Slomka setzt im Titelrennen auf Lincoln

23. Januar 2007, 11:16 Uhr

Die brisanteste Frage beim Bundesliga-Zweiten Schalke 04 stellt sich für Mirko Slomka gar nicht.

Die brisanteste Frage beim Bundesliga-Zweiten Schalke 04 stellt sich für Mirko Slomka gar nicht. Für den Trainer des Titelaspiranten ist der zuletzt umstrittene Spielmacher Lincoln im Rennen um die erste deutsche Meisterschaft seit 1958 gesetzt. `Im Vollbesitz seiner Kräfte ist er ganz wichtig für unser Spiel und für unseren Erfolg´, betonte der Fußball-Lehrer vor dem Rückrundenstart: `Er gehört eigentlich immer zur ersten Elf.´ Der Brasilianer, der in der Vergangenheit als unersetzlich galt, war zum Ende der Hinrunde in die Diskussion geraten. Als er verletzt pausierte, eilte Schalke von Sieg zu Sieg, schoss sich aus der Krise und zog mit Spitzenreiter Werder Bremen gleich. Als Lincoln sich wieder zurückmeldete, schien plötzlich kein Platz mehr für den Ballzauberer. Slomka wollte ihn wieder einbauen, doch die Bindung zu den Mitspielern fehlte noch, es gab sogar Pfiffe gegen den einstigen Liebling.

`Das hat weh getan´, gab der sensible Brasilianer zu. Ohne Lincoln setzte Slomka auf ein 4-3-3-System mit drei defensiven Mittelfeldspielern und zwei sehr offensiven Außenverteidigern. Das Spiel nach vorne lief plötzlich viel schneller als mit dem Brasilianer, der gerne jeden Ball fordert und oft das Tempo herausnimmt. Weil Lincoln nicht so recht ins Erfolgssystem der Hinrunde passt, nutzte Slomka die Vorbereitung auf die Rückrunde, um andere Varianten einzustudieren. Beim 2:1 im letzten Test gegen den russischen Erstligisten Zenit St. Petersburg ließ er im 4-4-2 spielen, `weil wir taktisch flexibler sein wollen´. Bei vier Mittelfeldspielern wäre auch Platz für Lincoln, außerdem sei man dann nicht so leicht auszurechnen, meinte Manager Andreas Müller. `Viele Gegner wissen, wie wir in der Hinrunde aufgetreten sind´, sagte der Ex-Profi, `deshalb ist es wichtig, dass wir Waffen dagegen entwickeln und schnell unser System umstellen können.´ Die Mannschaft müsse sich in beiden Systemen wohlfühlen, und Lincoln, so Müller, könne auch mit drei Stürmern spielen: `Dann müssen ihn zwei Sechser absichern.´

Beim Unternehmen Titelgewinn, das für die Schalker am Samstag (15.30 Uhr/live bei arena) bei Eintracht Frankfurt weitergeht, hält Müller den Brasilianer aber ebenso wie sein Trainer für unersetzlich. `In Topverfassung kann er Spiele alleine entscheiden´, sagte der Manager, `und er ist körperlich sehr gut in Schuss.´ Umstellen muss sich in der Rückrunde aber nicht nur der Rest der Mannschaft, sondern auch Lincoln selbst. Mehr Tempo fordern Trainer und Manager unisono von ihm - und sehen ihn auf dem richtigen Weg. `Er ist nicht mehr so lange am Ball und spielt schneller´, meinte Müller, und Slomka ergänzte: `Das Tempo ist deutlich höher in seinen Bällen.´ Lincoln selbst, der nach eigener Einschätzung `keiner für die Bank´ ist, will mithelfen, dass der Traum von der achten deutschen Meisterschaft endlich Realität wird. `Ich will diesen Titel´, sagte der Mittelfeldstar, er habe keinen Bock mehr, Zweiter zu werden. Und auf der Ersatzbank zu sitzen, erst recht nicht.

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