Als Roussel Ngankam im vorletzten Heimspiel gegen die U23 des BVB den Siegtreffer tatsächlich auf dem Fuß hatte und aus kurzer Distanz nur an einem Superreflex von Torwart Hendrik Bonmann scheiterte, schwante manch einem Böses.

RWE

Ngankam wie einst Younga-Mouhani

Ralf Wilhelm
18. Oktober 2016, 02:07 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Als Roussel Ngankam im vorletzten Heimspiel gegen die U23 des BVB den Siegtreffer tatsächlich auf dem Fuß hatte und aus kurzer Distanz nur an einem Superreflex von Torwart Hendrik Bonmann scheiterte, schwante manch einem Böses.

So ein Negativerlebnis bleibt bei einigen Akteuren durchaus die ganze Saison über am Stollenschuh kleben. Heute, ein Pokal- und ein Ligaspiel weiter, kann wohl Entwarnung gegeben werden: Der 23-jährige jüngste Neuzugang ist wohl endgültig an der Hafenstraße angekommen.
Gegen die Sportfreunde Baumberg gelang ihm der wichtige Führungstreffer, gegen die Kölner Jung-Böcke schnürte er seinen ersten Doppelpack in Rot-Weiss. Da scheinen die Verantwortlichen auf den letzten Drücker einen guten Fang gemacht zu haben. Noch ein bisschen schüchtern grinsend kam er nach der Partie in die Mixed Zone, dabei hätte er mit breiter Brust auftreten können. Bei seinen beiden Treffern war für jeden Liebhaber etwas dabei. Das 1:0 war ein Produkt des Willens. Aus Sicht des Schützen: „Ich habe spekuliert, dass der Ball zu mir kommt und bin dann rein, mit allem, was ich hatte.“ Als Bogenlampe fiel er hinter die Linie.

Beim 2:0 kamen dann auch die Ästheten auf ihre Kosten: Mit Übersteiger durchgedribbelt bis zur Torlinie, wieselflinker Haken nach innen und dann genau in den Knick gezirkelt. „Ich hab Finte gemacht und einfach geschossen“, so die banale Erklärung. Tor-des-Jahres-verdächtig. „Das zweite Tor macht er einfach ÜBER-RA-GEND“, schnalzte RWE-Coach Sven Demandt anschließend mit der Zunge. Und der kennt sich mit Toren bekanntlich aus. Natürlich sieht er beim Deutsch-Kameruner noch Verbesserungsmöglichkeiten: Zwar hat er einen schnellen Antritt, manchmal ist er aber noch zu sehr mit dem Blick auf die Kugel fixiert, oder ist im Spurt schneller als das Spielgerät, worauf er ins Straucheln gerät. „Aber wenn er das alles auch schon könnte, dann würde er nicht mehr bei uns spielen“, feixte der Coach. Das Potenzial jedenfalls ist vorhanden, alles weitere wird die Arbeit mit den Teamkameraden in Zukunft bringen. Das Zusammenspiel mit Marcel Platzek funktioniert schon recht gut; mal sehen, ob er von einem „alten Hasen“ wie Frank Löning noch die Ruhe am Ball beigebracht bekommt.

Ngankam jedenfalls hat seinen Wechsel aus Großaspach zur Hafenstraße nicht bereut: „Alles ist neu hier, aber ich fühle mich immer wohler, meine Mitspieler vertrauen mir und sagen, ich soll einfach machen, was ich kann.“ Und das ist eine Menge. In seinem Laufstil erinnert er ein bisschen an das große Schlitzohr Mac Younga-Mouhani, der in der Saison 2005/06 gegen Chemnitz sich von hinten an den Torwart anschlich und ihn umkurvte, als er den Ball fallen ließ, und ihn ins leere Tor schob.

Vielleicht schlummern in Ngankam noch ähnliche Ideen. Ansonsten: Bei YouTube nachzuschauen ist keine Schande...

Autor: Ralf Wilhelm

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren