Jahrelang war die Schalker U19 im Westen das Maß der Dinge. Nun ist der BVB vorbeigezogen - und kämpft um die Deutsche Meisterschaft.

Nachwuchsbereich

Dortmund liegt vor Schalke

Sebastian Weßling
09. Mai 2016, 22:01 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Jahrelang war die Schalker U19 im Westen das Maß der Dinge. Nun ist der BVB vorbeigezogen - und kämpft um die Deutsche Meisterschaft.

Manchmal kann es helfen, wenn man ein Ziel direkt vor Augen hat. So wie die U19 von Borussia Dortmund, die am Dienstagabend ab 20 Uhr im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen 1860 München spielt – im Signal-Iduna-Park, wo sonst die Profis auflaufen und jeder Nachwuchsakteur spielen will. „Natürlich ist das etwas Besonderes, und wir versuchen, diese Energie zu nutzen“, sagt Trainer Hannes Wolf, „aber wir dürfen uns nicht an dem Drumherum berauschen.“

25 Kilometer westlich ist die Vorfreude geringer. „Wir hätten natürlich selbst gerne gespielt“, sagt Oliver Ruhnert, Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04. Viermal in Folge wurde seine U19 Westdeutscher Meister und qualifizierte sich für die Endrunde. Nun ist der BVB vorbeigezogen. „Wir wussten ja schon vorher, dass Dortmund zwei Ausnahme-Jahrgänge hat“, sagt Ruhnert.

Eine generelle Trendwende aber mag man auf Schalke nicht sehen. „Gedreht hat sich noch gar nichts“, sagt U19-Trainer Norbert Elgert. „Das ist nur der Fall, wenn der BVB auch in den nächsten Jahren Westdeutscher Meister wird.“ Doch zumindest in der kommenden Saison ist der BVB laut Ruhnert haushoher Favorit, auch die schwarzgelbe U17 und U15 führen ihre Ligen souverän an. Und mit Christian Pulisic und Felix Passlack hat der BVB zwei hochtalentierte 17-Jährige in die Profimannschaft befördert. Pulisic hat sich als viertjüngster Bundesliga-Torschütze aller Zeiten hervorgetan.

Das Portal Transfermarkt.de taxiert seinen Marktwert schon auf eine Million Euro. Doch der dürfte längst höher liegen, zumal Pulisic inzwischen US-Nationalspieler ist.

Ricken schaut nicht auf Schalke

Eine Wachablösung will aber auch BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken nicht ausrufen. „Das ist doch immer eine Wellenbewegung“, sagt er. „Fakt ist, dass die Schalker einfach eine gute Nachwuchsarbeit machen. Aber Augenhöhe? Wir schauen auf uns.“ Gründe für den Aufschwung kann er aber benennen: den Neubau des Jugendhauses am Trainingsgelände in Brackel. Die Wiedereinführung der U16. Und die Entscheidung, Spieler nicht mehr zu früh in höhere Jahrgänge zu befördern. All das erhöht die Trainingsqualität – und damit auch die Qualität der Spieler. Und: „Dortmund hat richtig aufgerüstet aufgrund unserer Überlegenheit der letzten Jahre“, sagt Ruhnert.

Im besten Fall kommen dann Kaliber wie Pulisic und Passlack heraus, die am Dienstag mitspielen sollen. „Ihre Geschichte wäre ohne die anderen nicht möglich gewesen“, sagt Trainer Wolf. „Das wissen sie, und deswegen werden sie sich zerreißen.“

Trotz aller Rivalität drückt auch der Schalker Ruhnert dem BVB die Daumen. Sollte Dortmund Meister werden, nehmen künftig zwei westdeutsche Mannschaften an der Endrunde teil – was die Schalker Chancen deutlich erhöhen würde.

Autor: Sebastian Weßling

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