Sie haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Deshalb hielten sich die BVB-Verantwortlichen mit ihren Saison-Prognosen für die Schwarz-Gelben ganz bewusst zurück. In der letzten Spielzeit war der damals selbsternannte UEFA-Cup-Anwärter zwischenzeitlich in Abstiegnot geraten und griff sogar gleich zweimal auf das Allheilmittel Trainerwechsel zurück, um die Erstklassigkeit zu sichern.

RS-Kommentar zur Lage beim BVB

Ob mit oder ohne Thomas Doll: Zum Höhenflug fehlt das Potenzial

Randolf Kaminski
30. November 2007, 09:40 Uhr

Sie haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Deshalb hielten sich die BVB-Verantwortlichen mit ihren Saison-Prognosen für die Schwarz-Gelben ganz bewusst zurück. In der letzten Spielzeit war der damals selbsternannte UEFA-Cup-Anwärter zwischenzeitlich in Abstiegnot geraten und griff sogar gleich zweimal auf das Allheilmittel Trainerwechsel zurück, um die Erstklassigkeit zu sichern.

Ein weiteres Jahr im Niemandsland der Tabelle sollte nun aber der Vergangenheit angehören, deshalb wurden 7,5 Millionen Euro investiert, die eine Rückkehr auf das europäische Parkett ebnen sollten, selbst wenn es niemand offen ausspricht.
Eine andere Zielsetzung ist für einen Verein, der über 50.000 Dauerkarten-Inhaber zufriedenstellen muss, damit sie auch in Zukunft ihr Abo verlängern, selbst wenn der Hauptsponsor EVONIK kein Gratis-Trikot drauflegt, kaum denkbar.

Die Summe, die auf den Einkaufstisch geblättert wurde, ist gemessen an der jüngsten Dortmunder Vergangenheit schon beachtlich, sie liegt aber weit unter den Ausgaben der Konkurrenz und den horrenden Transfer-Beträgen, mit denen Mitte der 90er Jahre und 2001/02 jeweils die Meisterschaften gesichert wurden. Nur bei Mladen Petric (3,5 Millionen Euro) und Jakub Blaszczykowski (2,9 Millionen Euro) konnte tiefer in die Tasche gegriffen werden. Der Kroate hat die Erwartungen bisher erfüllt, der Pole wurde schon vorweg aufgrund seines Alters eher in die Kategorie Perspektivspieler eingeordnet. Zu wenig für eine Mannschaft, die in den finanziellen Krisenjahren zwangsweise ausgedünnt wurde (Torsten Frings, Tomas Rosicky, Jan Koller, David Odonkor, Ebi Smolarek usw.). Im Team gibt es einfach zu viele Baustellen, die sanierungsbedürftig sind. Zumal neue Hoffungsträger, wie zum Beispiel Nelson Valdez, nicht den 4,7 Millionen Euro teuren Ansprüchen genügen.

Trotzdem kann von der Elf, die jeweils auf dem Rasen steht, zumindest verlangt werden, dass sie den Kampf annimmt, vor allem über 90 Minuten. Diese Grundvoraussetzung wird aber nur in Ausnahmefällen erfüllt, oft wird eine Halbzeit verschlafen. Wie schon in den Partien gegen Schalke und Hamburg ergaben sich die Borussen in Nürnberg das komplette Match über ohne echte Gegenwehr dem Niederlagen-Schicksal.

Zwangsläufig taucht deshalb die Charakterfrage auf, die gleichzeitig ein Problem für Thomas Doll wird. Schließlich ist in erster Linie der Trainer dafür verantwortlich, wie sich eine Mannschaft auf dem Platz präsentiert. Vielen markigen Ankündigungen folgte keine Besserung. Selbst wenn Hans-Joachim Watzke auf der Jahreshauptversammlung dem Coach den Rücken stärkte, der Ex-Hamburger muss nun die Wende einleiten, sonst steht er selbst vor dem Aus, da die Leistungskurve zu dramatisch nach unten zeigt.

Egal, ob der BVB nun mit Doll oder einem Nachfolger die restlichen 20 Bundesligaaufgaben angeht, auf einen Höhenflug wird die große Anhängerschar weiter warten müssen. Zwar hat die Mannschaft ohne Frage das Zeug dazu, sich aus dem Abstiegskampf zu verabschieden, das oft zitierte Potenzial, das zu selten abgerufen wird, ist jedoch nicht so groß wie erhofft. Das ist wahrscheinlich die nächste Lehre, die von den Verantwortlichen gezogen werden muss.

Autor: Randolf Kaminski

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