Zum achten Mal finden aktuell die Gay Games statt, die Olympischen Spiele für Homosexuelle. Seit dem vergangenen 
Wochenende messen sich die Sportler in Köln.

Gay Games

Mitten drin im Gay Games-Fieber

07. August 2010, 10:07 Uhr

Zum achten Mal finden aktuell die Gay Games statt, die Olympischen Spiele für Homosexuelle. Seit dem vergangenen
Wochenende messen sich die Sportler in Köln.

Wie bei den Olympischen Spielen treten die Sportler dabei in verschiedenen Disziplinen an. Unter anderem stehen Wettbewerbe im Badminton, Fußball, Feldhockey oder Schwimmen auf dem Programm.

Auch Tennis wird gespielt. Ton van Deursen (46) tritt für Deutschland im Teilnehmerfeld „Men B“-Einzel sowie im Doppel an. Der gebürtige Niederländer, der seit 13 Jahren in Deutschland lebt und hier seine zweite Heimat gefunden hat, ist bei den Gay Games kein Unbekannter. Bereits 1998 nahm van Deursen schon einmal teil, erlebte damals die beeindruckende Atmosphäre in Amsterdam.

„Schon damals war es eine ganz tolle Sache, dort mitzumachen. Seitdem verfolge ich die Gay Games und ich wusste, dass sie wieder nach Europa kommen werden. Als ich gehört habe, dass diesmal Köln der Austragungsort ist, wollte ich sofort wieder teilnehmen“, erzählt der sympathische Niederländer, der für die Herren-40-Mannschaft der TSG Westhofen in der 1. Bezirksklasse aufschlägt.

Seit 1982 finden die Gay Games alle vier Jahre als Alternative zu den Olympischen Spielen statt. Auch wenn es der Name anders vermuten lässt: Zur Teilnahme sind alle Sportler aufgerufen, unabhängig von sexueller Orientierung, sportlicher Leistungsfähigkeit, Alter, Geschlecht, oder Nationalität. Dabei repräsentieren die Teilnehmer nicht ihre Herkunftsnation, sondern ihren aktuellen Wohnort und das Land, in dem sie leben.

Van Deursen geht also für Deutschland an den Start und ist seit dem Beginn der Spiele mit 12.000 Teilnehmern am vergangenen Wochenende mitten drin im Gay Games-Fieber. Und das, obwohl die Olympiade für ihn mit einem kleinen Wermutstropfen startete. Der positive Effekt der groß angekündigten Eröffnungsfeier im RheinEnergieStadion in Köln, zu der auch Bundesaußenminister und Schirmherr der Spiele Guido Westerwelle zugegen war, verpuffte – und das nicht nur aus Sicht des Niederländers. Gerade einmal 5000 Karten wurden verkauft, das Stadion wirkte auf die Athleten ziemlich leer.

„Trotzdem war es ein tolles Gefühl dort mit allen Aktiven einzulaufen. Ich hätte mir nur einfach etwas mehr Glamour für diese Veranstaltung gewünscht“, beschreibt van Deursen das Szenario. Voll auf seine Kosten kam der 46-Jährige dann allerdings am vergangenen Sonntag. Auf der Anlage des TC Weiden schlug van Deursen auf und erlebte eine fantastische Stimmung. „Das war wirklich herausragend. Allein für mich waren an die 20 Leute gekommen und haben mich angefeuert. Die Anlage war super präpariert und die Zuschauer haben für eine tolle Atmosphäre gesorgt“, erinnert sich der Niederländer gerne zurück.

Zwar verlor van Deursen sein Auftaktspiel ausgerechnet gegen einen der anderen fünf gebürtigen Niederländer aus dem 90-köpfigen Teilnehmerfeld. Doch die 3:6, 3:6-Niederlage wurmte ihn nur kurz. „Ich bin natürlich schon enttäuscht, aber wie herzlich und locker die Sportler miteinander umgehen, das ist schon einmalig“, gewann die Freude über die Teilnahme an einem so großen Sportereignis schnell wieder Oberhand.

Der Charakter einer den Olympischen Spielen vergleichbaren sportlichen Großveranstaltung wird bereits bei einem Blick auf das Teilnehmerfeld der Gay Games deutlich. Insgesamt 12.000 Sportler nehmen an den Wettkämpfen teil, an den letzten Spielen in Chicago 2006 waren es Menschen aus 70 Nationen. Auch in Köln tumeln sich Sportler aus Neuseeland, den USA, Australien oder Indonesien.

So tritt für van Deursen neben dem sportlichen Messen ein wichtiger anderer Grund für die Teilnahme an den Spielen in den Vordergrund. Getreu dem Motto der diesjährigen Spiele “Be part of it!“ freut sich van Deursen auf den Kontakt und Austausch mit Menschen aus anderen Nationen und Kulturkreisen. „Es ist hier wirklich wie bei einer großen Familie. Klar, der Ehrgeiz ist da, aber es gibt auch mal Komplimente für einen gut getroffenen Ball des Gegners. Von dieser gelösten Stimmung werden alle angesteckt, und das gefällt mir sehr gut“, berichtet van Deursen.

Auch seine zahlreichen Wegbegleiter staunten nicht schlecht über die lockere Atmosphäre am Tenniscourt. Trotz seiner Niederlage zum Auftakt bestritt der Niederländer in dieser Woche ein weiteres Spiel in der Trostrunde des Turniers.

Die tollen Tage haben van Deursen Lust auf eine weitere Teilnahme gemacht. Der Weg nach Cleveland in den USA, wo 2014 die nächsten Gay Games stattfinden, wäre zwar ungleich weiter als nach Köln, doch van Deursen will sich die Möglichkeit einer weiteren Teilnahme offen halten. „Ich bin ein USA-Fan und wer weiß, vielleicht kann ich dann wieder mit dabei sein“, würde sich der dann 50-Jährige über eine erneute Teilnahme freuen. Wer will es ihm bei so vielen bleibenden Eindrücken verdenken.

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