Rückschau und Blick nach vorne! In der Spielpause ist so etwas immer ein von Ferdi Seidelt, 1. Vorsitzender des FCR 2001 Duisburg, gerne gesehener Job. So auch aktuell, während die Truppe von Coach Thomas Obliers sich akribisch durch die Sommervorbereitung kämpft und die Weltmeisterschaft in China (10. bis 30. September) ihre Schatten immer deutlicher voraus wirft.

FCR Duisburg: Gott ist Duisburger - Seidelt zwischen Starkstrom & Spannung

"Wir haben Ruhe im Karton"

Oliver Gerulat
23. Juli 2007, 22:24 Uhr

Rückschau und Blick nach vorne! In der Spielpause ist so etwas immer ein von Ferdi Seidelt, 1. Vorsitzender des FCR 2001 Duisburg, gerne gesehener Job. So auch aktuell, während die Truppe von Coach Thomas Obliers sich akribisch durch die Sommervorbereitung kämpft und die Weltmeisterschaft in China (10. bis 30. September) ihre Schatten immer deutlicher voraus wirft.

Das positive Image ist wichtig, die Löwinnen gaben ein 5:0-Jubiläums-Gastspiel beim Niedersachsenligisten TSV Renshausen. Im Dörfchen, das satte 400 Einwohner zählt, herrschte der Ausnahmezustand. 700 Fußballfreunde wollten die Partie gegen den Deutschen Vizemeister sehen. Tore: Inka Grings (3), Anne van Bonn, Corina Schröder. Am 28. Juli geht es bei der DJK SV Lowick weiter, bevor vom 31. Juli bis zum 4. August das Trainingslager in Goch ansteht. Der hochkarätige Dragon-Cup folgt. Tatzeit: 4. und 5. August. Tatort: Haltern-Flaesheim. Konkurrenz: Turbine Potsdam, Hamburger SV, VfL Wolfsburg. Zwei Spiele gegen Holland-Teams gibt es auch noch - 10. August: bei Twente Enschede, 12. August: auf eigener Anlage gegen AZ Alkmaar. Aber wie gesagt, Seidelt hat das Wort.

Ferdi Seidelt, was wird Sie mehr elektrisieren, die WM-Auftaktpartie am 10. September Deutschland gegen Argentinien oder der 19. August, der FCR-Bundesligaauftakt beim Hamburger SV?

Für meinen Verein gehe ich durch die Hölle, bei der Natio bin ich nur Zuschauer. Starkstrom für die Löwinnen, volle Spannung für Deutschland.

Coach Thomas Obliers räumt auf Nachfrage ein, für die nächste Spielzeit personell noch die Augen auf zu haben. Wohin blinzeln Sie?

Unser Cheftrainer und Teammanager Dieter Oster denken in eine Richtung. Verdiente Spielerinnen aus der Vorsaison plus eigene und externe Talente plus, falls vonnöten, der eine oder andere gestandene Zugang. Beide sagen, dass wir schon jetzt ein gutes Team haben. Der Kader ist groß genug. Gibt es keine Verletzungen, ist er eigentlich schon sehr groß.

Zweimal Vize in der letzten Spielzeit - im kurzen Rückblick: Wie groß ist der Abstand noch zum Doublegewinner 1.FFC Frankfurt?

Wir alle haben Berlin noch gut in Erinnerung. Die Ladys vom Main warfen weit mehr als tausend A-Länderspiele in die Waagschale. Unser um etwa fünf Jahre jüngeres und von Verletzungspech arg dezimiertes Team war aber spielerisch die bessere Mannschaft. Frankfurt wird nicht jünger, unsere jungen Wilden aber immer erfahrener.

Damals gab es irgendwann Zoff. Dieser Energieverlust dürfte jetzt schon einmal nicht mehr auftreten, oder?

Ich denke nicht. Wir haben Ruhe im Karton. Vor und hinter den Kulissen. Mit den Jahren sind wir zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen. Wer Zoff vernünftig managt, wird stark.

Die U 17 wurde verdient Deutscher Meister. Der Club ist in dieser Hinsicht mächtig gut aufgestellt, korrekt?
Unsere umfangreiche Talenteschmiede wird hier wie dort hoch belobigt. Davon profitieren immer wieder auch andere Vereine. Gehen Spielerinnen von uns weg, weil sie sich von diesen Klubs mehr Spielminuten versprechen, müssen wir das mit einem lachenden und einem weinenden Auge akzeptieren.

