Miese Stimmung bei den beiden Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft in München und Berlin. Ein Kommentar zum Thema.

Miese Laune

RS-Kommentar zur Länderspiel-Atmosphäre

Ulrich Homann
30. März 2016, 19:01 Uhr
Foto: firo

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Miese Stimmung bei den beiden Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft in München und Berlin. Ein Kommentar zum Thema.

Publikumsbeschimpfung gehört für gewöhnlich nicht zur Kernkompetenz der heutigen Fußball-Macher. Sieht man von den Hools und Ultras ab, ist das zahlende Publikum stets für jede Schleimerei gut nach dem Motto: „Ihr seid die besten Fans der Welt!“

Doch nach dem Länderspiel in Berlin wurde dann doch moniert, dass die deutschen Fans im weiten Rund des Olympiastadions wohl noch nicht in EM-Form waren. Das mag so gewesen sein. Aber wenn ein Thomas Müller nach der Partie erklärt, es hätte sich ja „nur“ um ein Testspiel gehandelt und von daher auch nicht jeder seine optimale Leistung abgerufen, wirkt die Fan-Schelte schon ein wenig frech. Wenn die Akteure die Veranstaltung nicht ernst nehmen, sollen die Zuschauer trotzdem auf den Rängen toben, oder wie?! Immer häufiger wird die mangelnde Unterstützung beklagt oder gar brüske Ablehnung bejammert. Ob es zu einem Trend wird, muss man sehen. Nur eines ist schon seit Jahren von München bis Schalke zu konstatieren: Allein der Erfolg taugt als Bindeglied zwischen Rasen und Rängen. Bleibt der aus, geht die Enttäuschung erst in Frustration und manchmal sogar in bedenkenswert feindliche Handlungen über.

Wirklich verwunderlich ist das nicht. Zu sehr hat sich das „Geschäft“ Fußball von der gelebten Welt der Kundschaft entfernt. Hier fliegt ein Profi mal eben zu seinem Friseur nach London. Dort vergisst einer 75.000 Euro im Taxi. Vollkommen sinnfreie Honorare machen die Fans zuerst sprachlos, irgendwann aber auch wütend. Und damit sich die Spirale des wütenden Mammons immer weiter dreht, sollen Asien und Amerika erobert und Spieltage zerfleddert werden. An ihrem besonderen Talent im Umgang mit dem Ball rüttelt an sich niemand. Aber um so „geliebt“ zu werden, dass auch im Misserfolg die Fans ihnen zujubeln, bedarf es auch einer menschlichen Komponente. Den Jetztzeit-Profis in ihrer Raffgier und Emotionslosigkeit den Fans und auch ihren Vereinen gegenüber ist diese leider weitestgehend abhanden gekommen. Vielleicht wäre es angebrachter, statt im Wartezimmer des Tattoo-Studios zu hocken, sich mit der Lebenswirklichkeit der Anhänger zu beschäftigen. Pfiffe und allgemein miese Laune auf den Rängen wären den Kickern dann vielleicht verständlicher.

Autor: Ulrich Homann

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