Was sich derzeit in der Verbandsliga Westfalen II abspielt, ist an Spannung kaum noch zu überbieten.

KORNHARPEN: Silberbach-Brüder und richtige Mischung

tr
10. November 2006, 12:10 Uhr

Was sich derzeit in der Verbandsliga Westfalen II abspielt, ist an Spannung kaum noch zu überbieten.

Was sich derzeit in der Verbandsliga Westfalen II abspielt, ist an Spannung kaum noch zu überbieten. Der DSC Wanne, die TSG Sprockhövel und Vorwärts Kornharpen liefern sich ein dramatisches Rennen im Kampf um die Pole-Position. Während man sich in Herne wie auch Sprockhövel rein auf das Sportliche konzentrieren kann, müssen die Bochumer gleich an mehreren Fronten kämpfen. Nach dem Absprung einiger potenter Sponsoren (RS berichtete), ist das finanzielle Überleben des Clubs ungewiss.

Um so erstaunlicher, dass sich die Mannschaft, die seit Monaten auf einen Cent wartet, in einen wahren Torrausch kickt. Satte 40 Mal beförderten die Kornmänner das Leder in die Maschen des Gegners. "Das ist nicht wenig", schmunzelt Jörg Silberbach. Der Trainer schiebt stolz nach: "Es sind keine Glücksspiele, sondern Topleistungen." Klar, dass die Goalgetterliste bei solch einer Ausbeute fest in Kornharpener Hand ist. Sicherster Schütze ist Guido Silberbach (12), direkt gefolgt von Sebastian Kleine (10) und Daniel Gavranovic (9). Lediglich Buers Tim Woberschal (10) "stört" die Bochumer Idylle. Die Kaltschnäuzigkeit seiner Abteilung Attacke hat es dem Coach angetan: "Wir haben mit Guido einen der abgezocktesten Akteure. Er ist gerade jetzt ein Vorbild, geht vorweg. Auch Sebastian Kleine überzeugt auf allen Ebenen, erfüllt sein Kapitänsamt mehr als gut."

Denn die Schwierigkeiten sind für Silberbach allgegenwärtig. Wie motiviert man einen Kader zum Training, wenn dieser nicht bezahlt wird? "Die Finanzlage kommt natürlich immer wieder mal auf. Wir hoffen ja auch, dass sich die Geschichte zum Positiven wendet", erklärt Silberbach: "Ich muss die Stimmung hoch halten, aber auch schauen, dass die Leute richtig hart arbeiten. Es ist schwierig, die richtige Mischung zu finden." Silberbachs Beispiel: "Geldstrafen sind derzeit ausgesetzt, denn wenn die Leute nichts kriegen, kann ich ihnen auch nichts abknöpfen. Da ist es manchmal schwer, gegen eine flachsige Einstellung anzukämpfen. Aber die Mannschaft macht mir meinen Job auch leicht."

Ein Kompliment, dass Guido gerne an seinen Bruder und "Boss" Jörg zurückgibt. Denn nicht umsonst befindet sich der ehemalige Wattenscheider in einer bestechlichen Form, trifft aus allen Lagen. "Das liegt am Trainer, der weiß, was in mir steckt", zwinkert Guido mit dem Auge und schiebt nach: "Wir sind eine junge Truppe, ziehen alle an einem Strang. Ohne Daniel Gavranovic würde ich auch nicht so treffen." Seine zwölf Einschläge will der Stürmer nicht überbewerten, kennt das Geschäft. "Es kann sehr schnell auch anders herum gehen, wenn man nicht einlocht." Dass trotz der ausbleibenden Gehälter die Truppe Woche für Woche erfolgreich ist, überrascht Guido Silberbach nicht: "Wir können es nicht ändern. Jeder spielt für sich, will sich präsentieren. Wenn man sich jetzt hängen lässt, wird auch kein Club aufmerksam."

Die nächste Chance, sich in den Vordergrund zu spielen, hat Kornharpen bereits am Sonntag im Spitzenspiel gegen Germania Gladbeck: "Die sind mit dem Sponsor in einer ähnlichen Lage wie wir, wollen etwas beweisen", weiß Jörg Silberbach. "Deren Coach Guido Naumann hat ja bereits angekündigt, gegen uns gewinnen zu wollen. Aber ich kann nur sagen, dass es nicht einfach wird, uns zu schlagen."

Autor: tr

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