Er war der jüngste Bundesliga-Boss aller Zeiten, er rettete Borussia Dortmund dreimal vor dem finanziellen Ruin, und er will an die Spitze des deutschen Fußball-Ligaverbandes: Reinhard Rauball kandidiert für die Nachfolge des verstorbenen Werner Hackmann und hat kein Verständnis für die Absagen seiner prominenten Kollegen.

Rauball bereit: Kandidatur für Liga-Präsidentschaft

Spagat zwischen Sport und Recht

Rainer Kalb
07. Juni 2007, 13:39 Uhr

Er war der jüngste Bundesliga-Boss aller Zeiten, er rettete Borussia Dortmund dreimal vor dem finanziellen Ruin, und er will an die Spitze des deutschen Fußball-Ligaverbandes: Reinhard Rauball kandidiert für die Nachfolge des verstorbenen Werner Hackmann und hat kein Verständnis für die Absagen seiner prominenten Kollegen.

"Ich war schon verblüfft, wie viele Leute dieses Angebot abgelehnt haben. Ich denke schon, die Liga ist es wert, dass man sich für sie einsetzt", sagt der 60-Jährige. Dabei hatte er, das langjährige SPD-Mitglied, selbst 1999 das Amt als Justizminister in Nordrhein-Westfalen noch unmittelbar vor der Vereidigung ausgeschlagen.

Nun aber ist der Jurist und Präsident des BVB verstimmt über die Indiskretion, durch die seine Kandidatur an die Öffentlichkeit geraten ist: "Ich dachte, seit Weihnachten ein erstes Wochenende ohne Fußball zu haben. Und dann hat die Veröffentlichung alles zunichte gemacht." Über seine Pläne im Fall seiner Wahl zum obersten Repräsentanten des deutschen Ligaverbandes will er noch nichts verraten. "Da warte ich die Frist ab, bis zu der sich alle Kandidaten erklärt haben müssen. Und dann erfahren zunächst meine Kollegen von meinen Vorstellungen, nicht die Öffentlichkeit. Ich bitte um Verständnis."[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/564-1585_preview.jpeg "Mr. BVB": Reinhard Rauball. (Foto: firo)[/imgbox]

Zuvor hatten unter anderem Franz Beckenbauer, Reiner Calmund, Karl-Heinz Rummenigge und Heribert Bruchhagen das Amt des Präsidenten abgelehnt. Einer wie Rauball kann durchaus der richtige Mann für den Job sein. Einer, der rund um den Bundesliga-Skandal 1971/72 als einer der ersten das unbeackerte Feld der Sportsgerichtsbarkeit entdeckte, könnte einer Liga, die zwischen den Polen Sport, Wirtschaft, Recht, Politik und DFB ihre Mitte finden muss, nur gut tun. Der Mann, der Sprinterin Katrin Krabbe gegen Doping-Vorwürfe verteidigt hat, könnte ein würdiger Nachfolger von Hackmann werden. Als Präsident von Borussia Dortmund ist er schließlich nicht - wie ein Vorsitzender der Profiabteilung - ins Alltagsgeschäft eingebunden, also auch nicht parteiisch.

Bereits von 1979 bis 1982 und von 1984 bis 1986 stand er an der Spitze des westfälischen Traditionsklubs. Als wissenschaftlicher Assistent an der Uni Bochum hat er für seinen Professor Münch und dessen Reihe "Aktuelle Dokumente" schon über Sportrecht "gepinselt": "Das umfasste Vertragsrecht, Zivilrecht, Strafrecht, Arbeitsrecht und das Grundgesetz. Mit Treu und Glauben hatte der Sport schon damals nichts mehr zu tun." Und jetzt sind die vielfältigen, aber höchst lukrativen Facetten des Medienrechts (Internet, Handy-TV) noch hinzu gekommen - wahrlich genügend Arbeit für einen Juristen, der vor allem Sportler bleiben will.

Fußballer ist Rauball seit seinem zehnten Lebensjahr, als er sich in seiner Heimat dem VfB Northeim (nahe Göttingen) anschloss. Natürlich ist er heute Mitglied bei Borussia Dortmund, aber auch beim TJC Eintracht, der ihm nach seinem Umzug nach Westfalen eine erste Heimat gab. Noch heute hat Rauball immer eine Fußballer-Ausrüstung in seinem Wagen, damit er spontan reagieren kann, falls die Alten Herren des TJC oder des BVB ihn zu einem Spielchen einladen - nur mehr als 40 Kilometer darf es nicht entfernt sein. Rauball: "Sie verstehen: der Terminkalender!"

Autor: Rainer Kalb

Kommentieren