Nach Rudi Völler wehrt sich nun auch Bayern-Mittelfeldstar Michael Ballack gegen die Kritik von Fußball-Experte Günther Netzer. Der Ex-Gladbacher hatte Ballack vorgeworfen, nicht zum Führungsspieler geeignet zu sein.

Ballack wehrt sich gegen Netzer-Kritik

us
19. September 2003, 12:21 Uhr

Nach Rudi Völler wehrt sich nun auch Bayern-Mittelfeldstar Michael Ballack gegen die Kritik von Fußball-Experte Günther Netzer. Der Ex-Gladbacher hatte Ballack vorgeworfen, nicht zum Führungsspieler geeignet zu sein.

Günther Netzer steht derzeit mehr in der Kritik als ihm lieb sein dürfte. Nach DFB-Teamchef Rudi Völler mag nun auch Nationalspieler Michael Ballack die Expertisen des preisgekrönten Fußball-Kommentators nicht mehr hören - und holt zum Gegenangriff aus. "Jeder darf seine Meinung haben, und Günter Netzer ist darüber hinaus zweifelsohne ein ausgewiesener Fachmann, der für die Qualität seiner Kommentare ja außerdem den Grimme-Preis bekommen hat. Aber gerade deshalb kann ich doch davon ausgehen, dass er sich differenzierter äußert, als er das jetzt getan hat", sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler von Bayern München in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Ausgelöst hat das Unverständnis von Ballack die am Mittwoch erschienene Kolumne von Netzer in Sport-Bild. Darin urteilte der einstige Nationalspieler, der "Fußballer des Jahres" 2002 und 2003 sei "nicht prädestiniert" für die Rolle eines Führungsspielers. Als Begründung führte der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach, Real Madrid und Grasshopper Zürich an: Ballack "ist charakterlich nicht geeignet." Die Ursache dafür wiederum glaubt Netzer in der Herkunft des gebürtigen Sachsen zu erkennen: Ballack nehme sich vielleicht auch deshalb aus der Verantwortung, weil er in der DDR aufgewachsen sei: "Er begnügt sich in seiner Rolle, in der eigentlich mehr drin wäre."

Ballack: "Ich habe noch nie eine Führungsrolle abgelehnt"

Die Urteile und Schlussfolgerungen von Netzer kann Ballack nicht nachvollziehen. "Ich kann kaum verstehen, dass er das gesagt haben soll. Er hat mit mir noch nie geredet, er weiß nicht, was ich sage und tue, wie ich mich täglich verhalte, sei es nun bei Bayern München oder bei der Nationalmannschaft. Und trotzdem wirft er mir vor, ich sei charakterlich nicht für eine Führungsrolle geeignet. Er ist doch eigentlich intelligent genug, so etwas nicht zu sagen", so Ballack im sid-Gespräch. Zugleich stellte er klar: "Ich habe noch nie eine Führungsrolle abgelehnt, und ich habe auch noch nie etwas anderes gesagt."

Noch mehr verwundert haben dürfte Ballack, dass Netzer ihm das Beispiel von Bernd Schneider aus dem EM-Qualifikationsspiel vor gut einer Woche in Schottland (2:1) vorhielt: Schneider habe in diesem Spiel gemacht, was man von Ballack erwarte, lautete der Kommentar - auch Schneider ist allerdings in der DDR geboren. Auch Netzers Rat, von Teamkollege Kahn zu lernen und sich an ihm aufzurichten, "auch außerhalb des Platzes", dürfte Ballack eher unwillkommen sein. Das Privatleben des Kapitäns der Nationalmannschaft und des FC Bayern galt zuletzt nicht gerade als vorbildlich.

Autor: us

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