Im "Geisterspiel" wird der "Herbstmeister" gesucht

26. Januar 2004, 10:03 Uhr

Auf dem Tivoli kommt es heute unter Ausschluss der Fans zum Wiederholungsspiel zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Nürnberg. Beide Klubs können mit einem Sieg "Herbstmeister" der zweiten Bundesliga werden.

Auf dem Aachener Tivoli kann der Sieger der Partie heute inoffizieller "Herbstmeister" der zweiten Bundesliga werden - auf den Jubel der Fans müssen die Spieler allerdings verzichten. Insgesamt nur rund 150 Personen werden bei der Neuauflage des Skandalspiels zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Nürnberg (20.15 Uhr/live im DSF und bei Premiere) vom 24. November (1:0) auf dem Tivoli für ein wahrlich gespenstisches Szenario im ersten "Geisterspiel" der deutschen Fußball-Geschichte sorgen.

Sicherheitsstufe eins

Das erste Duell, in dem Club-Trainer Wolfgang Wolf durch ein Wurfgeschoss am Kopf getroffen wurde und seine Mannschaft in den letzten 19 Minuten nicht mehr betreuen konnte, hatte noch vor 15.915 Zuschauern stattgefunden. Diesmal wird nach den Vorgaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) jeder namentlich erfasst. Es herrscht Sicherheitsstufe eins. 40 abgezählte Personen pro Verein (inklusive Spieler), die Schiedsrichter, ausgewählte Medienvertreter (50 Reporter, 16 Fotografen plus Fernseh-Kommentatoren und Kameraleute) Sicherheits- und Sanitätsdienst, Stadionsprecher, Techniker zwei Würstchenverkäufer und Toilettenpersonal sind zugelassen. Ein Sonderfall ist DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun (78). Er ist Aachener und wird mit einer Ausnahme-Genehmigung wie gewohnt auf einem Bänkchen neben dem Spielertunnel Platz nehmen.

500 Ordnungskräfte, doppelt so viel wie bei einem normalen Heimspiel, sollen die Austragung garantieren. Der Mannschaftsbus des Clubs wird von Nürnberg bis Aachen eskortiert, die Trainingszeiten der Franken blieben ebenso geheim wie der Aufenthaltsort. "Wir können es uns nicht leisten, dass noch einmal etwas passiert", meinte Aachens Geschäftsführer Bernd Maas. Allerdings klagt er auch über die teilweise offenbar übertriebenen DFL-Auflagen. Die verhinderten zur Verärgerung der Alemannen-Fans unter anderem eine Live-Übertragung der Begegnung auf eine Großleinwand auf dem Sportflugplatz Merz Brück.

Ohnehin fühlen sich die Aachener Fans durch die Entscheidung um den Sieg im November betrogen. "Die drei Punkte, die wir sportlich fair gewonnen haben, wollen wir uns wiederholen", verspricht Coach Jörg Berger. Und wenn der aktuelle Tabellenführer Rot-Weiß Oberhausen schon T-Shirts mit dem Aufdruck "Herbstmeister" habe herstellen lassen, dann werde man sich wundern. Auch Berger kritisiert die Neuansetzung und die DFL: "Wir sind die Ersten, die so bestraft werden. An uns wurde ein Exempel statuiert." Das DFB-Sportgericht war nämlich der Auffassung, Fußball-Anhänger müssten wissen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet werden kann. Ähnliche Vorfälle wie der Feuerzeugwurf gegen Christian Hochstätter 1988 in der Begegnung Karlsruher SC gegen Borussia Mönchengladbach oder die Golfball-Attacke 2000 gegen Oliver Kahn bei der Partie SC Freiburg gegen Bayern München wurden mit einem Wiederholungsspiel beziehungsweise einer 75.000-Mark-Strafe gegen Freiburg geahndet.

"Wir wollten eine Wiederholung auf neutralem Platz. Die Einnahmen hätten für einen guten Zweck gespendet werden können", meinte Club-Trainer Wolfgang Wolf, "Punkte am grünen Tisch wollten wir auf keinen Fall." Die Spieler sehen dem ersten - allerdings außergewöhnlichen - Punktspiel gelassen entgegen. Dazu Aachens Routinier Ivica Grlic: "Was heißt Geisterspiel? Das ist für mich nichts Besonderes. Ich habe zuvor unter anderem bei Fortuna Köln gespielt, da waren nie viel mehr Zuschauer."

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