Bochum: VfL-Fans rüsten zur Aufstiegsfeier

gp
31. März 2006, 10:05 Uhr

Sieben Spieltage vor dem Saisonende besitzt der VfL einen beruhigenden Vorsprung von neun Punkten zu einem Nicht-Aufstiegsplatz. Zudem bedeutet das beste Torverhältnis quasi einen weiteren Zähler.

Sieben Spieltage vor dem Saisonende besitzt der VfL einen beruhigenden Vorsprung von neun Punkten zu einem Nicht-Aufstiegsplatz. Zudem bedeutet das beste Torverhältnis quasi einen weiteren Zähler. Und so rüsten zumindest die Anhänger der Blau-Weißen so langsam zur Aufstiegsfeier.
So hat die Fangruppe "Ultras" bereits damit begonnen die Mauer hinter der Osttribüne mit frischer Farbe zu bearbeiten, damit es zur Party auch außerhalb des Stadiongeländes bunt und fröhlich zugeht. Doch solche Aktionen gehen in diesen Tagen an Trainer Marcel Koller völlig vorbei. Der will die Saison so schnell wie möglich mit dem Aufstieg krönen. Was der Schweizer tatsächlich noch bis zum Saisonende vorhat, verrät ein ebenfalls buntes Plakat in der Mannschaftskabine. Dort steht die Zahl 65 Punkte. Und um dieses Ziel zu erreichen, müsste der VfL von 21 möglichen Zählern noch 13 erobern. Den Anfang dazu können die Bochumer schon morgen Abend machen. Im Hermann-Löns-Stadion wird das Team gegen Paderborn klar auf Sieg spielen. Schließlich gibt es noch eine kleine Serie, die Koller und seinem Team noch immer ein Dorn im Auge ist. Drei Mal trat der VfL in der laufenden Spielzeit bei einem Aufsteiger an: Beim 0:0 in Braunschweig, beim 0:0 in Offenbach und beim 0:3 in Siegen blieb der VfL ohne Sieg und ohne Torerfolg. Koller: "Das ist Zufall, auf so etwas schaue ich nicht." Doch nachdem im letzten Heimspiel gegen Braunschweig überhaupt der erste Dreier gegen einen Aufsteiger gelang, darf man davon ausgehen, dass Zdebel und Co. morgen nichts anderes als einen Erfolg eingeplant haben.
Den gab es auch am vergangenen Montag. Gestützt von einer Abwehr, die in 27 Spielen 18 Mal ohne Gegentreffer blieb, spielte der VfL im Breisgau recht souverän und erzielte durch Tommy Bechmann (64.) auch den entscheidenden Treffer. Koller: "Natürlich ärgere ich mich über den Linienrichter, der hatte freie Sicht, musste eigentlich sehen, dass der Treffer kein Abseits war. Wir wollten dort gewinnen und haben es eigentlich auch."
Rund 2.500 Zuschauer werden den VfL nach Ostwestfalen begleiten, und sie werden gegenüber dem letzten Auswärtsspiel in Freiburg wohl ein Team sehen, das zumindest auf zwei Positionen verändert wird. Thomas Rathgeber und Dennis Grote, die auf den Außenbahnen agierten, konnten sich am Montag-Abend nicht so in Szene setzen, wie bei ihren letzten Einsätzen. Die Folge: Daniel Imhof, der zum ersten Mal in einem Pflichtspiel fehlte, kehrt ebenso ins Mittelfeld zurück wie auf der anderen Seite Filip Trojan, der nach einem Leistenbruch nun wieder seit anderthalb Wochen im Training ist. Koller: "Ich weiß aber nicht, ob er schon 90 Minuten durchhält." Ob es weitere Veränderungen geben wird, darüber schwieg sich der Cheftrainer gestern aus. Doch wer in Freiburg genau hin schaute, dem fiel auf, dass mit der Hereinnahme von Fabio Junior in den letzten 17 Minuten das Offensivspiel neu belebt wurde, während Edu zuvor, sieht man einmal von dem genialen Pass vor dem Bechmann-Treffer ab, doch große Schwierigkeiten hatte, sich entscheidend zu empfehlen. So scheint sein Landsmann Junior vor dem Auftritt in Paderborn die Nase vorn zu haben.
Dass Koller die Abwehr, die bei den starken Freiburgern souverän stand, zu Gunsten von Drsek verändern wird, ist eher unwahrscheinlich. Der Tscheche muss sich eher ein weiteres Mal gedulden. Die Vorbereitung des VfL auf die Partie verlief ziemlich gestrafft. Schließlich kehrte der VfL erst am Dienstag-Mittag aus dem Breisgau zurück. Nach dem Auslauftraining wurden die Stammspieler gestern bei einer leichten Übungseinheit geschont. Koller: "Das Remis war sehr intensiv. Außerdem muss ich berücksichtigen, dass der SC schon am Freitag gespielt hat und damit drei Tage in Sachen Regeneration gewonnen hat." Weil die Zeit drängt, hat Koller auch auf eine Video-Analyse verzichtet: "Da gab es nicht viel zu sagen." Stattdessen hat sich der 45-Jährige lieber dem Gegner gewidmet. Nach Studium der Partie Paderborn – 1860 München und Braunschweig – Paderborn stellte Koller fest: "Die Euphorie ist ein wenig gewichen. Außerdem hatten sie den ein oder anderen angeschlagenen Spieler, dessen Ausfall sie nur schwer kompensieren konnten." Deshalb glaubt der Coach, dass das Spiel vom Tempo her nicht so intensiv wird wie in Freiburg: "Zum Leichtsinn verführt uns das aber nicht."
Damit ist der Ex-Kölner gut beraten, denn schließlich hatte der VfL noch nie einen Meisterschaftseinsatz der Profis in Paderborn, doch dafür konnten die Lizenzspieler schon von so mancher Pleite in Testbegegnungen berichten. Drei Jahre hintereinander trat der VfL in der Sommervorbereitung beim damaligen Regionalligisten an, drei Mal gab es eine unerwartete Klatsche. Nur gut, dass sich nur noch ganz wenige Akteure aus dem aktuellen Kader an diese Negativ-Serie erinnern können.
Auf besondere Beachtung darf sich Rene Müller freuen. Der Ex-VfLer, der in Bochum nie den Durchbruch schaffte, ist laut Koller "einer der wichtigsten Akteure bei Paderborn", und steht nach abgelaufener Gelbsperre schon hochmotiviert in den Startlöchern.

Autor: gp

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