Das erste Jahr lief schon einmal sehr gut und kann als Erfolg abgestempelt werden, nicht nur sportlich. Der 2007 gegründete Moscheeverein SV Genc Osman Duisburg schaffte auf Anhieb den Aufstieg in die Kreisliga B und das sogar ungeschlagen. Auch in der jetzigen Spielklasse hat der Club schon Ambitionen angemeldet, um eventuell in der kommenden Saison einen A-Ligisten zu stellen.

Kreis DU/MH/DIN: Genc Osman Duisburg sportlich und sozial engagiert

Größte Hürde Ramadan

Heiko Gaeb
09. September 2008, 08:29 Uhr

Das erste Jahr lief schon einmal sehr gut und kann als Erfolg abgestempelt werden, nicht nur sportlich. Der 2007 gegründete Moscheeverein SV Genc Osman Duisburg schaffte auf Anhieb den Aufstieg in die Kreisliga B und das sogar ungeschlagen. Auch in der jetzigen Spielklasse hat der Club schon Ambitionen angemeldet, um eventuell in der kommenden Saison einen A-Ligisten zu stellen.

Da es sich bei den Kickern hauptsächlich um praktizierende Muslime handelt, ist der aktuelle Fastenmonat Ramadan die sportlich schwierigste Phase für die Mannschaft. Das weiß auch Erkan Üstünay, Coach und erster Vorsitzender in einer Person: "Wenn wir die nächsten Wochen einigermaßen schadlos überstehen, dann geht es weiter bergauf." Und wenn man sich die sechs neuen Transfers anschaut,dann ist deutlich zu sehen, dass höhere Ambitionen keineswegs unrealistisch sind.[infobox-right]Die Zugänge des SV Genc Osman Duisburg:
Mustafa Arslan (TSV Bruckhausen), Hüseyin Bulut (Galatasaray Mülheim), Sinan Calik (VfB Lohberg), Bulus Citlak (KSV Paschaspor), Hakan Kaygisiz (FSV Duisburg), Gökhan Kiltan (1. FC Dersimspor)[/infobox]Da taucht mit Sinan Calik ein Name auf, der wohl nicht nur Kennern des türkischen Fußballs bekannt sein dürfte. Schließlich gelangte sein Bruder Serkan über Rot-Weiss Essen zu Galatasaray Istanbul. Und auch der aktuell beste Torschütze im Verein hat einen Bruder, der sein Geld bei dem Viertligisten in Essen verdient. Mit Ufuk Türkeri geht der Bruder von Haluk für den Kreisligisten auf Torejagd.

"Das ist sehr schön für uns", freut sich Üstünay, "schließlich kommt uns Serkan immer besuchen, wenn er in Duisburg ist und er kommt auch sicher mal mit uns auf den Platz." Aber, dass es sportlich läuft, ist nicht der Hauptgedanke des Vereins. Das soziale Engagement im strukturschwachen Norden der Stadt steht eindeutig im Vordergrund. "Fußball ist eine schöne Sache und sicher ist die erste Mannschaft unser Aushängeschild, aber wir sind auch für die Jugendlichen da, die keine Lust auf Sport haben. Für die bieten wir einen Jugendtreff an. Und der ist sehr gut besucht. Bis zu 100 Leute finden sich dort täglich ein", beschreibt der Familienvater die Tatsache, dass daran wirklich Bedarf ist und nimmt dabei die Stadt in Schutz, der finanziell die Hände gebunden sind und die sich dennoch regelmäßig dem Vorwurf ausgesetzt sieht, die Menschen in bestimmten Stadtteilen zu vernachlässigen: "Die Zusammenarbeit mit der Stadt klappt sehr gut." [infobox-right]Kurz-Info zum Verein:
gegründet: 2007
Platzanlage: Der Verein teilt sich mit insgesamt vier Clubs den Heinrich Hamacher-Sportpark auf der Oberhauser Allee.
Aktuell kickt die erste Mannschaft in der Kreisliga B, in der sie nach vier Spieltagen neun Zähler erreichen konnte.
Der Verein beschreibt sich selbst als Zentrum für Sport, Bildung, Kultur und Integration[/infobox]Es geht neben der Freizeitgestaltung wie Kicker- oder Billardspielen auch darum, jungen Menschen bei der Bewältigung von schulischen Problemen bis hin zur Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen einen kommunikativen Ort fernab von irgendwelchen Treffpunkten auf der Straße zu bieten.

Und eine weitere Sache, die einzigartig in Deutschland ist, sei hier auch noch aufgeführt. Der Verein führt eine Kooperation mit der Polizei, persönlich von Rolf Cebin, Polizeipräsident in Duisburg, initiiert. Eine Sache, die für den demografischen Aufbau im Nordteil der Stadt von großer Bedeutung ist.

Schließlich kann damit ein erfolgreicher Versuch unternommen werden, das leider immer wieder bestätigte Vorurteil zu widerlegen: Von zu Rudelbildung neigenden und beleidigenden türkischen Spielern, die im Eifer des Gefechts schon mal jegliche Form sportlicher Fairness in Vergessenheit geraten lassen, wenn es darum geht, seinen Mann auf dem Platz zu stehen. [imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/009/117-9436_preview.jpeg Kämpft gegen Vorurteile und soziale Schwierigkeiten im Duisburger Norden und trainiert nebenbei noch eine erfolgreiche Fußball-Mannschaft: Erkan Üstünay[/imgbox]Und das Problem, dass staatliche Institutionen wie die Polizei häufig nicht ausreichend respektiert werden, kann mit einer solchen Kooperation auch erfolgreich bekämpft werden. Das Ziel des beidseitigen Verständnisses und der Ausbau gegenseitiger Akzeptanz und Sympathie kann nur so erreicht werden. Üstünay wird dabei nicht müde, weitere Ideen zu präsentieren, um diesem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen. Zum Schluss sagt er: "Wir sind alles Menschen und in dem Fall geht es darum, dass wir in Duisburg friedlich zusammenleben."

Autor: Heiko Gaeb

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