Zurückhaltend, fast schüchtern präsentiert sich Mesut Özil im Umgang mit den Medien. Auf dem Fußballplatz dagegen ist der 18-Jährige nach gerade einmal elf Einsätzen in der in der Bundesliga angekommen. Mit einer für sein Alter bereits beeindruckenden Spielintelligenz ausgestattet, wäre dem Lincoln-Ersatz gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende sogar fast sein erster Treffer in der Eliteliga geglückt.

SCHALKE: Mesut Özil dribbelt sich in den Vordergrund

Der glückliche Deutsche

25. März 2007, 18:35 Uhr

Zurückhaltend, fast schüchtern präsentiert sich Mesut Özil im Umgang mit den Medien. Auf dem Fußballplatz dagegen ist der 18-Jährige nach gerade einmal elf Einsätzen in der in der Bundesliga angekommen. Mit einer für sein Alter bereits beeindruckenden Spielintelligenz ausgestattet, wäre dem Lincoln-Ersatz gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende sogar fast sein erster Treffer in der Eliteliga geglückt. "Schade, da habe ich zu hoch angesetzt", hat Özil, der körperlich noch zulegen muss und sich seiner eigenen Stärke manchmal noch nicht gar bewusst zu sein scheint, die Szene im Kopf, als er den Ball freistehend über Timo Hildebrand und das Gehäuse hinweg schlenzte.

In der Junioren-Nationalmannschaft hat der Gelsenkirchener, der sich im vergangenen Jahr dazu entschieden hat, den Pass mit dem Halbmond gegen den mit dem Adler zu tauschen, schon hingelangt. Am Mittwoch traf Özil, der als schönsten Platz auf der Welt das Haus seiner Oma in Zonguldak bezeichnet, in Bad Ems beim 2:0 gegen Georgien zur 1:0-Führung. Mit seiner Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft schlug der gebürtige Gelsenkirchener, wie auch sein in der U21 spielender Landsmann Serkan Calik von Rot-Weiss Essen, einen bei türkischstämmigen Jugendlichen immer noch recht ungewöhnlichen Weg ein.

Wie die Altintops oder Nurin Sahin vom BVB wollen, ein deutsches Phänomen, auch nach über 40 Jahren Migration die Kinder der sogenannten dritten Generation meist weiter für das Herkunftsland ihrer Eltern und Großeltern auflaufen. Erst langsam scheint sich bei den ganz jungen Fußballern ein Wechsel der Prioritäten anzudeuten. Die Entscheidung sei ja nicht endgültig, hofften die Verantwortlichen des türkischen Fußballverbandes deshalb lange auf eine Rückkehr des verlorenen Sohnes. Wohl vergeblich. Durch seine Einsätze bei Schalke wieder ins Fadenkreuz der Späher gerückt, können sich die Beobachter vom Bosporus nach dem Willen Özils Abwerbungsversuche sparen.

"Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Sportdirektor Matthias Sammer hat sich sehr für mich eingesetzt. Auch wenn ich mich noch nicht fest gespielt habe, denke ich zur Zeit überhaupt nicht daran, für die Türkei zu spielen. Ich will mich hier weiterentwickeln und bin glücklich, für die deutschen Elf auflaufen zu dürfen", berichtet Özil, der die Entscheidung zuvor mit seinen Eltern besprochen hat. "Außerdem habe ich meinen türkischen Pass abgegeben. Und ob ich den noch mal bekommen kann, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht."

Gegen Bayern ist Spielmacher Lincoln nach seinem Ausraster gegen Bernd Schneider noch gesperrt. "Deshalb mache ich mir trotz der Rückkehr von Gustavo Varela und Peter Lövenkrands Hoffnungen, vielleicht in München zu spielen. Gegen einen der besten Vereine in Europa dabei zu sein, wäre in meiner ersten Saison natürlich ein Traum", hofft der offensive Mittelfeldspieler, dass Mirko Slomka sein Spielsystem am Samstag beim Rekordmeister nicht ändert. "Wenn wir dort etwas mitnehmen, sind wir unserem ganz großen Ziel wieder ein riesiges Stück näher gerückt", möchte Özil noch vor seinem 19. Geburtstag Deutscher Meister sein.

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