Die Bilanz könnte miserabler kaum sein: 17 Spiele, null Punkte und ein Torverhältnis von 7:140 Toren. Der Gelsenkirchener C-Ligist Westfalia Schalke II (Kreisliga C2) spielt eine rabenschwarze Saison. Allein fünf Mal musste der Torhüter der Westfalia-Reserve, die ihre Spiele auf der Sportanlage am Schürenkamp austrägt, mehr als zehn Mal hinter sich greifen.

Westfalia Schalke II und die rabenschwarze Saison

„Es ist wie jedes Jahr“

Thomas Ziehn
10. März 2007, 14:02 Uhr

Die Bilanz könnte miserabler kaum sein: 17 Spiele, null Punkte und ein Torverhältnis von 7:140 Toren. Der Gelsenkirchener C-Ligist Westfalia Schalke II (Kreisliga C2) spielt eine rabenschwarze Saison. Allein fünf Mal musste der Torhüter der Westfalia-Reserve, die ihre Spiele auf der Sportanlage am Schürenkamp austrägt, mehr als zehn Mal hinter sich greifen.

Im Schnitt kassieren die Schalker 8,2 Gegentore pro Spiel. Die höchste Niederlage war eine 0:16-Pleite am 5. Spieltag gegen den VFB 09/13 Gelsenkirchen II. Fast müßig zu erwähnen, dass die Westfalia auf dem Tabellenplatz steht.

„Es ist wie jedes Jahr“, sagt Hans-Gerd Killing, erster Vorsitzender der Westfalia, „die schlechtesten Fußballer des Kreises haben sich versammelt, um gemeinsam Fußball zu spielen. Um es hier einmal ganz deutlich zu sagen: Ich habe großen Respekt vor diesen Männern und bin stolz, so eine Mannschaft zu haben. Denen ist es egal, ob sie eine Klatsche nach der nächsten kriegen. Sie haben Spaß und das ist das Wichtigste.“

Auch um das eigentliche Aushängeschild von Westfalia Schalke steht es nicht besonders gut. Zwar steht die erste Mannschaft nicht auf dem letzten Tabellenplatz, doch auch sie spielt in der untersten Kreisliga (C3) keine große Rolle. Momentan steht Westfalia I mit 14 Punkten auf dem neunten Rang. Kuriose Parallele zur „Zweiten“: Die Schalker erlebten ihr „Waterloo“ ebenfalls am fünften Spieltag. Die 0:10-Klatsche gegen die Sportfreunde Bulmke II bedeutete die höchste Saisonniederlage. Da beide Mannschaften an jenem 10. September 2006 zu Hause antraten, kamen die Anhänger aus dem ungläubigen Staunen gar nicht mehr heraus. Im Vergleich ist die Bilanz der ersten Mannschaft jedoch bei weitem nicht so schlecht, wie bei der Reserve.

„Die spielen mal so und mal so“, schildert Killing seine Eindrücke, „aber wir sind eben ein kleiner Verein, der den Spielern kein Geld zahlen kann. Alle Spieler, die bei uns spielen, sind hier, weil sie Fußball spielen wollen. Wenn ein Spieler zu mir kommt und will Geld haben, kann er sich sofort einen anderen Verein suchen.“ Vorteil dieser rigorosen Vorgehensweise. Westfalia Schalke hat keine Schulden. „Wir leben zwar von der Hand in den Mund, aber wir produzieren keine Verbindlichkeiten. Unsere bescheidenen Sponsoreneinnahmen dienen nur dazu, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, der schon teuer genug ist.“

Dass beide Senioren-Mannschaften in der Kreisliga C kicken, findet Hans-Gerd Killing, der dem Verein seit 35 Jahren angehört, manchmal „schon etwas traurig“. Natürlich wäre es schön, mal wieder eine Mannschaft in der B-Liga zu haben. Aber dafür brauchen wir ein wenig Glück. Spieler kommen meist per Zufall oder Mundpropaganda zu uns und wir weichen von unserer Devise, den Spielern kein Geld zahlen zu wollen, nicht ab. Vielleicht findet sich ja schon bald ein Team, welches in der C-Liga oben mitspielen kann. Wenn es nicht klappen sollte, wäre es jedoch auch nicht so schlimm.“

Ein Ziel verliert Hans-Gerd Killing hingegen nicht so schnell aus den Augen: Das 100-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2022. „Das wollen wir unbedingt noch erleben. Zwar fehlt bereits jetzt schon Nachwuchs, der sich im Vorstand engagiert, aber ich bin guter Dinge, dass sich auch in den nächsten Jahren ein Vorstand findet. Wenn wir unsere Linie durchziehen, dürfte das Finanzielle ebenfalls nicht zum Problem werden.“ Vielleicht sogar dann mit zumindest einer Mannschaft in der B-Liga.

Autor: Thomas Ziehn

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