Die Spieler des MSV Duisburg in der Einzelkritik

tt
01. Januar 2007, 16:10 Uhr

Alexander Bugera, Iulian Filipescu, Christian Weber und "Mo" Idrissou sind beim MSV die "Dauerbrenner" der Hinserie. Notenbester bei den Stammspielern aber ist Keeper Georg Koch.

Alexander Bugera, Iulian Filipescu, Christian Weber und "Mo" Idrissou sind beim MSV die "Dauerbrenner" der Hinserie. Notenbester bei den Stammspielern aber ist Keeper Georg Koch.

Alexander Bugera (17 gewertete Einsätze/Notenschnitt: 3,06): Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo ihm unter Jürgen Kohler buchstäblich der Spaß am Fußball verloren ging. Blühte in der Hinrunde regelrecht auf, zeigte in der Defensive und im Mittelfeld, wo "Bugi" zunächst am Schwungrad drehte, vielversprechende Auftritte. Durch die Probleme im hinteren Bereich wieder zurückbeordert, löste auch diese Aufgabe souverän.

Julian Filipescu (17/3,47): Für Fans und Team-Kollegen zunächst die "große Unbekannte", doch der international erfahrene Haudegen (unter anderem Galatasaray Istanbul) bestach durch gutes Stellungs-Spiel, vorausschauendes Agieren und geschicktes Zweikampf-Verhalten. In der Ball-Verarbeitung mit dem einen oder anderen Schnitzer, in der Vorwärts-Bewegung erst zum Herbst/Winter mit klügeren Schachzügen und Einfällen.

Christian Weber (17/3,42): Kam von Greuther Fürth und eroberte sich auf Anhieb den Stammplatz auf der rechten Seite. Absolutes Kämpferherz, powert 90 Minuten, gräbt jeden Grashalm um. Gelegentlich etwas ungestüm im Zweikampf, doch unter dem Strich ein belebendes Element. Tut auch viel, um das Spiel anzukurbeln, wobei sein Pendant Bugera auf der linken Seite etwas effektiver arbeitet.

Mohammadou Idrissou (17/3,06): An ihm schieden sich vor der Saison etwas die Geister. Nach Knie-Problemen klappte die angedachte Verpflichtung im vergangenen Winter nicht, anschließend sprach Justitia ein Machtwort, Idrissou kam mit Verspätung, kündigte Großtaten exklusiv in RS ("25 Tore") an. Diese Marke bekam er fortan permanent um die Ohren geknallt, ging cool mit der anfänglichen Durststrecke um. Nach zahlreichen Pfosten-Treffern klappte es im achten Spiel mit einem Doppelpack gegen Fürth. Sechs Einschüsse stehen aktuell zu Buche, dazu sieben Vorlagen – kein schlechter Schnitt. Die wichtigste Erkenntnis für den schnellen Stürmer: Das Knie hält, er konnte bis zur letzten Partie gegen Ex-Club Hannover im Pokal (0:1) absolut Vollgas geben. Bisher in der Kategorie "Volltreffer" eingegliedert.

Georg Koch (15/2,8): Der Spielführer verletzte sich bei einer Parade gegen 1860 München (0:0) schwer an der Schulter, musste einige Wochen aussetzen. Anschließend mit dem zwei, drei ungewohnten Patzern, wie beim 5:3-Wirbel-Sieg über Greuther Fürth (Flanke unterlaufen) oder beim 1:1 in Burghausen (Flanken-Ball fallen gelassen). Zeigte trotzdem wieder, wie wertvoll er für die Duisburger Truppe ist, verhinderte gegen Kaiserslautern ein frühes, wahrscheinlich vorentscheidendes, 0:2. Im Derby bei Rot-Weiss Essen mit einigen Glanztaten, dazu beim knappen Pokal-Aus in Hannover vehement unter Beschuss. Sensationell, wie er aus drei Metern den wuchtigen Kopfball von Thomas Brdaric entschärfte.

