Nur Platz 89 in der Weltrangliste - der österreichische Fußball ist vor der Partie gegen Deutschland an einem Tiefpunkt angekommen. Auch ÖFB-Teamchef Hans Krankl muss sich zunehmend Kritik gefallen lassen.

Der "Held von Cordoba" wackelt

er
17. August 2004, 12:37 Uhr

Nur Platz 89 in der Weltrangliste - der österreichische Fußball ist vor der Partie gegen Deutschland an einem Tiefpunkt angekommen. Auch ÖFB-Teamchef Hans Krankl muss sich zunehmend Kritik gefallen lassen.

Der österreichische Fußball-Bund (ÖFB) wird 100 Jahre alt, und für seine große Feier war die Wiener Staatsoper am Dienstagabend gerade gut genug. Nicht ohne Grund ist am Mittwoch (20.45 Uhr/live in der ARD) dann der dreimalige Welt- und Europameister Deutschland der Gegner im "Geburtstagsspiel": Das 3:2 gegen den Erzrivalen bei der WM 1978 gilt neben Rang drei bei der WM 1954 als größter Erfolg des österreichischen Fußballs.

Anfang vom Ende für Krankl?

Nicht allen ist freilich nach Feiern zumute. Für ÖFB-Teamchef Hans Krankl, Kultfigur und dank seiner damals zwei Treffer der ewige "Held von Cordoba", könnte eine Niederlage der Anfang vom Ende sein. Am 1. Februar 2002 wurde der frühere Weltklassestürmer beauftragt, das Nationalteam nach vorne zu bringen. Ehe der 51-Jährige übernahm, stand Österreich in der Weltrangliste mit Rang 17 (1999) mal so gut wie nie da. Mittlerweile ist mit Rang 89 ein historischer Tiefstand erreicht. Und im Mai 2002 gab es ein 2:6 - gegen Deutschland.

Die Schuld sucht Krankl am allerwenigsten bei sich selbst. Die Deutschen, erklärte er vor einer Woche, hätten die Entwicklung im Fußball verschlafen, und die Österreicher gleich mit, weil sie den Deutschen in den letzten 25 Jahren immer alles nachmachen wollten. In der Tat sind die Rahmenbedingungen miserabel: Österreichs erste Liga ist überschwemmt von zweitklassigen Ausländern; der Nachwuchs ist rar und tut sich schwer; von 14 potenziellen Nationalspielern in ausländischen Klubs haben nur wenige einen Stammplatz.

Schwere Hürden auf dem Weg zur WM 2006

Die Vorbereitung auf das Prestigeduell ist deshalb in erster Linie geprägt von gegenseitiger Ermutigung und jeder Menge Pathos. Krankl spricht wie immer von von Ehre und Stolz und behauptet: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken oder Angst haben." Martin Stranzl vom VfB Stuttgart glaubt zu wissen: "So einfach wie diesmal sind die Deutschen nicht zu schlagen. Und der ehemalige Wolfsburger Dietmar Kühbauer (33), unter Krankl erstmals nominiert, behauptet: "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, haben wir eine Chance."

Eine Prestigeerfolg wäre vor allem wichtig für Krankl, der vordringlich eine Mannschaft für die Euro 2008 im eigenen Land und in der Schweiz aufbauen soll und will, aber auch versichert, seine Mannschaft könne sich für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren. Die Gruppengegner England, Polen, Wales und Nordirland schrecken ihn dabei nicht ab. Diese Zuversicht ist einer der Gründe, warum Krankl in Österreich bisweilen Realitätsverlust nachgesagt wird. An seinem "Denkmal" blättert deshalb mittlerweile zusehends der Lack ab.

Autor: er

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