Ehemals an der

RWE U19: Keine Verwunderung über Berater in der Jugend

Kein Funktionär, sondern "Projektleiter"

og
15. Januar 2007, 09:27 Uhr

Ehemals an der "Front" - jetzt im koordinierenden Hintergrund.Andreas Winkler.

Das Näschen für Entwicklungen dürfte er haben, insgesamt absolvierte Winkler 101 Zweitligaeinsätze zum Beispiel für Blau-Weiß 90 Berlin oder Hannover 96 und den VfB Lübeck, stand im Wolfsburger Bundesligakader, hatte auch ein Engagement beim FC Bayern München, wo er sogar einmal auf dem "großen" Mannschaftsfoto landete. Interessant ist sicherlich, dass der 38-Jährige je nach Verein anders eingeordnet wurde - Mittelfeld, Abwehr, Sturm. Ein Allrounder, jetzt - "ich sehe mich als Projektleiter" - hinter dem Schreibtisch. Allerdings ohne Beamten-Tendenz.

Andy Winkler, alles blickt bei RWE auf die Zweitligatruppe und deren Schicksal. Spüren Sie auch Unruhe bis in die Youngster-Abteilung?

Bis jetzt ist noch keinerlei Unruhe zu bemerken. Sogar das wöchentliche Fördertraining auf dem Profiplatz läuft wie besprochen weiter. Vielleicht denkt der ein oder andere Spieler aus der U19, dass er in dieser Saison auch noch gebraucht wird im Abstiegskampf...

Wie gehen Sie damit um?

Bei der Jugendarbeit und Jugendausbildung darf man nicht zu sehr auf die aktuelle Situation schauen, sondern muss kontinuierlich mit den Jungs arbeiten. Das zahlt sich am Ende aus.

Wenn Sie ein Fazit der A-Junioren ziehen, wie würde das bezüglich des letzten halben Jahres lauten?

Nach großen Anlaufschwierigkeiten hat sich die Auswahl gefunden und konnte das ein oder andere Mal ihre Klasse zeigen

Zum Beispiel bei den Siegen gegen Schalke und Bochum.

Die Verunsicherung nach dem ersten Spiel, der 0:1-Niederlage in Erkenschwick, war bei der neu formierten Mannschaft noch lange zu merken. Bemerkenswert war, dass gerade die Jungjahrgänge sich schon in ihren ersten Monaten in der Junioren-Bundesliga sehr gut präsentierten. Dagegen hatte so mancher Altjahrgang mit der Rolle, als nunmehr "Führungsspieler", in die man automatisch rutscht, wenn man schon das zweite Jahr in der U19 spielt, große Probleme.

Wie ist das zu erklären?

Ich glaube, dass sich gerade diese Jungs zu sehr unter Druck setzen, da es ihr letztes und vielleicht entscheidendes Jahr ist. Die letzten sechs Monate waren sehr aufschlussreich für das Trainergespann und mich, wir freuen uns auf die kommenden Monate.

Mit Michel Harrer schaffte ein Akteur - der verletzungsbedingt noch nicht viel zeigen konnte - in der letzten Spielzeit den Sprung nach oben. Sehen Sie Jungs, die dem nacheifern könnten?

Da sehe ich durchaus zwei Spieler des Altjahrgangs, die in den nächsten Monaten noch für Furore sorgen können. Ich werde allerdings jetzt keine Namen nennen. Einigen Jungjahrgänge traue ich vieles zu...

Gut, dass sich die U23 durchsetzt!

Korrekt, wir haben einige Argumente mehr, wenn es um die Zusammenstellung des nächsten A-Jugendkaders geht.

Der Club wird 100 Jahre "alt", ist diese Tradition eigentlich in der Nachwuchsabteilung ein Thema, wird so etwas gegenüber den Youngstern betont, dahingehend, dass man einen großen Namen der Fußballszene als Logo trägt?

Nicht speziell, aber doch in der ein oder anderen Situation. Besonders, wenn man mit den Eltern spricht.

Wenn Sie einmal in Ihre Jugendzeit zurückblicken, erkennen Sie sich wieder in einigen Gesichtern? Oder hatte das einen komplett unterschiedlichen Anstrich?

Da meine Karriere total anders verlief, kann ich da nur wenig Parallelen ziehen. Ich bin als 19-jähriger Senior aus der Kreisliga B mit zweimal Training auf Asche pro Woche direkt zu den Bayern. Aber bei einem Spieler, der gerade von einem kleinen Verein zu uns kommt und einfach drauf los spielt, kann ich mich durchaus wiederfinden.

Inwieweit mussten Sie sich neu im "Geschäft" orientieren, um sich auf Ihrem Posten zu etablieren?

Die Umstellung erfolgte ja in Raten, da ich nach meinem Engagement zwar sofort Jugendkoordinator wurde, aber noch hauptsächlich bei der 1. Mannschaft als Teamkoordinator fungierte. Ich habe mich dann peu á peu in die Funktion hineingearbeitet und immer mehr Spaß daran gefunden. Von Anfang an habe ich alle Personen, die mir in dem Job begegneten, genau beobachtet, vieles hinterfragt und so wichtige Dinge mitbekommen, die mir dabei halfen, mich in dem Job zu orientieren. Letztendlich muss man aber seine eigene Philosophie entwickeln und umsetzen, aber dabei immer über den Tellerrand hinaus sehen.

Ist das Ihr "Ding" auch für die Zukunft - Andy Winkler, der Funktionär?

Ich sehe mich weniger als "Funktionär", sondern vielmehr als Projektleiter.

Was fehlt RWE noch in der Jugendarbeit, wo muss noch der Hebel angesetzt werden?

Ich glaube, jeder weiß über unsere Infrastruktur Bescheid, daher werde ich dazu nichts sagen, sondern hoffe in den nächsten Jahren auf vernünftige Bedingungen auch an der Hafenstraße. Ich denke, dass im Verein mittlerweile jeder begriffen hat, dass Rot-Weiss nur mit einer guten Jugendarbeit bestehen kann. Dies muss eine wichtige Säule des Clubs sein.

Staunen Sie nicht manchmal, wenn Jugendakteure bereits mit Beratern um die Ecke kommen?

Nein, das Staunen lohnt nicht mehr, da man es mittlerweile gewohnt ist, aber es ist nicht immer förderlich für den Spieler. Oftmals wird vom Kicker und dessen Eltern ein Beratervertrag schon als Entré ins Profigeschäft gesehen. Dagegen ist doch das alles Entscheidende die Entwicklung des Jungen und was er auf dem Rasen zeigt...

Ungefähr so: Wichtig is auf'm Platz...

Dies wird oft falsch eingeordnet und bis die Beteiligten es merken, ist es oft schon zu spät.

Stichwort Trainerzukunft! Wann wird mit dem Duo Sven Demandt und Markus John über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen?

Das ist vom Vorstand und der Sportlichen Leitung für Januar/Februar angedacht.

Autor: og

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