Björn Schlicke (15/2,87): Der ehemalige Kölner avancierte sofort zur Stammkraft in der Verteidigung, nachdem ihm bei den "Geißböcken" vor Jahresfrist die Lizenz zum Spielen entzogen wurde. Anfangs noch etwas unpräzise bei hohen Bällen, doch von Woche zu Woche immer stabiler. Gefährlich bei Standards vor dem gegnerischen Kasten, nach eigenem Bekunden ein Typ "für die rohe Gewalt". Legte mit drei Toren (Burghausen, Karlsruhe, Augsburg) eine durchaus eindrucksvolle Quote hin. In Sachen Spiel-Eröffnung wählte der Familienvater allerdings zu häufig die Langholz-Option.

Youssef Mokhtari (15/3,13): Der Marokkaner wurde in Köln vom gleichen Schicksal, wie Björn Schlicke ereilt, spielte dort keine Rolle mehr in der Profi-Truppe. Mit dem Wechsel nach Duisburg änderte sich das Bild, "Mokhi" entfaltete seine Qualitäten unter Rudi Bommer, den er schon aus Burghausen kennt, voll. Schlüpfte sofort in die Rolle der Schaltzentrale, übernahm Verantwortung, biss trotz Oberschenkel-Problemen oft auf die Zähne. Zum Schluss blockierte der Rücken, deswegen musste der Standard-Spezi passen. Ein Pokal- und vier Meisterschafts-Tore stehen zu Buche, dazu sieben Mal in der Rolle des Assist-Gebers. Der Begriff "Gefahrenherd" passt optimal.

Klemen Lavric (13/3,08): Pendelte zwischen Stamm-Formation und Joker-Rolle, teils mit richtig starken Auftritten (Aue, Karlsruhe), mitunter aber auch gar nicht zu sehen (Braunschweig, München). Müsste sein zweifellos vorhandenes Potenzial noch vehementer abrufen, mehr Konstanz an den Tag legen, dann dürfte an einer regelmäßigen Nominierung nichts vorbeiführen. Die Statistik belegt anhand von sechs Treffern und zwei Vorlagen seine Qualität in vorderster Front, zudem entwickelte er sich gegen Bayer 04 Leverkusen zum Pokal-Helden, als er in der Verlängerung zum 3:2 einnetzte.

Mihai Tararache (11/3,73): Immerhin kam der Rumäne auf eine zweistellige Spiel-Anzahl. Handelte sich in Karlsruhe – sicherlich ein hitzig geführtes Top-Match – unnötig die Rote Karte wegen Schiedsrichter-Beleidigung ein. Später folgte ein als Notbremse ausgelegtes Vergehen in Burghausen – die zweite dunkelrote Hinausstellung. Zuhause gegen Paderborn folgte eine Ampelkarte wegen wiederholten Foulspiels – sicher kein Ruhmesblatt für einen Mann seiner Klasse. Im Duisburger Mittelfeld wirkt er längst nicht so effektiv, wie in seinem ersten halben Jahr in der Bundesliga-Rückrunde. Bleibt zu hoffen, dass er sich nach ein paar Monaten an das Unterhaus gewöhnt hat und intelligenter auftritt.

Markus Kurth (9/3,44): Teils als Spitze, teils im Mittelfeld berücksichtigt. Mit drei Toren und einem Assist unterstrich der selbsternannte "Opa der Offensiv-Abteilung" seinen Stellenwert für die Zebras. Nach wie vor ein Vorbild, was Kampfkraft, Drecksarbeit und Einsatzwillen anbelangt.

Ivica Grlic (9/3,33): Als einer der Führungsspieler mit relativ mäßiger Einsatzquote. Zwischenzeitlich fehlte er angeschlagen, in einer Partie ließ ihn der Linien-Chef draußen, weil die Trainings-Leistung nicht wunschgemäß ausfiel. Beim 4:0 gegen Carl Zeiss Jena ballerte er ein Traumtor aus 25 Metern ins Netz, beim Pokal in Ahlen (2:1) schoss er die Zebras per Freistoß in Führung. Muss in der Rückserie sicherlich dominanter auftreten, das Mittelfeld-Heft noch stärker an sich reißen.

