Wenn Said Daftari am heutigen Samstag von Frankfurt aus in den Flieger steigt, geht es nicht ins übliche Kicker-Ziel Mallorca. Denn für den Uerdinger ist die Saison noch gar nicht beendet, sie fängt erst richtig an. Zum ersten Mal wird der Deutsch-Afghane für das Heimatland seiner Eltern antreten. Ein Land, das er nur aus Erzählungen kennt und das er auch mit seiner Nationalmannschaft vorerst nicht besuchen wird.

Uerdingen: Daftari vor Debüt für Afghanistan

Sri Lanka statt Schonnebeck

31. Mai 2008, 08:35 Uhr

Wenn Said Daftari am heutigen Samstag von Frankfurt aus in den Flieger steigt, geht es nicht ins übliche Kicker-Ziel Mallorca. Denn für den Uerdinger ist die Saison noch gar nicht beendet, sie fängt erst richtig an. Zum ersten Mal wird der Deutsch-Afghane für das Heimatland seiner Eltern antreten. Ein Land, das er nur aus Erzählungen kennt und das er auch mit seiner Nationalmannschaft vorerst nicht besuchen wird.

Im Rahmen der Südasien-Meisterschaft reist er mit Afghanistan über Dubai nach Sri Lanka, wo er am kommenden Mittwoch auf die Gastgeber, am Freitag, den 6. Juni, auf Bangladesch und am Sonntag, den 8. Juni, auf Bhutan treffen wird. Gelingt der Einzug ins Halbfinale, würde es auf den Malediven weitergehen. "Das wird eine sehr emotionale Geschichte", befürchtet Daftari. Und damit auch der Rahmen dazu passt, paukte er in den vergangenen Tagen mit Vater Farid und Mutter Soraya kräftig die Nationalhymne. "Meine Eltern sind sehr stolz, die ganze Familie ist aufgeregt", berichtet der 25-Jährige.

Dessen Traum von der internationalen Laufbahn kam erst durch den Vater zustande. Der ließ seine Kontakte zu einem alten Jugendfreund aus dem afghanischen Innenministerium spielen, der wiederum den Kontakt zum deutschen Nationaltrainer Klaus Stärk herstellte. "Er wusste gar nicht, dass ich einen afghanischen Pass besitze", erklärt der gebürtige Bergisch Gladbacher, der sofort auf offene Ohren stieß.

Gedanken über mögliche Verständigungs-Probleme muss sich Daftari nicht machen, nicht nur aufgrund des Linien-Chefs. Gleich neun Akteure kommen aus Deutschland, alle kicken in der Oberliga – in Hessen, im Südwesten und im Hamburger Raum. "Einige haben sich sogar im Vorfeld telefonisch bei mir gemeldet", erklärt der Allrounder mit einem Lächeln. Den Rest wird er in Frankfurt kennen lernen. Auf dem langen Flug werden sie ihm wieder von dem Gefühl berichten, für ein fast unbekanntes Land aufzulaufen und sich trotzdem plötzlich wie zu Hause zu fühlen. "Wenn man nicht komplett abgebrüht ist, löst das schon etwas aus", ist sich Daftari sicher.

Für diese Erfahrung gibt er seinen Mobilfunk-Shop in Düsseldorf gerne in andere Hände. "Das ist ein Traum, so etwas erlebt man nicht jeden Tag", ist der frühere Mönchengladbacher überzeugt. Wohl wissend, dass es bald in der sechsten Klasse gegen Teams wie den SV Hönnepel/Niedermörmter oder die SV Schonnebeck geht. Aber das ist noch so weit weg, viel weiter als Sri Lanka, die Malediven und Afghanistan zusammen...

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