Das RWE-Trainingslager in Belek hat auf der Gewinnerseite zumindest einen hervorgebracht:

RWE

Der Begriff Hafenstraßenfußball war ein Fehler

Ralf Wilhelm
18. Januar 2016, 18:56 Uhr
Foto: Michael Gohl

Foto: Michael Gohl

Das RWE-Trainingslager in Belek hat auf der Gewinnerseite zumindest einen hervorgebracht:

Vereinsboss Michael Welling. Der konnte der Jugendabteilung immerhin 2100 Euro nach der Rückkehr übergeben. Der Preis dafür: Welling opferte seine Haarpracht und erschien zum Interview mit der WAZ mit frischer „Kampffrisur“.

Michael Welling, wie war die Zeit im Trainingslager? Wie man hört und vor allem sieht, sollen einige ganz schön Federn gelassen haben?
Ich zitiere da sehr gerne Euren Gastkolumnisten Happo: Das Fazit zu Belek sieht besser aus als meine Frisur.

Finde ich, ehrlich gesagt, auch, Sie könnte noch, wenn es ganz schlecht läuft, zum sportlichen Sinnbild der RWE-Rückrunde werden.
Wenn Sie solche Sprachbilder nutzen wollen, dann würde ich es eher so deuten, wir haben die Zöpfe der Hinrunde abgeschnitten und blicken jetzt positiv in die Zukunft. Aber ehrlicherweise sollte man da jetzt nicht zu viel reindeuten.

Welche Zöpfe sind denn gefallen?
Wir waren in der Hinrunde nicht erfolgreich, es war sportlich sehr enttäuschend, und wir sind weit hinter unseren Erwartungen zurück geblieben. Das wollen wir ändern.

Hypothetisch gefragt: Was hat das Trainingslager denn der Mannschaft gebracht?
Wir hatten hervorragende Trainingsbedingungen und haben eine Woche lang sehr intensiv miteinander auf und neben dem Platz verbracht. Dass kein Lagerkoller aufgekommen ist, zeigt, dass es in der Mannschaft stimmt. Die Neuen, Kai Druschky und Emre Yesilova sowie die A-Jugendlichen haben sich hervorragend präsentiert und waren sofort integriert.

Ganz ehrlich, bitte: Nach dem Umbruch im Sommer, hatten Sie sich die Hinrunde einfacher vorgestellt?
Ja und nein, wir haben damit gerechnet, dass es schwer werden wird, wir haben aber nicht damit gerechnet, dass es so schwer wird und wir die Ergebnisse nicht erzielen.

Zum Ende der Hinrunde hat Trainer Jan Siewert eine schonungslose Analyse angekündigt. Was hat diese ergeben und vor allem: Wer hat der Arbeit des sportlichen Duos Siewert/Winkler ein Zwischenzeugnis ausgestellt?
Ich glaube, dass wir viele Probleme schon in der Hinrunde auf dem Platz erkennen konnten. Wir haben zu wenig Tore geschossen, auch, weil wir über die Außenpositionen teilweise zu ungefährlich waren, und weil uns vorne die Durchschlagskraft fehlte. Die Analyse hat auch ergeben, dass wir gar nicht so viele Chancen gegen uns zugelassen haben, dass aber die wenigen Chancen häufig direkt zu Toren führten. Dies gilt es abzustellen.

Stimmen die Ergebnisse, waren alle Schritte richtig, stimmen sie nicht, hat man viele Fehler gemacht
Michael Welling

Und die Arbeit des Trainers/Managers war zufriedenstellend? Irgendjemand sagte mal: Im Fußball gibt es nur Ex-Post-Beurteilungen. Stimmen die Ergebnisse, waren alle Schritte richtig, stimmen sie nicht, hat man viele Fehler gemacht. Vor diesem Hintergrund ist die Antwort vermeintlich leicht. Für uns als Verantwortliche ist es aber wichtiger, nicht nur die Ergebnisse zu sehen, sondern die Arbeit und Leistung zu beurteilen. Noch ein Beispiel: Das Ergebnis unseres Pokalspiels gegen Düsseldorf war enttäuschend, aber die Leistung war hervorragend. Die Leistung gegen Dortmunds U23 war sehr gut, das Gegentor in der 93. Minute trübt die Beurteilung. Wir müssen die gesamte Komplexität betrachten, wohl wissend, dass es letztlich nicht ohne Ergebnisse geht.

Den Fans war allerdings Hafenstraßen-Fußball versprochen worden, unabhängig von den Ergebnissen: Wann hat man ihn außer im Pokal zu sehen bekommen?
Vielleicht war die Nutzung des Begriffs ein Fehler, weil jeder seine eigenen Vorstellungen damit verbindet. Uns war es aber wichtig, mit dem Begriff zum Ausdruck zu bringen, dass wir eine eigene Spielidee verfolgen wollen. Das heißt, sowohl mit als auch gegen den Ball aktiv zu sein. Auch wenn das viele nicht hören wollen: Mein Zwischenfazit lautet zur Vorsaison, dass wir einen gewaltigen Schritt gemacht haben, dass wir aber natürlich uns hier weiter verbessern und verfestigen müssen. Daran wurde auch im Trainingslager gearbeitet.

Es gab in der Hinrunde ja auch diverse Störfälle, um nicht zu sagen „Pflegefälle”. Wenn Kevin Behrens dieser Tage der Thüringer Allgemeinen sagt, er habe sich in der Region nicht wohl gefühlt, können Sie als Zugereister erahnen, was er damit meinen könnte?
Es gibt sicherlich Regionen in Deutschland, die deutlich weniger herzlich sind als das Ruhrgebiet. Und wer mit der offenen herzlichen rotzigen Art im Pott nicht klar kommt, muss sich aus meiner Sicht eher selbst hinterfragen. Selbst wenn man sagen würde, das Ruhrgebiet sei nicht schön, hätte man nur auf den ersten sehr oberflächlichen Blick Recht.

Autor: Ralf Wilhelm

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