Über zwei Stunden dauerte die Trainingseinheit der Schalker U19 am Dienstagvormittag. Cheftrainer Norbert Elgert hatte seinen Spielern zwischen den Übungen eine Menge zu sagen.

S04 U19

Ex-Profi hospitiert bei Elgert

Christoph Winkel
24. August 2016, 05:07 Uhr
Foto: Funke Foto Services

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Über zwei Stunden dauerte die Trainingseinheit der Schalker U19 am Dienstagvormittag. Cheftrainer Norbert Elgert hatte seinen Spielern zwischen den Übungen eine Menge zu sagen.

Mittendrin in der Traube von Spielern stand ein guter alter Bekannter auf Schalke: Sérgio da Silva Pinto. Der Ex-Profi schaut Norbert Elgert in dieser Woche über die Schulter. Dem Trainer, den er für den besten Jugendtrainer Europas hält, und bei dem er von 1997 bis 1999 selbst zwei Jahre in der Schalker U19 kickte. „So sieht man sich nach fast 20 Jahren eben wieder. Zurück zu den Wurzeln“, sagt Norbert Elgert und lacht.

Wegen eines komplizierten Kieferbruchs, den sich Sérgio da Silva Pinto im Oktober 2014 im Spiel gegen den FC Ingolstadt zuzog, musste er seine Spielerlaufbahn in diesem Jahr beenden. „Die Verletzung hat mich dazu gezwungen“, erklärt der Mittelfeldspieler, der zuletzt bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag stand. Ein unglückliches Ende einer langen Profikarriere, auf die ihn Norbert Elgert in der Schalker A-Jugend vorbereitet hatte.

Sérgio da Silva Pinto geht es den Umständen entsprechend gut, das Essen bereitet ihm manchmal allerdings noch Probleme, es fehlt die Kraft zum Kauen. Im Oktober wird der 35-Jährige ein Studium beginnen: Fachrichtung Sportmanagement. Der ehemalige Schalker kann sich aber auch sehr gut vorstellen, irgendwann als Trainer zu arbeiten. Sérgio da Silva Pinto will die Erfahrung, die er fast 17 Jahre lang als Profi gesammelt hat, weitergeben.

Sérgio war schon immer ein sehr begabter Spieler. Aber er hatte in vielen Bereichen noch viel Luft nach oben.
Elgert über Pinto

Für Norbert Elgert war es eine Selbstverständlichkeit, seinen ehemaligen Schüler einzuladen, als Pinto telefonisch nachfragte, ob eine einwöchige Hospitation möglich ist. „Wie so viele andere ehemalige Spieler auch, habe ich Sérgio nie aus den Augen verloren“, sagt Elgert.
Für den Trainer-Neuling sei klar gewesen, dass er auf jeden Fall von Norbert Elgert lernen möchte. „Kaum ein Trainer hat mich während meiner Laufbahn so geprägt“, sagt da Silva Pinto, der 1995 vom TuS Haltern in die B-Jugend des FC Schalke 04 wechselte. Zwei Jahre später folgte dann der Sprung in die A-Jugend zu Elgert.
Trainiert wurde vor 19 Jahren übrigens noch nicht auf feinstem Rasen auf dem großen Vereinsgelände, so wie heute. Die A-Jugend trainierte damals noch an der alten Glückauf-Kampfbahn. „Im Sommer konnten wir auf dem Rasenplatz trainieren, sonst ging es auf Asche“, sagt Elgert.

Der 59-Jährige erinnert sich noch gut an die gemeinsam Zeit: an den Gewinn des Westfalenpokals zum Beispiel. Zur Westdeutschen Meisterschaft hat es in beiden Jahren nicht gereicht. Elgert weiß auch noch, dass Sérgio da Silva Pinto einer der Spieler war, die, wie er es ausdrückt, häufiger als andere „einen Hinweis“ brauchten, um wieder an ihre Leistungsgrenze zu gehen. „Sérgio war schon immer ein sehr begabter Spieler. Aber er hatte in vielen Bereichen noch viel Luft nach oben.“

Das sah der damalige Profitrainer Huub Stevens übrigens ähnlich. Schalkes Jahrhundert-Trainer war schon kein Fan vom Outfit, in dem der Jungprofi 1999 zum ersten Training erschien. „Ich habe Ohrringe und eine Kappe getragen. Das fand Huub Stevens nicht so gut“, sagt er und lacht.

Ohrringe trägt Sérgio da Silva Pinto heute nicht mehr, Kappe nur noch selten. Als er sich den Schalker U19-Spielern vor dem ersten Training kurz vorstellte, erzählte er ihnen auch von seiner Karriere. Er gab den jungen Spielern gleich das mit auf den Weg, was Norbert Elgert ihm selbst schon früher so oft gepredigt hat. Schon auf dem Ascheplatz an der Glückauf-Kampfbahn galt: Ohne Fleiß kein Preis. „Talent allein reicht nicht aus, um den Durchbruch zu schaffen“, sagt Sérgio da Silva Pinto , der fast 20 Jahre später wieder ganz am Anfang steht. Am Anfang seiner Trainerkarriere.

Autor: Christoph Winkel

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