Das Mienenspiel von Sokratis lässt in den allermeisten Fällen nichts Erfreuliches erwarten.

Sokratis warnt BVB

"Dieses Jahr wird schwer für uns"

Daniel Berg
29. Januar 2017, 21:20 Uhr
Foto: firo

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Das Mienenspiel von Sokratis lässt in den allermeisten Fällen nichts Erfreuliches erwarten.

Bärtig das Gesicht, grimmig der Blick. Als der Abwehrspieler am Sonntagabend durch die Flure des Mainzer Stadions dem Ausgang entgegenstrebte, sah er aber noch ein wenig finsterer aus, als ohnehin schon. Das, was geschehen war, setzte ihm noch immer merklich zu. "Wir müssen in der zweiten Halbzeit mehr machen", sagte er nach dem 1:1 (1:0) von Borussia Dortmund beim FSV Mainz 05, mit dem der BVB den Sprung auf Tabellenplatz drei in der Fußball-Bundesliga fast fahrlässig verpasste. Lange, lange hatte Schwarz-Gelb geführt und sah wie zwar nicht wie ein sicherer, aber immerhin wie ein Sieger aus. Ein spätes Mainzer Tor entriss dem unschönen Spiel das aus Dortmunder Sicht schöne Ergebnis. Und Sokratis sprach düster: "Dieses Jahr wird sehr schwer für uns. Wir müssen sehr hart kämpfen, um auf den Champions-League-Platz kommen." Derzeit belegt den Eintracht Frankfurt.

123 Sekunden waren in dieser Partie erst gespielt, als Dortmund sich scheinbar auf den Weg zum Sieg begab. André Schürrle spielte nach einem Ballgewinn im Mittelfeld Marco Reus frei und der traf kühl wie die winterliche Nacht ins Mainzer Tor. Schon vergangene Woche beim Spiel in Bremen hatte der BVB früh die Führung erzielt. Doch auch dort war ihm die Souveränität dann irgendwann abhanden gekommen.

Dortmund ließ Chancen und gute Möglichkeiten zu Chancen ungenutzt liegen. Eine "kleine Vorentscheidung", wäre ein zweiter Treffer gewesen, meinte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel später mit einem Anflug von Verärgerung. Sie blieb aus, während der Gegner sich auch in die Offensive wagte. Der Treffer des Mainzers Yoshinori Muto fand wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung keine Anerkennung. Eine mindestens fragwürdige Entscheidung des Schiedsrichters Felix Zwayer (15. Minute).

Dass Ästhetik zu vernachlässigen war an diesem Abend, hatte Tuchel schon vor der Partie angekündigt. Genau so sah die zweite Halbzeit dann auch aus. "Wir hatten eine gute Aufmerksamkeit fürs Verteidigen, haben verdient geführt", bilanzierte Tuchel nach der Partie, "aber in der zweiten Halbzeit konnten wir das Spiel gar nicht mehr in die gegnerische Hälfte verlagern." Die Partie, sagte Tuchel, habe eigentlich nur noch in der Luft stattgefunden: hoch, weit, Kopfballabwehr. Ein Duell von erlesener Durchschnittlichkeit.

"Mainz hat das Spiel auf eine Ebene gebracht, die nicht unseren Stärken entspricht", meinte Tuchel. Gegenmaßnahmen fanden sich aber in der Hektik keine. Und so flog eine Flanke von der rechten Seite in den Dortmunder Strafraum und vor dem Tor kam der gebürtige Gelsenkirchener Danny Latza völlig frei zum Kopfball. Ausgleich in der 83. Minute. In der Schlusssekunde strich sogar noch ein Schuss von Pablo de Blasis knapp am Dortmunder Tor vorbei. Glück gesellte sich nun auch noch an die schwarz-gelbe Seite.

Was bleibt, ist ein Punkt. Zu wenig. Eigentlich. Aber Tuchel ließ aufgrund von vier Punkten aus den ersten beiden Begegnungen des neuen Jahres Milde walten. "Dieses Spiel war kein Beleg für mangelnde Stabilität", sagte er, befand aber auch, es sei "eine Gefahr" sei, sich als selbstverständlichen Champions-League-Teilnehmer zu wähnen. "Die anderen Teams reiten auf einer Welle der Euphorie und haben Qualität. Es wird ein harter und langer Weg für uns."

Auch zu diesem Satz passte der Gesichtsausdruck von Sokratis ganz passabel.

Autor: Daniel Berg

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