Der Fall Sebastian Deisler hat die Verantwortlichen beim DFB dazu veranlasst, über einen Psychologen für das Nationalteam nachzudenken. Teamchef Rudi Völler hält die psychologische Betreuung der Profis für sehr wichtig.

Völler denkt laut über einen Psychologen nach

bb
21. Dezember 2003, 14:24 Uhr

Der Fall Sebastian Deisler hat die Verantwortlichen beim DFB dazu veranlasst, über einen Psychologen für das Nationalteam nachzudenken. Teamchef Rudi Völler hält die psychologische Betreuung der Profis für sehr wichtig.

Schon bald könnte der Trainerstab um DFB-Teamchef Rudi Völler um einen Posten erweitert werden - den des DFB-Psychologen. Der Deutsche Fußball-Bunde will mit der Nationalmannschaft möglicherweise neue Wege gehen und erwägt die Hinzuziehung eines Psychologen zur Betreuung der Profis. "Die Brasilianer arbeiten schon länger mit einem Psychologen. Eigentlich gehört die seelische Betreuung zur Aufgabe des Trainers. Die Jungs können mich auch Tag und Nacht anrufen. Aber ich frage mich: Reicht das? Die größere Verantwortung liegt bei den Vereinen, die täglich mit ihren Profis zu tun haben", sagte der Völler der Bild am Sonntag und reagierte damit auf den Fall Sebastian Deisler. Der Mittelfeldspieler von Bayern München leidet unter Depressionen und befindet sich zur Behandlung im Münchner Max-Planck-Institut.

Auch DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder unterstützt dieses Vorgehen. "Das ist ein Thema, dass wir beim nächsten Treffen erörtern werden", sagte der Verbands-Chef unlängst: "Der Druck auf die Spieler wird immer größer. Für einige wäre deshalb der Einsatz eines Psychologen wirklich sinnvoll." Bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werde, wolle er aber mit den Spielern reden. Ein Psychologe mache nur Sinn, wenn die Kicker auch bereit seien, sich zu öffnen.

"Ballack ist bei uns der Fahnenträger"

Der Ausblick des Teamchefs auf das Jahr 2004 mit der Teilnahme an der Euro in Portugal (12. Juni bis 4. Juli) als Höhepunkt fällt indes eher verhalten aus: "Wir müssen uns steigern", sagte Völler. Die 0:3-Pleite gegen Europameister Frankreich hatte gezeigt, dass seine Mannschaft bei weitem nicht so ausgeglichen besetzt ist wie EM-Titel-Favorit Frankreich. Völler: "Wir haben keinen Henry oder Zidane. Die stehen in der französischen Mannschaft über allen. Michael Ballack ist bei uns der Fahnenträger, aber wenn er nicht in Topform ist, einer, der immer für ein Tor gut ist, dann wird es schwierig."

Völler zog allerdings trotz "gewisser Hänger" ein zufriedenstellendes Fazit der EM-Qualifikation, die der dreimalige Welt- und Europameister Deutschland als Gruppenerster vor Schottland und Island beendet hatte. "Wir haben die Gruppe am Ende souverän gewonnen und kein Spiel verloren. Trotzdem: Schottland und Island waren nicht die ganz großen Prüfsteine. Eine Topmannschaft ist eben Frankreich", sagte Völler.

Ailton wird nicht im DFB-Trikot stürmen

Kein Thema ist definitiv für den ehemaligen Italien-"Legionär" des AS Rom die Einbürgerung von Bundesliga-Top-Torschütze Ailton von Werder Bremen. Der Brasilianer hatte unlängst erklärt, es sei eine große Ehre für ihn, für Deutschland zu stürmen. "Er ist ein toller Junge, aber das passt nicht", meinte 43-jährige. Für Ailton habe sein Heimatland Priorität, ein internationaler Einsatz für Deutschland sei deshalb nur eine Notlösung für ihn.

Die Lacher auf seiner Seite hatte Völler am Ende der Journalisten-Talkrunde, als er zu seinem Titeltipp gefragt wurde. "Alle vier", antwortete der Teamchef angesichts des Vierkampfes zwischen "Herbstmeister" Werder Bremen, Titelverteidiger Bayern München, Bayer Leverkusen und von Vizemeister VfB Stuttgart.

Autor: bb

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