Thomas Zdebel hatte es nach seinem ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an in dieser Saison nicht unbedingt eilig, das Stadion zu verlassen.

VfL: Thomas Zdebel sauer über Tribünen-Fans

„Unterste Schublade“

Günther Pohl und Uli Homann
28. September 2008, 15:13 Uhr

Thomas Zdebel hatte es nach seinem ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an in dieser Saison nicht unbedingt eilig, das Stadion zu verlassen.

In der rewirpower-Lounge „schleppte“ er ein ganzes Rudel begeisterter Kids hinter sich her, die er geduldig mit Autogrammen seiner Kollegen versorgte. Vielleicht war es die unbekümmerte Zuneigung der Jung-Fans, die den Kapitän vom zuvor Erlebten ein wenig ablenken konnte. Zunächst hatte der Ex-Nationalspieler in seiner Spielanalyse den Nagel auf den Kopf getroffen: „Wer 60 Prozent Ballbesitz gegen Leverkusen hat, sich so viele Chancen erarbeitet, hat mit Sicherheit eine ordentliche Leistung gezeigt.“

Natürlich weiß Thomas Zdebel, warum es dennoch nicht gereicht hat: „Beim Abschluss fehlte uns die letzte Konsequenz. Bei einem 1:2 noch vor der Pause hätte das Spiel eine andere Wendung genommen.“ Um aber nicht als Schönredner bezeichnet zu werden, fügte er auch an: „Beim ersten Gegentor haben wir uns dämlich angestellt. Wir haben nur zugeguckt.“

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Aber die Phase nach dem 0:3 treibt den Routinier zu der Feststellung: „So kann sich nur eine intakte Mannschaft verhalten. Das war totale Leidenschaft. Das müsste eigentlich der letzte Fan gemerkt haben.“ Und dann wandte sich der Spielführer einem finsteren Kapitel des Nachmittages zu: „Ich habe Freunde auf der Tribüne gehabt, die sich nur neutral ein Spiel anschauen wollten. Aber was sie auf den Rängen erlebt haben, das war unterste Schublade.“

Zdebel gesteht jedem Besucher zu, dass er seinen Unmut über Spiel und Ergebnis oder auch einen Fehlpass zum Ausdruck bringen kann. Doch eines stellt er auch fest: „Auch wenn ich jetzt monatelang wieder der Buhmann bin: Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen. Jetzt ist Schluss. So etwas wie gestern Nachmittag schadet erstens der Mannschaft, die auf dem Rasen steht. Und zweitens der gesamten Außendarstellung des Klubs.“

Zdebel weiter: „Im letzten Jahr haben sie versucht, Pavel Drsek fertig zu machen. Nun haben sie sich Oli Schröder ausgeguckt. Das ist einfach unfassbar. Das gehört sich nicht, und ich werde es als Kapitän nicht einfach hinnehmen.“ Zdebel hat aber auch festgestellt, dass die Missfallens-Kundgebungen gegen Schröder, Koller und zu Beginn gegen das Team allgemein nicht für das gesamte Publikum
sprechen.

Zdebel: „Ich glaube, auf den Rängen gibt es wieder eine gespaltene Gesellschaft. Und das ist alles andere als positiv.“ Und das nach einem Spiel, in dem man dem VfL durchaus eine ordentliche Leistung bescheinigen kann.

Autor: Günther Pohl und Uli Homann

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