Der türkische Fußball-Nationaltrainer Fatih Terim reagiert mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf den personellen Notstand in seinem Team:

Türkei: Trainer Terim macht Torwart zum Feldspieler

Nihat fehlt sechs Wochen

sid
22. Juni 2008, 18:39 Uhr

Der türkische Fußball-Nationaltrainer Fatih Terim reagiert mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf den personellen Notstand in seinem Team:

Der 54-Jährige will nach dem drohenden Ausfall von neun Spielern beim Halbfinale gegen Deutschland am Mittwoch in Basel (20.45 Uhr/live im ZDF) seinen Ersatzkeeper Tolga zum Feldspieler umfunktionieren.

"Als Einwechselspieler könnte er zum Ende des Spiels als letzter Mann oder als Mittelstürmer zum Einsatz kommen. Wir können uns nicht mehr den Luxus erlauben, dass sich die Spieler aussuchen, wo sie spielen wollen", sagte Terim am Sonntag.

Trotz der massiven Personalsorgen ist Terim vor dem Semifinale gegen Favorit Deutschland nicht bange. "Wir haben bereits mehrfach gezeigt, dass wir das Unmögliche möglich machen können. Ich glaube fest an mein Team und an das Finale", erklärte Terim.

Am Samstag hatte sich die ohnehin schwierige Personallage beim WM-Dritten von 2004 noch einmal verschärft. Bei Stürmerstar Nihat wurde nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Kroatien ein Ödem in der Leiste festgestellt. Der Angreifer des spanischen Erstligisten FC Villarreal, der zwei EM-Tore für die Türken erzielt hatte, fällt voraussichtlich sechs Wochen aus.

Zudem sind Torhüter Volkan (Rote Karte), Verteidiger Emre Asik sowie die Mittelfeldspieler Tuncay und Arda (jeweils zweite Gelbe Karte) gesperrt. Neben Emre Güngör, für den das Turnier nach einem Muskelfaserriss bereits beendet ist, werden Mittelfeldspieler Emre Belözoglu (Wadenverletzung) und wahrscheinlich auch Abwehrspieler Servet (Innenbanddehnung im Knie) ausfallen. Fraglich ist zudem der Einsatz von Mittelfeldspieler Tümer (Leistenprobleme).

Die Türkei darf trotz der personellen Probleme keine Spieler nachnominieren. Der türkische Verband hat bislang aber auch kein entsprechendes Gesuch an die Europäische Fußball-Union (UEFA) gestellt. UEFA-Medienchef William Gaillard sagte am Sonntag: "Die Turnierregeln standen vor Turnierbeginn fest, und wir haben nicht die Absicht, sie während des Turniers zu ändern. Nachnominiert werden im Verletzungsfall konnte ein Spieler nur vor dem ersten Spiel seiner Mannschaft."

Bei der EM 1996 hatte Deutschland vor dem Finale auf Sondergesuch den damaligen Freiburger Jens Todt nachnominieren dürfen, weil Bundestrainer Berti Vogts aufgrund zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle große Personalprobleme vor dem Duell gegen Tschechien hatte. Erst unmittelbar vor Spielbeginn hatte Kapitän Jürgen Klinsmann beispielsweise seinen Muskelfaserriss auskuriert und konnte im Endspiel im Wembley-Stadion, das Oliver Bierhoff durch sein Golden Goal in der Verlängerung entschied, doch eingesetzt werden.

Autor: sid

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