MSV-Geschäftsführer Björn Bremer hat in jungen Jahren schon eine Menge erlebt. 1997 startete er als PR/Marketing-Leiter beim KFC Uerdingen, begann 1998 im Bereich Verwaltung/Organisation in Wolfsburg, 2000 folgte das Engagement beim 1. FC Nürnberg, wo er als Geschäftsführer und Vize-Präsident wirkte. Seit fast drei Jahren ist

Geschäftsführer Björn Bremer über Boom, Billets und Bochum

"Zwei Mal MSV Duisburg gegen einen FC Barcelona"

tt
02. Juni 2007, 12:21 Uhr

MSV-Geschäftsführer Björn Bremer hat in jungen Jahren schon eine Menge erlebt. 1997 startete er als PR/Marketing-Leiter beim KFC Uerdingen, begann 1998 im Bereich Verwaltung/Organisation in Wolfsburg, 2000 folgte das Engagement beim 1. FC Nürnberg, wo er als Geschäftsführer und Vize-Präsident wirkte. Seit fast drei Jahren ist "BB" in Duisburg tätig, erlebte zwei Bundesliga-Aufstiege hautnah mit. "Die Euphorie ist hier deutlich spürbar. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen der Fans zu rechtfertigen", hat sich Bremer mit seinen Mitstreitern auf die Fahne geschrieben. RevierSport unterhielt sich mit dem 35-Jährigen.

Björn Bremer, sind Sie in der Geschäftsstelle von Glückwunsch-Blumensträußen umringt?

Nein, ganz so extrem ist es nicht, aber wir haben eine Menge Zuspruch erhalten. Die komplette Bundesliga hat Gratulationen übermittelt, auch einige Zweitliga-Konkurrenten. Dazu gab es Anerkennung aus der Politik und natürlich von zahlreichen Anhängern. Per Brief oder, wie es heute üblich ist, per Email.
Wie ist der Stand beim Dauerkarten-Verkauf?

Die Resonanz ist ganz hervorragend. Nach drei Tagen haben wir 2.500 Saison-Tickets an den Fan gebracht. Dabei handelt es sich fast komplett um Neu-Kunden. Die Alt-Kunden haben bis Anfang Juli Zeit, da besteht also keine Eile.
Gibt es eine Marke, die Ihnen bis zum Saison-Start vorschwebt?

Vor zwei Jahren waren wir bei 14.000 Karten, wenn wir das wieder erreichen könnten, wäre ich richtig happy. Damit hätte man eine absolute Basis. Die Dauerkarte drückt Verbundenheit zum Verein aus, die Unterstützung ist für uns eine ganz wichtige Komponente.
Stichwort Preis-Gestaltung: Geht die Tendenz nach oben?
Gegenüber den letzten Bundesliga-Preisen nehmen wir jetzt einen Euro mehr. Das hängt mit der Mehrwertsteuer-Erhöhung zusammen. Die wurde von uns in den vergangenen Monaten in der Zweiten Klasse nicht berücksichtigt, während andere Clubs sofort mit Karten-Aufschlägen reagiert haben.

Wie sieht es mit Top-Zuschlägen bei den Partien gegen Schalke, Bayern oder Dortmund aus?

Da haben sie genau die drei Begegnungen angesprochen, in denen es solche Zuschläge geben wird. Der Stehplatz kostet dann drei Euro mehr, der Sitzplatz wird fünf Euro teurer. Bei der Dauerkarte wirkt sich das allerdings nicht aus, was wiederum ein Anreiz ist. Da gilt nach wie vor unser Angebot, 14 Spiele zahlen, aber 17 Partien sehen.
Was gibt es sonst für Neuerungen im Zuschauer-Bereich?
Wir haben zusätzlich das Familien-Angebot erweitert. Im Oberrang der Nord-Tribüne sowie die Klöckner-Ecke im Süd-Bereich stehen künftig für Eltern mit Kindern zur Verfügung. Die Kapazität wird damit um 35 Prozent erhöht. Der Preis bleibt dort für die Kunden stabil. Ein Sitzplatz kostet fünf Euro, es gibt eine Riesen-Nachfrage, der wir natürlich gerecht werden wollen.
Schon bei den Aufstiegs-Feierlichkeiten fielen sehr viele "Nachwuchs-Fans" auf. Freut Sie, dass der MSV bei der Jugend "in" ist?

Natürlich. Nach dem Bundesliga-Sprung habe ich bei uns vor der Haustür auf der Wiese ein Spiel von Kindern beobachtet. Da spielte umgerechnet zwei Mal der MSV in Trikots gegen einen FC Barcelona. So etwas zu sehen, ist sicherlich schön. Wir bemühen uns auch gerade um die Kids, haben eine Zusammenarbeit mit Schulen und Jugend-Teams. Das sind die Kunden der Zukunft.

Wirkt sich der Boom auch im Merchandising-Sektor aus?
Wir stecken in einer gewissen Euphorie, das ist positiv für den Verein. Von den Aufstiegs-T-Shirts sind binnen neun Tagen 11.000 Stück verkauft worden. Das ist eine sehr, sehr anständige Zahl. Wenn man bedenkt, dass wir erst kürzlich aufgestiegen sind, dann würde sich der eine oder andere größere Einzelhändler über so einen Absatz sicherlich freuen.

Bringt die Bundesliga wirklich 15 Millionen Euro mehr in die Kasse?
Diese Zahl ist nicht ganz realistisch. Wenn du aufsteigst, hast du automatisch auch höhere Ausgaben. Man muss vernünftig wirtschaften, was in der höchsten Klasse sicherlich etwas einfacher fällt. Die Bundesliga ist für uns eine reizvolle Aufgabe. Wir wissen, sie einzuschätzen, bereiten uns vor und versuchen, eine bessere Rolle zu spielen, als vor zwei Jahren.

Hält der MSV dem Vergleich mit dem VfL Bochum stand?

Die Kollegen in Bochum haben hervorragende Arbeit geleistet, aber sechs Wochen vor Saison-Schluss dachten viele Leute noch, dass der VfL absteigt. Wir sind Duisburg. Ich denke, wirtschaftlich gibt es bei uns mehr Potenzial, das muss künftig ausgeschöpft werden. Der VfL ist, um beim Vergleich zu bleiben, gefestigt. Sie sind nach dem Aufstieg dringeblieben und damit einen Schritt weiter als wir. Für uns hinter den Kulissen geht es jetzt darum, die Steilvorlage unserer Mannschaft umzusetzen, den Bundesliga-Boom zu nutzen und weiter Gas zu geben.
Wir als Zeitung hätten nichts dagegen, wenn es etwas länger bei vier Revier-Teams in der Elite-Klasse bleibt.

Wir werden uns bemühen, dass die Konstellation länger Bestand hat.

Autor: tt

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