Die Favoriten-Rolle will in der VL Westfalen II kein Team annehmen. Alle Klubs wollen nur

VL WESTFALEN - Lethargische "Schläger-Truppen"

tr/hb/tt
24. November 2003, 09:07 Uhr

Die Favoriten-Rolle will in der VL Westfalen II kein Team annehmen. Alle Klubs wollen nur "oben mitspielen". Der Auf- und Abstieg ist in dieser Saison spannend wie nie. Und die Revier-Vereine sind mitten drin.

Die Favoriten-Rolle will in der VL Westfalen II kein Team annehmen. Alle Klubs wollen nur "oben mitspielen". Der Auf- und Abstieg ist in dieser Saison spannend wie nie. Und die Revier-Vereine sind mitten drin.

Erkenschwick: Willkommen
Sportlich zeigt die SpVg-Kurve steil nach oben. Doch die Freude wird immer wieder durch Fan-Krawalle überschattet. Zwar waren die Anhänger nicht immer ausschlaggebend, dennoch beteiligt. Auf dem Platz sind die Kicker von Coach Michael Pannenbecker hingegen eine Macht. "Es läuft zur Zeit richtig gut", bestätigt der Trainer. Wenn auch noch das Umfeld wächst, ist ein schlafender Riese erwacht, der mit Sicherheit in der Oberliga herzlich Willkommen ist.

W. Herne: Schlagzeilen
Aus der unkollegialen "Schläger-Truppe" der vergangenen Serie hat Hernes Trainer Frank Schulz eine Einheit geformt. Die Westfalia sorgt immer noch für Schlagzeilen, aber für positive. "Hier entsteht etwas großes", leuchten Schulz die Augen. Indiz: Alle Mannschaften sind hoch motiviert, wenn es gegen den SCW geht. "Wir können auch das Spiel machen", bekräftigt der Ex-Profi. Auch wenn sich niemand offiziell äußert, eine Rückkehr in die vierte Liga ist Pflicht und im Bereich des Möglichen.

Oestrich: Gleichwertig
Die Sportfreunde lassen sich aus der Spitzengruppe nicht verdrängen. Wie jedes Jahr bieten die Oestricher den Top-Favoriten die Stirn und zählen selbst zum Dunstkreis. Übungsleiter Oliver Ruhnert: "Wir sind dicht dran und würden uns gegen den Aufstieg nicht wehren", unterstreicht Ruhnert seine Vorstellungen. Die Sauerländer sind in dieser Form ein gleichwertiger Gegner im Titelkampf des Dreigespanns.

Buer: Durchmarsch verboten
Der SSV Buer gehört zu den positiven Überraschungen der Liga. Der Aufsteiger legte einen furiosen Start hin und hält sich bis heute im Verfolger-Feld der Spitzengruppe. "Ich habe keine Mannschaft erlebt, die besser war als wir", freut sich Trainer Nuni Kucukovic darüber, dass seine junges Team trotz der Verluste der Führungsspieler Patrick Behrendt und André Krischak in der neuen Klasse für Aufsehen sorgt. Der Durchmarsch ist für die "Rothosen" allerdings verboten. "Die Oberliga können wir finanziell nicht stemmen", weiß SSV-Präses Norbert Bauer.

Hordel: Böses Erwachen
Anders vorgestellt. Mit fast der kompletten Oberliga-Mannschaft der letzten Serie sollte der direkte Wiederaufstieg eingefahren werden. Doch dann kam das böse Erwachen. Auch in der Verbandsliga wird so gut Fußball gespielt, dass es Niederlagen gegen vermeindliche "Underdogs" hagelte. Konsequenz: Graues Mittelfeld. "Das war anders gedacht", zuckt Manager Jörg Versen mit den Schultern. Doch zusammen mit Coach Sergio Allievi wird das Unternehmen "Viertliga-Rückkehr" noch nicht zu den Akten gelegt.

