Auch Weltmeister Jürgen Kohler fällt auf: Der körperliche Zustand von Mario Götze ist nicht gut. Trotzdem verteidigt er den BVB-Star gegen Rekordnationalspieler Matthäus.

BVB-Legende Kohler

"Götze wirkt nicht austrainiert"

Sebastian Weßling
24. Februar 2017, 09:23 Uhr
Foto: firo

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Auch Weltmeister Jürgen Kohler fällt auf: Der körperliche Zustand von Mario Götze ist nicht gut. Trotzdem verteidigt er den BVB-Star gegen Rekordnationalspieler Matthäus.

Der Wind peitschte heftig über das Trainingsgelände von Dortmund-Brackel und brachte einigen Regen. Und so verschwanden die Spieler von Borussia Dortmund nach getaner Arbeit schnell in der Umkleidekabine, die knapp 200 Zuschauer des Trainings warteten vergeblich auf Autogramme. Die Unterschrift von Mario Götze wäre ohnehin nicht dabei gewesen.

Der Nationalspieler fehlte wegen muskulärer Probleme. Angesichts des ungemütlichen Wetters dürfte es ihm an diesem Tag vielleicht gar nicht so unrecht gewesen sein.
Götze steht ja ohnehin schon in einem Sturm, einem, den Lothar Matthäus entfacht hat.

Für mich persönlich, ohne dass ich ihn gut kenne, wirkt er nicht austrainiert!
Weltmeister Jürgen Kohler über Mario Götze

Nicht zum ersten Mal hat der Rekordnationalspieler den Dortmunder angezählt: Der 24-Jährige sei zu langsam für einen Offensivspieler. Und: „Wenn es Götze bei Dortmund nicht passt, muss er nach China gehen.“ Ein anderer Klub käme kaum infrage.

Expertenstreit mit Löw

Sportdirektor Michael Zorc muss man mit solchen Aussagen nicht kommen. „Das ist ja nicht wirklich ernst zu nehmen“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. „Man hat ja manchmal den Eindruck: Diese TV-Experten müssen irgendetwas sagen, um wahrgenommen zu werden – egal, wie der Inhalt ist.“

Er ist nicht der einzige gewichtige Fürsprecher: „Mario macht Tore gegen Top-Nationen, Argentinien, Brasilien“, sagte Nationaltrainer Joachim Löw dem Kicker. „Er hat die Gabe, auf allerhöchstem Niveau zu treffen. Das kann nicht jeder. Deshalb halte ich zu ihm.“ Auch der frühere BVB-Spieler Jürgen Kohler nimmt Götze in Schutz: „Man sollte nicht über einen Spieler, der unzweifelhaft solch riesiges Können hat, schon den Stab brechen“, sagt er.

[person_box=1709]Mario Götze[/person_box]

Bislang sprechen die Zahlen nicht für den Nationalspieler: Nur sechs Pflichtspiele bestritt er in der laufenden Saison über die volle Zeit. Seit der Winterpause kommt er auf ganze 24 Einsatzminuten.
„Für mich persönlich, ohne dass ich ihn gut kenne, wirkt er nicht austrainiert“, sagt Kohler. Das deckt sich mit dem, was aus Dortmund zu hören ist: dass Trainer Tuchel schon seit Saisonbeginn nicht zufrieden ist mit dem körperlichen Zustand des Offensivspielers.

Dass Götze bislang die Erwartungen nicht erfüllte, die man in ihn setzte, mag niemand bestreiten. 22 Millionen Euro investierte der BVB im Sommer, um das Eigengewächs aus München zurückzuholen. Dort blieb ihm der Durchbruch versagt – auch wenn er sich gegen den Eindruck wehrt, in München gescheitert zu sein. „Ich habe dort viel gespielt“, sagt er. „Viele haben da Assoziationen, die nicht der Wahrheit entsprechen.“

Doch die Zeit in München, so sieht es auch Kohler, hat den Nationalspieler in seiner Entwicklung nicht weitergebracht. „Er hat den Schritt zu den Bayern aus meiner Sicht zu früh gemacht“, so Kohler.
Der frühere Abwehrspieler spielte selbst zwei Jahre bei den Bayern und kennt die Verhältnisse beim Rekordmeister. „Bei Bayern misst man sich mit 22, 23 Nationalspielern, in anderen Vereinen sind es acht bis zehn“, sagt er. „Wenn du zu Bayern wechselst, musst du eine besondere Mentalität haben, das hätte man Götze erklären müssen.“

Zorc verbietet Spekulationen

Doch von China als letztem Ausweg hält Kohler nichts: „Das ist eine Aussage, die dem Lothar wahrscheinlich etwas schnell über die Lippen gegangen ist“, sagt er. „Mario Götze ist ein Spieler, bei dem viele Vereine in England, Spanien und Italien sagen würden: Der passt in unser Anforderungsprofil.“ Für Sportdirektor Zorc ist die Sachlage eh klar: „Wir haben hier einen Spieler, der gerade nicht einsatzfähig ist“, sagt er. „Da ist es unfair, über weitere Geschichten und Transfers zu spekulieren.“

Autor: Sebastian Weßling

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