Das dritte Tor beim Schalker 3:1-Erfolg gegen RB Salzburg wurde Benedikt Höwedes zugeschrieben. Doch eigentlich hatte Naldo das Tor erzielt.

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Torrichter-Skandal: Höwedes-Tor gehört Naldo

Andreas Ernst
30. September 2016, 08:58 Uhr
Foto: Firo

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Das dritte Tor beim Schalker 3:1-Erfolg gegen RB Salzburg wurde Benedikt Höwedes zugeschrieben. Doch eigentlich hatte Naldo das Tor erzielt.

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel war weit nach Abpfiff noch fassungslos. "Wie weit war der Ball hinter der Linie?", fragte er in der Mixed Zone ein Dutzend Journalisten, um diese rhetorische Frage gleich selbst zu beantworten: "Ein schönes Stückchen!" Es ging um ein kurioses Tor der Schalker im Europa-League-Spiel gegen Salzburg. Das endete 3:1 (1:0) für S04 - aber der dritte Torschütze war eigentlich nicht Benedikt Höwedes, wie es in der offiziellen Uefa-Statistik heißt, sondern Naldo.

Und das kam so: Beim Stand von 2:0 schlug Johannes Geis in der 58. Minute einen Eckball von der linken Seite Richtung Elfmeterpunkt. Dort stieg Innenverteidiger Naldo am höchsten und köpfte den Ball wuchtig an die Unterkante der Latte. Von dort prallte er deutlich hinter die Linie - alle 48.000 Zuschauer hatten das gesehen. Den besten Blick von allen hatte der niederländische Torrichter Siemen Mulder, der fünf Meter daneben stand. Aber er gab Schiedsrichter Serdar Gözübüyük (Niederlande) kein Tor-Signal. Das Spiel lief weiter. Im zweiten Versuch köpfte Breel Embolo auf die Latte, im dritten Versuch traf Benedikt Höwedes artistisch. Erst jetzt zählte das Tor. "Ich habe schon nach Naldos Kopfball auf der Bank zu meinem Kollegen gesagt: Ich glaube, dass der drin war", erklärte Heidel. Auch Geis, der direkt an der Eckfahne stand, erzählte: "Ich habe gesehen, dass das ein Tor war."

Uefa ernannte 45 Minuten nach Spielende Schalke-Kapitän Höwedes zum Torschützen

Die Zuschauer jubelten enthusiastisch über die Vorentscheidung - sie raunten aber laut, als sie die Zeitlupe auf dem Videowürfel erblickten. Der Torschütze hätte eigentlich Naldo lauten müssen - und das bemerkte offenbar auch Schiedsrichter Gözübüyük beim Blick auf den technischen Assistenten unter dem Arena-Dach. Er gab wohl über sein Headset die Anweisung, Naldo zum Torschützen zu ernennen. "Das ist ja eine ganz kuriose Regel", schimpfte Heidel, als offiziell noch Naldo als Torschütze galt und ergänzte: "Was wäre denn eigentlich gewesen, wenn Höwedes drübergeschossen hätte? Das muss mir mal einer erklären." Offenbar sah die Uefa diesen logischen Fehler dann ein und ernannte etwa 45 Minuten nach dem Abpfiff wieder Höwedes zum Torschützen.

Das ist ein Torrichter-Skandal! Umstritten sind die sowieso. Da sich die Torlinientechnik unter anderem in der Bundesliga bewährt hat, stellt sich nun erst recht die Frage, wie sinnvoll die zusätzlichen Assistenten noch sind. Heidel zürnte: "Das Kuriose ist ja, dass wir unsere Torlinientechnik heute abstellen mussten. Das Ergebnis haben wir gesehen." Gern hätte Heidel noch mehr erzählt, er hielt sich aber zurück und sagte mit einem Schmunzeln im Gesicht: "Ich kenne den Strafenkatalog der Uefa nicht, wenn man was Falsches sagt..." Eines wollte er doch noch loswerden: "Einen Torrichter habe ich beobachtet - der stand da wie im Boxring..."

Schalke-Trainer Markus Weinzierl wollte gar nicht auf die kuriose Szene eingehen: "Ist mir egal, wer das Tor zugeschrieben bekommt. Wir haben es gemacht und souverän gewonnen."

Autor: Andreas Ernst

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