Horst: Schock im Herbst
Wirtschaftliche Sorgen bestimmen bei der STV Horst wieder einmal das Bild. Auf sportlicher Ebene läuft es indes gut. Trainer Peter Anders ist es gelungen, das von seinem Vorgänger Rüdiger Kürschners vorgelebte Konzept erfolgreich fortzusetzen. Die Arbeit mit jungen Spielern ging so lange gut, bis die Bombe platzte. Kürschners, seit Sommer Sportlicher Leiter, und Vorsitzender Hans Dietrich kündigten für das Ende des Jahres die Rücktritte von ihren Ämtern an. "Die Mannschaft hat das belastet. Schließlich ging auch die Diskussion los, ob wir die Spielzeit überhaupt beenden würden", kämpft Anders mit Problemen, die ihm zu Beginn seiner Tätigkeit nicht bewusst waren.

Schwerte: Zwei Gesichter
Zu Hause hui, auswärts pfui. So präsentieren sich die Schwerter in dieser Spielzeit. Letztes Jahr war es noch genau anders herum. Da fuhr der VfL die Zähler auf fremden Plätzen ein. "Vor unseren Zuschauern haben wir die Erwartungen erfüllt", macht Trainer Franz-Josef Kneuper deutlich. "Auswärts leider nicht. Insgesamt liegen wir fünf Zähler hinter meinen Erwartungen." Die Gründe für die zwei Gesichter: Die Verletzungsseuche. Schwerte wird mit dem Abstieg dennoch nichts zu tun haben.

SpVg Marl: Erbe
Phönix aus der Asche. Marls Trainer Karl-Heinz Völkel hat wahrlich kein leichtes Erbe angetreten. Finanziell sind dem Coach die Hände gebunden und der Name seines Vorgängers Holger Floßbach kreist immer noch am "Volkspark" umher. Doch Völkel lässt sich nicht beirren. Nach dem völligen Neuaufbau steht er mit seiner jungen Mannschaft besser da, als erwartet. "Eigentlich können wir zufrieden sein", schnauft Völkel tief durch.

Herten-L'bochum: Hektik
Die Vestischen waren als Titelaspirant gestartet, rasselten aber bis in die Gefahrenzone durch. Hektik kam auf, Trainer Hermann Erlhoff trat nach dem 0:5 gegen Horst zurück, musste sich sogar Fan-Beschimpfungen anhören. Talent Kaya, dessen Platzverweis-Anzahl in den vergangenen eineinhalb Jahren rekordverdächtige Züge annahm, wurde vor die Tür gesetzt. Neuer Hoffnungsträger ist jetzt Coach Holger Floßbach, der das Feuer der Leidenschaft beim offenbar lethargisch vor sich hindümpelnden SG-Kader wieder entfachen soll.

Iserlohn: Klartext
Der TuS hat überrascht. Coach Peter Potthoff hat aus einer zusammen gewürfelten Truppe eine Mannschaft geformt, die konkurrenzfähig ist. "Trotzdem spielen wir gegen den Abstieg", redet der Trainer Klartext.

H'limburg: Führungslos
Der Saison-Beginn hat die damals durch den erkrankten Coach Thomas Joachim führungslosen "Zehner" in ein Loch gestoßen. Auch Heilsbringer Horst Quade hat es bisher nicht geschafft, dem eigentlich konkurrenzfähigen Kader neues Selbstvertrauen einzuflößen. Es wird spannend bis zum Ende.

L'dreer: Kurzer Ausflug
Die Verbandsliga ist wohl doch eine Nummer zu groß für den Aufsteiger. Durch den "Last-Minute-Eingang" konnten keine echten Leistungsträger verpflichtet werden. Die nachverpflichteten Ex-Herner Marcel dos Santos und Marco Slupek können nicht zaubern. "Es wird verdammt schwer", weiß Trainer Ralf Fischer. Die Hoffnung ruhen auf der Winter-Wechsel-Periode. Kann man keine echten Knaller an Bord holen, war es ein kurzer Ausflug.

Autor: tr/hb/tt

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