Es war am Ende das von den meisten erwartete Ergebnis. Aber nach der Vorstellung in Halbzeit zwei im Spiel gegen einen der Top-Klubs Europas bleibt mal wieder nur eine einzige Frage: Warum nicht gleich so? Gerade die Tatsache, dass mehr drin war, macht die Niederlage gegen den FC Barcelona so bitter. Auch wenn jedes Lamento, das ganze

Ob ich verroste und verkalke: Der S04-Fanblog

Nie wieder Haupttribüne

03. April 2008, 15:24 Uhr

Es war am Ende das von den meisten erwartete Ergebnis. Aber nach der Vorstellung in Halbzeit zwei im Spiel gegen einen der Top-Klubs Europas bleibt mal wieder nur eine einzige Frage: Warum nicht gleich so? Gerade die Tatsache, dass mehr drin war, macht die Niederlage gegen den FC Barcelona so bitter. Auch wenn jedes Lamento, das ganze "hätte, wenn und aber" nun nichts mehr bringt – ich rege mich immer noch über den Dienstagabend auf.

Bei meinen Mitmenschen gelte ich eigentlich nicht als Choleriker. Auch schimmert meines Erachtens noch ab und an ein Funken Objektivität durch meine königsblaue Brille. Doch der Hals, der mir während des Viertelfinal-Hinspiels geschwollen ist, ist immer noch besorgniserregend dick. Erst war es die desolate Leistung der Knappen-Elf in Hälfte eins, über die ich mich aufregte. Dann brachte mich das unselige Zeitspiel der Katalanen und die dürftige Schiedsrichterleistung zur Weißglut. Die Verzweiflung über die einmal mehr unfassbare Chancenauswertung der Schalker Offensive konnte dann schließlich nicht mehr getoppt werden.

Aber denkste - passend zum 1. April fühlte ich mich angesichts einer anderen Beobachtung auf den Arm genommen. Ausgerechnet das Highlight der Vereinsgeschichte war wohl für viele Ahnungslose ein hervorragender Grund, um zum ersten Mal in ihrem Leben ihren Hintern in ein Fußballstadion zu hieven. Es lag wohl auch an meinem Luxus-Sitz oberhalb der Pressetribüne, dass ich meinen Ohren kaum zu trauen glaubte, während ich der Kommentare in der Nachbarschaft zuhören musste.
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Noch zu Zweitliga-Zeiten kam der kleine Elmar irgendwie auf die abenteuerliche Idee, sich mit ganzem Herzen dem FC Schalke 04 zu verschreiben. Dass der "geilste Klub der Welt" ihm in den folgenden Jahren neben einiger Freude auch unendlich viel Leid bescheren sollte, war ihm damals noch nicht klar. Nun versucht er sein königsblaues Gefühlschaos in seiner wöchentlichen Fan-Kolumne so gut es geht zu ordnen.[/infobox]
In dieser stimmungsmäßigen Diaspora auf der Haupttribüne war weder Sachverstand noch Begeisterung anwesend. Dabei war der Platz in Verlängerung der Mittellinie für eine klare Taktik-Analyse wie geschaffen. Wenn ich aber weder weiß, was Abseits ist, noch das Schalker Liedgut kenne und mich stattdessen verwundert über den Anheizer der Ultras in der Nordkurve amüsiere, dann ist Hopfen und Malz verloren. Dass solche Mode-"Fans" vielen treuen Anhängern die Tickets wegschnappten, ist traurig aber wohl ein Tribut an die modernen Zeiten im europäischen Fußball-Zirkus. Ich freu mich, dass ich bald wieder in Block 5 stehe, wo ich unter meinesgleichen bin.

Die Chancen auf ein Weiterkommen am Mittwoch im Camp Nou sind noch da, aber minimal. Für uns Fans ist ein wenig hoffen und träumen trotzdem erlaubt, die Leistung im zweiten Durchgang muss im Rückspiel dann aber 90 Minuten lang an den Tag gelegt werden. Der Trainer sollte mit dem Ziehen seiner Schlüsse nicht so lange warten. Mit anderen Worten: Spielt Kuranyi gegen Rostock wieder von Beginn an, verstehe ich die Welt nicht mehr.

Am Samstag hat Schalke eine vortreffliche Gelegenheit, im Kampf um die Champions League–Plätze Boden gutzumachen. Gerade deshalb muss Slomka unsere formschwache Nummer 22 auf die Bank versetzen. Offensive Alternativen wie den quirligen Sanchez oder den kopfballstarken Larsen bietet der Kader zuhauf. In seiner jetzigen Verfassung schadet Kevin Kuranyi weiteres Vertrauen von Mirko Slomka jedenfalls eher, als dass es ihm nutzt. Fliegt der 26-Jährige noch aus Löws Europameisterschaftskader sind alleine seine indiskutablen Vorstellungen der letzten Wochen dafür verantwortlich. Die Gelegenheit, sein Selbstvertrauen aufzupolieren und die Fans milde zu stimmen, hatte Kuranyi oft genug.

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