Die Doping-Seuche weitet sich vor der letzten Woche der 95. Tour de France immer weiter aus. Neben den EPO-Fällen der Spanier Manuel Beltran und Moises Duenas Nevado sowie des Italieners Riccardo Ricco und einem Teilgeständnis von Riccos Saunier-Duval-Teamkollegen Leonardo Piepoli in der Zeitung El Pais (

Tour und Radsport im Würgegriff der Doping-Seuche

ARD-Enthüllungen über spanisches Labor

Oliver Görz Prato (sid)
20. Juli 2008, 15:23 Uhr

Die Doping-Seuche weitet sich vor der letzten Woche der 95. Tour de France immer weiter aus. Neben den EPO-Fällen der Spanier Manuel Beltran und Moises Duenas Nevado sowie des Italieners Riccardo Ricco und einem Teilgeständnis von Riccos Saunier-Duval-Teamkollegen Leonardo Piepoli in der Zeitung El Pais ("Habe das gleiche getan wie Ricco") lassen Enthüllungen der ARD über ein dubioses Labor in Spanien auf perfide Doping-Praktiken schließen.

Zudem sorgen weitere Sponsoren-Rückzüge für zunehmende Zukunftsängste in der in Verruf geratenen Profiradszene. Nach einem Bericht der "Sportschau live" soll ein Labor der Universidad de Extremadura im spanischen Caceres zehn Profiradteams per E-Mail angeboten haben, durch Urin-Analysen ein komplettes Steroid-Profil der Fahrer durchzuführen. Der bereits vor Jahren in eine Doping-Affäre ("Operacion Gamma II") verwickelte, später aber wieder freigelassene Arzt Marcos Maynar Marino bietet darin Untersuchungen nach den Standards des Weltverbandes UCI an. Solche Steroid-Profil-Analysen könnten dazu dienen, dass sich Sportler an Grenzwerte herandopen und positiv getestete Sportler vor einer offiziellen Doping-Kontrolle aus dem Rennen genommen werden. "Das haben wir schon länger vermutet, dass es irgendwo in Europa noch Laboratorien gibt, die Proben vorchecken. Laboratorien, die außerhalb des Kontrollsystems sind, und die dann Urin-Anteile von Athleten untersuchen, so dass die genau wissen, wann sie ihre Doping-Substanzen absetzen müssen, um nicht bei Kontrollen aufzufallen", sagte Dr. Hans Geyer vom Zentrum für präventive Doping-Forschung in Köln dem Sender.

Auch der Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, David Howmann die beschriebenen Praktiken `besorgniserregend´ und erklärte, die Wada werde die Informationen an die spanischen Behörden weitergeben. Während unter diesen ungünstigen Rahmenbedingungen Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer weiter einen neuen Geldgeber für die kommende Saison sucht ("Ich kann noch nichts neues vermelden"), geht das Sponsoren-Sterben im Radsport auch am Rande der Tour weiter. So erklärte das südafrikanische Unternehmen Barloworld nach dem Dopingfall des Teammitglieds Duenas Nevaro seinen Ausstieg nach der Tour an.

Daneben verlautete auch beim Saunier-Duval-Rennstall nach den Fällen Ricco und Piepoli, ein Ausstieg sei "äußerst wahrscheinlich". Neben Gerolsteiner kämpft zudem die französische Equipe Credit Agricole um ihre Existenz. Im Radsport-Land Italien, wo die Große Schleife mit der Etappenankunft am Sonntag, dem Ruhetag in Cuneo am Montag sowie dem Start am Dienstag gastiert, sind die Medien unterdessen auf einem klaren Anti-Radsport-Kurs eingeschwenkt. So gibt es für die auflagenstärkste italienische Zeitung "Corriere della sera" nur zwei Möglichkeiten: "Entweder man hört mit dem Radsport auf oder man hört mit den Dopingkontrollen auf."

Der "Corriere dello Sport" fordert gar: "Meine Herren vom Radsport: Jetzt stoppt alles!" Dagegen hat Doping-Sünder Ricco immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt und zweifelt stattdessen lieber die Gültigkeit der Dopingtests bei der Tour an. "Wir müssen die Gegenprobe abwarten und sehen, ob der Test gültig ist. Ich glaube, das ist nicht hundert Prozent sicher", sagte der Italiener der Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport. Zum Vorwurf des Epo-Dopings wollte er sich nicht direkt äußern. "Die Antwort gibt es in den nächsten Tagen. Ich werde jetzt erst meinen Anwalt aufsuchen, um meine Verteidigung zu starten", so der 24-Jährige, der fest an sein Comeback glaubt: "Ich werde zurückkommen, und ich werde stärker sein als zuvor."

Autor: Oliver Görz Prato (sid)

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