Adam Bodzek (8/3,13): Erzielte im letzten Punkt-Spiel vor der Pause bei RW Essen per Kopf das Führungs-Tor. Insgesamt eine zuverlässige Allzweckwaffe in Abwehr und Mittelfeld, kann ohne weiteres von Coach Bommer gebracht werden. Gutes Zweikampfverhalten, mitunter zündende Ideen in der Vorwärts-Bewegung, auf lange Sicht sicherlich ein Stammplatz-Kandidat, zumal er seinen Status stets realistisch einschätzt.

Marco Caligiuri (7/3,86): Durch die unterbrochene Sommer-Vorbereitung war der Start für ihn schwierig, doch beim Duell in Fürth zeigte er, zu welchen Taten er fähig ist. Steuerte zwei Treffer zum Sieg bei, nachdem er eingewechselt wurde. Das Spiel in Köln war mit Licht und Schatten symptomatisch für den Saison-Verlauf, trotzdem dürfte er aufgrund seiner Dynamik und technischen Voraussetzungen noch für Paukenschläge sorgen. Voraussetzung: Eine komplette Vorbereitung und eine Rückrunde ohne Verletzungspech.

Stefan Blank (6/3,17): Der ehemalige Pfälzer erzielte für den MSV das erste Tor in der neuen Saison, traf beim 2:1 gegen TuS Koblenz. Auf der linken Schiene ein absolutes Power-Paket, mit starken Zweikampf-Sequenzen und viel Energie in der Vorwärts-Bewegung. Durch eine Thrombose im Knie, die voraussichtlich auch die Teilnahme am Trainingslager in Portugal zunichte macht, konnte er nur ein Drittel aller Partien absolvieren.

Tobias Willi (4/3,5): Eigentlich hatte man dem früheren Freiburger Rohdiamanten mehr Spielfeld-Präsenz zugetraut, doch im dichten Konkurrenz-Kampf konnte der Dauerrenner nur ab und zu Start-Tickets ergattern. Seinen besten Auftritt zeigte "Willliiii" ausgerechnet gegen die alten Freiburger Team-Kollegen (Führungs-Tor!). Muss in der zweiten Halbserie deutlich mehr auf das Gaspedal treten, um seine Ansprüche geltend zu machen.

Markus Daun (3/2,33): Das Verletzungs-Pech schlug bei ihm gleich mehrmals zu, fiel unter anderem wegen Rippen-Problemen aus. Anfangs nur als Sturm-Alternative eingewechselt, zum Schluss öfter dabei und dabei mit Ausrufezeichen: Riesen-Aufritt mit zwei Toren in Köln, dann Schütze des wichtigen 1:1 gegen Paderborn.

Quido Lanzaat (3/3,0): Die Duisburger Nachverpflichtung fügte sich nahtlos in den Abwehr-Verband ein, zeigte unter anderem im Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen eine ausgezeichnete Vorstellung. Auffällig geschicktes Stellungs-Spiel, dazu taktisch clever: Könnte in der Restrunde noch zu einer wichtigen Alternative werden.

Carsten Wolters (2/3,5): Zunächst musste er sich damit begnügen, gute Trainings-Leistungen bescheinigt zu bekommen, dann erhielt er "grünes Licht" beim 3:0 gegen Augsburg, lieferte eine überzeugende Leistung als "Außenminister" ab. Dann kam das unsägliche Braunschweig-Spiel, in dem er zunächst einen Elfmeter verursachte, anschließend auch noch meckerte und vom Platz flog. Ein Ausraster, der ihn wahrscheinlich auch zum Jahreswechsel noch kräftig wurmen wird.

Nils-Ole Book (2/3,5): Mit großen Vorschuss-Lorbeeren als eines der vielversprechendsten Talente nach Duisburg gekommen, aber offensichtlich durch das Freigabe-Gezeter mit Ex-Club Ahlen etwas aus dem Tritt gekommen. Blieb bisher noch den Beweis schuldig, mehr als eine Ergänzung werden zu können.

Sven Beuckert (2/3,5): Als sich Stamm-Keeper Georg Koch verletzte, sprang der ruhige Ex-Berliner ein – und produzierte beim 0:1 in Rostock einen dicken Patzer, als ihm ein Ball versprang und es anschließend Strafstoß gab. Danach gegen Freiburg mit einem ordentlichen Auftritt.

Autor: tt

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