Vier Youngster von diesen "Championettes" sind nun bei Thomas Obliers: Marith Prießen, Irini Ioannidou, Ilka Pedersen, Turid Knaak - wer von Ihnen startet am ehesten durch?
Gerne vertraue ich da auf unsere Fachleute, die Marith und Turid schon sehr weit, aber auch in Irini und Ilka viel Potenzial sehen.

Dazu kommen Marina Hegering (DJK SV Lowick) und Stephanie Goddard (FC Gütersloh). Frankfurt lässt es dagegen bei den Verpflichtungen "krachen". Warum haben Sie trotzdem die Nase vorne?

Wir sind in einer kontinuierlichen und konsequenten Aufwärtsentwicklung, bilden ein junges und begeisterungsfähiges Team. Frankfurt scheint mir irgendwie auf der Stelle zu treten.

Der Triumph der U 17 war der erste Titel des FCR 2001 Duisburg, wann kommt der nächste?
Wir reden nicht um den heißen Brei herum. In dieser Saison wollen wir eine Trophäe holen.

Wird Deutschland Weltmeister?

Da würde ich nicht drauf wetten. Das, was ich für die Liga gesagt habe, gilt auch für die WM. Das starke Frankfurter Übergewicht im Team ist Risiko und Chance zugleich.
Zweifeln Sie daran, dass die nächste WM in der Bundesrepublik stattfindet?

Nein - wir sind weltweit gesehen das Land des Frauen- und Mädchenfußballs schlechthin. Europa ist an der Reihe, bei der FIFA kommt es zu einem Duell zwischen Deutschland und Frankreich.
Die Sportart boomt sowieso, freuen Sie sich darauf, dass dann noch mehr auf das Gaspedal gedrückt wird?
Natürlich, das kommt der Qualität sowohl in der Spitze als auch in der Breite zugute. Wenn ich mich auch freue, dass unsere Mädchenteams durch die Bank weg ihre Spiele gewinnen, so ist das doch nur pro domo gedacht.

Sie alter Lateiner, Sie meinen zu eigenem Vorteil, in eigener Sache reden...

Spannung kommt auf, wenn die Konkurrenz größer wird.

Apropos Boom: Der Pott ist mit einem Trio in der Bundesliga. Ihnen muss das Herz aufgehen.

Klar doch. Vor drei, vier Jahren war an Rhein und Ruhr nur Duisburg präsent. Dann ist Schönebeck hinzugekommen, jetzt Wattenscheid. Hier wie dort ist gute Arbeit geleistet worden. Mit dem Resultat, dass wir jetzt sechs knackige Revierderbys haben.
Wir sprachen bereits einmal über die FCR-Clubstrukturen.
Mittlerweile kam Arne Müller als Geschäftsführer. Wann sehen Sie die Zeit reif für einen echten Manager?
Die Zeit ist eigentlich schon längst da. Der liebe Gott war auf unserer Seite, als wir mit Dieter Oster einen "fußballverrückten Hund" bekommen haben, der exzellente Managerarbeit leistet.

Wie würden Sie das Image Ihres Clubs beschreiben, in der Stadt und auch bundesweit?

In Duisburg sind wir eine Macht, die Wirtschaft wird auf uns immer mehr aufmerksam. Angeführt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht eine Vielzahl sportlicher Alpha-Tiere hinter uns. National werden wir wie das junge Potsdam gesehen. Ehrlich, engagiert, professionell, auf dem Sprung nach ganz oben.
Die letzte Saison war - mit Blick auf alle Mannschaften - vom Feinsten. Kann das noch getoppt werden?

Wir wären glücklich, wenn die gerade aufgestiegene Zweite in der 2. Bundesliga eine passable Rolle spielt, die ebenfalls aufgestiegene Dritte sich in der Verbandsliga etabliert und die Mädchenteams - mittlerweile bilden wir fünf - uns so viel Freude machen wie bisher.
Die Anlage im Duisburger Süden war bei der Übernahme nicht gerade in einem Toppzustand. Wie sind die Perspektiven?
Wir haben hier bereits eine Menge verändern können. Erklärtes Ziel ist ein Leistungszentrum für Frauen- und Mädchenfußball. Wir werden in den nächsten Wochen unsere Geschäftsstelle dorthin verlegen. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Kunstrasenplatz in 2008. Andere Projekte sind in Arbeit. Es muss immer weiter gehen, die Konkurrenz schläft nicht. Löwinnen sind ja von Natur aus immer hungrig.

Autor: Oliver Gerulat

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