Nur 66 Mann groß war der Tross von Bayer Leverkusen, der sich zum heutigen Champions-League-Spiel beim AS Rom aufmachte. Nicht viel mehr werden es im Olympiastadion sein, wo die Roma vor fast leeren Rängen spielen muss.

Leverkusen mit Mini-Tross zum "Geisterspiel"

03. November 2004, 08:58 Uhr

Nur 66 Mann groß war der Tross von Bayer Leverkusen, der sich zum heutigen Champions-League-Spiel beim AS Rom aufmachte. Nicht viel mehr werden es im Olympiastadion sein, wo die Roma vor fast leeren Rängen spielen muss.

Nur 66 Personen machten sich am Dienstagmorgen im Tross von Bundesligist Bayer Leverkusen auf zum Champions-League-Spiel der Gruppe B heute beim AS Rom (20.45 Uhr/live bei Premiere). Und dieses wird als "Geisterspiel" in die Historie des UEFA-Pokalsiegers von 1988 eingehen. Spieler, Trainergespann, Vorstand, handverlesene VIP´s und einige Journalisten begleiteten den Werksklub zum Match an den Tiber.

Strenge UEFA-Auflagen

Strenge Auflagen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) reglementieren genau die Kopfzahl der Bayer-Delegation. Die Roma wurde nach dem Münzwurf gegen den schwedischen Schiedsrichter Anders Frisk im Spiel gegen Dynamo Kiew zu einer Platzsperre verurteilt. "Für uns ist das ein Vorteil, ohne Zuschauer zu spielen", erklärte Vize-Weltmeister Bernd Schneider optimistisch. Augenthaler ist noch nicht sicher, wie sich das nahezu leere Estadio Olimpico auf seine Schützlinge auswirken wird: "Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Aber ich hoffe, dass die Römer nicht so rüde einsteigen wie im Hinspiel."

Damals war der Ex-Klub von Rudi Völler sehr disziplinlos aufgetreten, flogen die "Rüpel" Christian Panucci und Daniele de Rossi vom Platz. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Italiener revanchieren oder rächen wollen für die 1:3-Niederlage in Leverkusen. Und dass sie auch noch in der Heimat als disziplinloser Haufen abqualifiziert wurden, hat sie in ihrer Ehre gekränkt, daher wird es wohl ein hartes Spiel geben", meinte "Auge".

Bayer will endlich auswärts gewinnen

Hinzu kommt, dass Bayer im "Geisterspiel" seinen Auswärtsfluch beenden will. Nach Pleiten, Pech und Pannen in der Fremde in dieser Saison steht die Augenthaler-Truppe am Scheideweg, kann allerdings im Falle eines Erfolgserlebnisses in Rom die Weichen in Richtung Einzug ins Achtelfinale der Champions League stellen.

Dagegen spricht die schwache Auswärtsbilanz in dieser Spielzeit. Mit lediglich zwei Pünktchen sind die Rheinländer die schwächste Bundesliga-Mannschaft in der Fremde. "Wir müssen ähnlich spielen wie in Leverkusen, und wir müssen uns auf die Situation in Rom einstellen", äußerte Kapitän Jens Nowotny, der an das Wiederholungsspiel des Nebelspiels bei Juventus Turin erinnerte, das ebenfalls unter besonderen Umständen und fast leeren Rängen am Nachmittag stattfand. Damals gab es aber eine 0:4-Bauchlandung.

Nowotny zunächst auf der Bank

Die soll diesmal unter allen Umständen verhindert werden. Nowotny wird im übrigen nicht von Anfang an spielen. Für den Nationalspieler rückt der brasilianische Weltmeister Roque Junior in die Viererabwehrkette von Bayer. Die Gäste wollen sich als Einheit präsentieren wie bei den Gala-Auftritten gegen Real Madrid (3:0), AS Rom (3:1) und in der Bundesliga gegen die Bayern (4:1).

Die Roma, bei der Rudi Völler, einstiger Bayer-Sportdirektor und Ex-Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, nach nur 26-tägiger Teamchefrolle seinen Rücktritt erklärte, kämpft um Wiedergutmachung und nach drei Blamagen um ihre letzte Chance in der Königsklasse. Völler glaubt: "Es ist gefährlich, wenn im Stadion nicht viel los ist. Bayer muss aufpassen, denn AS Rom zählt trotzdem zu den vier, fünf besten Mannschaften in Italien."

Bereits mit einem Remis könnte sich Bayer Platz drei in der Gruppe und damit die Teilnahme am UEFA-Pokal-Achtelfinale sichern. "Aber wir wollen mehr", kündigte Mittelfeldspieler Carsten Ramelow an. Außer Roque Junior kehren auch dessen Landsmann Robson Ponte und der Pole Jacek Krzynowek ins Bayer-Team zurück, Jermaine Jones fehlt dagegen wegen seines Syndesmoserisses.

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