Schalke hat gegen Leverkusen verloren, aber in Unterzahl überragend gekämpft. Ein Kommentar.

Schalke-Pleite in der 89. Minute

Kein Grund zum Jammern!

Pit Gottschalk
11. Dezember 2016, 19:34 Uhr
Foto: firo

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Schalke hat gegen Leverkusen verloren, aber in Unterzahl überragend gekämpft. Ein Kommentar.

Zwei Niederlagen in Folge und dann Naldos Rot in der vierten Spielminute: Eine solche Woche steckt eine Mannschaft nur weg, wenn sie Charakter und Mumm hat. Schalke 04 stemmte sich mit aller Macht gegen Bayer Leverkusen und kann zumindest diese Erkenntnis verbuchen: Wann der Rückstand zu den Europacup-Plätzen aufgeholt wird, ist allein eine Frage der Zeit.

Das 0:1 im Heimspiel gegen Leverkusen mag wie ein Rückschlag aussehen. Grund zum Jammern gibt es nicht. Die späte Pleite war eine der besten Saisonleistungen überhaupt. Die Situation ist längst nicht mehr mit dem verbockten Saisonstart (fünf Niederlagen in Folge) zu vergleichen. Schalke 04 verspricht S hoch 4: Substanz und Spielidee, Schnelligkeit und Spannung.

Drei der nächsten vier Bundesliga-Begegnungen sind Heimspiele, bevor es zum FC Bayern geht. Neun Punkte beträgt jetzt der Rückstand zu Platz 5, wo Schalke vorige Saison gelandet war. Eine Menge— aber in der aktuellen Verfassung ist die Aufholjagd machbar.

Mit zehn Mann auf dem Spielfeld erarbeitete sich Schalke mehr Torchancen, als es dem zahlenmäßig überlegenen Tabellennachbarn lieb sein konnte. Ohne den gesperrten Höwedes und eben Naldo in der Innenverteidigung entdeckte Trainer Weinzierl nicht nur ein neues Talent in der Abwehr, nämlich Johannes Geis als eine Art Quarterback, der die Bälle von hinten heraus verteilt.

Thilo Kehrer, ein Schalker Eigengewächs, avanciert zur ersten größten Entdeckung der Weinzierl-Ära. Der einstige Kapitän der U19-Meistermannschaft, noch unter Andre Breitenreiter abgeschrieben, wächst zu einem konstanten Abwehrmann heran. Vielleicht aus Not, bestimmt aus Kalkül: Schalke muss nicht bange sein, wenn Stammkräfte ausfallen.

Die kompakte Spielweise zwang den Gegner in der Halbzeit zu zwei Spielerwechseln — ein sicheres Indiz, dass Schalke sogar in Unterzahl den Rhythmus dieses Spiels bestimmte. Wie oft konnte man eine solche Feststellung bei Königsblau schon machen? Aus diesem Holz sind künftige Spitzenmannschaften geschnitzt.

Und nicht vergessen: Die verletzten Coke, Embolo und Huntelaar kommen spätestens im Frühjahr zurück in den Kader. Das Publikum entwickelte ein gutes Gespür dafür, dass ihre Mannschaft in Unterzahl natürlich nicht den Power-Fußball zeigen konnte, wie man es in einer Aufholjagd erwarten würde. Es fehlte halt ein Spieler. Aber die Leidenschaft, mit der Schalke die Unterlegenheit kompensierte, lässt die Zuversicht auf den Rängen wie in der Führungsmannschaft gedeihen.

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Autor: Pit Gottschalk

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