Irgendwann vor seinem Bundesliga-Debüt für Schalke 04 wird Guido Burgstaller mögliche Szenarien im Kopf durchgespielt haben.

Schalkes Burgstaller

"Besser geht es nicht"

Thomas Tartemann
22. Januar 2017, 10:50 Uhr
Foto: firo

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Irgendwann vor seinem Bundesliga-Debüt für Schalke 04 wird Guido Burgstaller mögliche Szenarien im Kopf durchgespielt haben.

Wie fühlt es sich wohl an, in der höchsten Spielklasse zu treffen? Was passiert, wenn ich das Siegtor für meinen neuen Verein schieße? Am späten Samstagnachmittag hatte Burgstaller nach seinem entscheidenden Treffer, der das 1:0 (0:0) über den FC Ingolstadt besiegelte, die Antwort. „Toreschießen ist überall geil“, strahlte der von Zweitligist Nürnberg verpflichtete Knipser, „aber hier auf Schalke vor dieser blauen Wand ein Tor zu machen – besser kann es nicht sein.“

Guido Burgstaller, der erst zur zweiten Halbzeit Starterlaubnis von Cheftrainer Markus Weinzierl erhielt, feierte einen Traum-Einstand im königsblauen Dress. Die Schalker Mannschaft legte allerdings keine Traumleistung im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres hin. Viel Krampf, viele Fehler, wenig Explosivität, kaum kreative Momente, wenn man von einigen starken Szenen von Nationalspieler Leon Goretzka absieht – das Format einer Mannschaft, die sich für den europäischen Wettbewerb qualifizieren will, ließ der S04 vermissen. „Wir wissen, dass wir kein gutes Spiel gemacht haben“, analysierte Markus Weinzierl nach dem mühsam erkämpften Dreier. Der 42-Jährige ohne Umscheife: „Wir müssen uns klar steigern.“ Kapitän Benedikt Höwedes ordnete ebenfalls genau ein, was sich in den 93 Minuten auf dem ramponierten Rasen abgespielt hatte: „Wir dürfen das Spiel echt nicht schön reden, weil es nicht schön war. Wir haben uns versucht, reinzuknien – und haben uns dann ein Stück weit belohnen können.“

Zur Pause wurden die Schalker allerdings mit Pfiffen in die Kabine geschickt. Der harmlose Auftritt war den Fans kräftig auf das Gemüt geschlagen. Zwei Schüsse von Leon Goretzka, ein Fallrückzieher-Versuch von Max Meyer – zu dünn, um die kompakt auftretenden Ingolstädter unter Dauer-Druck setzen zu können.

Im zweiten Durchgang sorgte Guido Burgstaller für Belebung. Auch Donis Avdijaj verlieh Schalkes Offensive mehr Schwung. Auf Zuspiel von Goretzka hatte Burgstaller das 1:0 auf dem Kopf, zielte aber um Zentimeter am FCI-Kasten vorbei (69.). In der offenen Endphase, in der beide Teams das Risiko erhöhten, musste ein abgefälschter Schuss von Alessandro Schöpf herhalten, um das goldene Schalker Tor einzuleiten. Der Ball trudelte zu Burgstaller, der am herausstürzenden Gäste-Torwart Martin Hansen vorbei ins Netz traf. Schalke holte sich in der Nachspielzeit den wichtigen Heimerfolg und schraubte das Punktekonto auf 21 Zähler. „Wenn du in der 92. Minute das Siegtor schießt, bist du natürlich glücklich. Dafür müssen wir uns nicht schämen“, fasste Sportvorstand Christian Heidel zusammen und fügte hinzu: „Wir nehmen die drei Punkte gerne mit. Ich kann damit heute mal leben. Selbsverständlich hätte ich mir auch ein begeisternderes Spiel gewünscht.“ Nach dem „Wie“ fragt in ein paar Tagen ohnehin niemand mehr. Am Freitag (20.30 Uhr/Sky) wartet mit Eintracht Frankfurt eine der Überraschungs-Mannschaften aus der Vorrunde. Bis dahin muss sich Schalke steigern, um aus dem geglückten Auftakt einen kleinen Lauf zu machen, der dann Rückenwind für die Februar-Aufgabe bei Rekordmeister Bayern München verleiht. „In der Richtung, wie wir gegen Ingolstadt aufgetreten sind, dürfen wir nicht die nächsten 17 Partien bestreiten“, sagt Christian Heidel mit einem Zwinkern. Auch der Schalker Sportvorstand weiß, dass man sich mit einer unterdurchschnittlichen Leistung einmal durchmogeln kann. Aber nicht öfter...

Autor: Thomas Tartemann

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