wohl auf Schalke?
Ja, ich fühle mich sehr wohl. Jeden Tag lerne ich etwas dazu. Ich habe auch große Unterstützung durch die Mannschafts-Kollegen sowie meine Freunde und Familie außerhalb des Vereins.

Von außerhalb hat man den Eindruck, die Südamerikaner würden ein Grüppchen bilden, was der Integration ins Team nicht förderlich ist!
Es gibt keine Cliquen. Es ist selbstverständlich, dass wir Südamerikaner untereinander Spanisch sprechen. Zu den anderen Kollegen habe ich aber genau soviel Kontakt. Das ist auch wichtig.

Wie wichtig ist da ein Trainer wie Jupp Heynckes, der Ihre Sprache beherrscht?
Es ist natürlich immer besser, wenn man direkt mit dem Trainer sprechen kann und nicht über Dolmetscher. Vor allem, wenn es um persönliche und nicht nur sportliche Dinge geht.

Seit Ihrer schweren Kopfverletzung am 6. November 2002 haben Sie nie wieder die Form erreicht, mit der Sie zu Beginn Verantwortliche und Fans begeisterten!
Nach meiner Verletzung hatte ich ziemliche Schwierigkeiten. Die Kopfschmerzen hielten sich über drei, vier Monate und jetzt kam eine neue Verletzung am Knie hinzu. Da hatte ich Schwierigkeiten, meine Leistung zu finden.

Wann wird Gustavo Varela wieder der Alte?
Wenn die kleinen Problemchen weg sind, werde ich wieder dort anknüpfen, wo ich vor der Verletzung aufgehört habe. Ich verbessere mich jeden Tag ein bisschen. Daher hoffe ich, dass ich in der Rückrunde wieder richtig loslegen kann.

Autor: hb

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