„Fair bleiben, liebe Eltern! Ihr seid Vorbilder ... auch auf dem Fußballplatz“, wirbt ein Plakat am Vereinsheim des Vogelheimer SV.

Spielabbruch bei F-Junioren

Eltern benehmen sich daneben

Thorsten Schabelon
16. Dezember 2015, 11:12 Uhr
Foto: Tim Müller

Foto: Tim Müller

„Fair bleiben, liebe Eltern! Ihr seid Vorbilder ... auch auf dem Fußballplatz“, wirbt ein Plakat am Vereinsheim des Vogelheimer SV.

In der guten Stube hinter der Tür tagt die Jugendspruchkammer des Fußballkreises 13 Essen-Nord. Es geht um den Abbruch eines F-Juniorenspiels Ende November. Vorgeladen sind 15 Eltern und Trainer der sieben- und achtjährigen Kicker. Die Erwachsenen kennen das Plakat wohl nicht. Wer Lesen kann ist eindeutig im Vorteil.

Am 28. November traten die F-Junioren von DJK Adler 1910 Frintrop 5 beim DJK TuS Holsterhausen II gegeneinander an. Was genau passiert ist, darüber gehen die Meinungen, wie vor Gericht fast üblich, auseinander. Einig sind sich alle in einer Sache: „Die Kinder können nichts dafür, dass das Spiel abgebrochen wurde“, fällt Thomas Weiz, dem Vorsitzenden in der Jugendspruchkammer, ziemlich früh auf. Und weil das die verantwortlichen Erwachsenen der Vereine erkennen und ihre Schuld eingestehen, fallen die Geldstrafen nach 90 Minuten überschaubar aus.

„Wutentbrannt auf mich zugerannt“

Was in Holsterhausen passiert ist, sollte eigentlich nicht mehr passieren, nachdem der Verband bei den F-Junioren „Fair-Play-Regeln“ eingeführt hatte. Eltern müssen 15 Meter Abstand zum Spielfeld halten. Die Trainer beider Mannschaften stehen in einer Coaching-Zone als „Team“ nebeneinander und begleiten das Spiel. Die Kinder entscheiden auf dem Platz selbst. „Das bekommen sie in der Regel gut hin“, sagt ein Trainer von Frintrop. Es gibt weder Ergebnisse noch Tabellen. Auf Vereinsseiten im Internet finden sich aber lange Spielberichte, wer wann ein Tor erzielt hat.

In Holsterhausen gab es keine Coaching-Zone. Vielleicht, weil sich die Trainer, je zwei pro Team, aus früheren Duellen kennen und nicht sonderlich mögen. Das merkt man schnell im Spiel. „Nach zwei Minuten ist er erstmals wutentbrannt auf mich zugerannt“, sagt ein Trainer über den anderen. Die Kinder spielen derweil. Sie entscheiden, als der Ball ins Aus rollt, auf Abstoß. „Ecke“, brüllen Eltern, die verbotenerweise direkt hinter dem Tor stehen. Sie sollen einen siebenjährigen Torwart „Flasche“ gerufen haben. Es folgt eine strittige Torszene. Danach wird einem F-Junior der Ball beim Einwurf aus der Hand gerissen. Ein Frintroper Trainer geht schließlich über das Feld, weshalb die Holsterhauser, regelgerecht, das Spiel abbrechen. Ein Tor ist in dem Moment gefallen. Der Trainer soll den kleinen Torwart behindert haben. Nach dem Abbruch folgen Diskussionen. Es wird geschubst. „Ich dachte, dass es eskaliert“, sagt ein Trainer. Tut es zum Glück nicht.

Frieden bei Kaffee und Kuchen?

Laut Urteil muss jeder Trainer 25 Euro zahlen. Dazu kommen 150 Euro für den Abbruch und das Verfahren. „Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder. Sie sind Vorbilder. Ihre Kinder sehen, was sie machen. Irgendwann haben wir die dann als A-Junioren vor unserer Kammer sitzen“, mahnt Vorsitzender Thomas Weiz. Dass Laien oft gute Richter sind, beweist der stellvertretende Vorsitzende Heinz-Jürgen Künzel: „Verabreden Sie sie doch mal zu einem Freundschaftsspiel. Während die Kinder auf dem Platz spielen, setzen sie sich ins Vereinheim und essen Kuchen und trinken Kaffee. Dann haben wirklich alle was davon.“

Autor: Thorsten Schabelon

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