"Fohlen" fahren mit wackligen Knien nach Bochum

pst1
15. Dezember 2006, 08:59 Uhr

Das Rezept für ein fröhliches Weihnachtsfest ist vor dem direkten Duell heute (20.30 Uhr) in Bochum wie auch in Mönchengladbach gleich: Nur nicht verlieren.

Die Ausgangslage vor dem Keller-Duell zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach zum Auftakt des letzten Hinrunden-Spieltages am Freitag (20.30 Uhr/live bei arena) könnte für beide Klubs klarer kaum sein: Der Verlierer überwintert auf einem Abstiegsplatz. Doch vor allem für Trainer Jupp Heynckes und die Borussia, die erstmals seit der Abstiegssaison 1998/99 über Weihnachten wieder auf einem der letzten drei Plätze stehen könnte, scheint die Lage besonders prekär.

Während bei den Bochumern nach zuletzt zwei Heimsiegen und guten Leistungen bei den unglücklich verlorenen Auswärtsspielen gegen Schalke 04 (1:2) und dem VfB Stuttgart (0:1) Aufbruchstimmung herrscht, sind die auswärts in der laufenden Saison noch immer sieglosen Gladbacher der Verzweiflung nah. Drei Punkte und vier Tore aus den letzten neun Spielen ohne Sieg, dazu die Pokalniederlage beim Regionalligisten VfL Osnabrück, sprechen Bände.

Heynckes´ Situation immer schwieriger

"Es ist eine Situation, die wir alle nicht haben wollten", sagte Heynckes, der sich über die auch für ihn prekäre Situation völlig im Klaren ist: "Jetzt fokussiert sich alles auf den Trainer. Ich mache alles, damit wir wieder besser Fußball spielen."

Zu den Maßnahmen gehört auch die Suspendierung von U21-Nationalspieler Marvin Compper, den Heynckes aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader strich. Auslöser für den Schritt ist die Kritik des 21-Jährigen am Trainer nach dem 1:1 gegen den Tabellenletzten FSV Mainz 05 am vergangenen Samstag.

Bei einem weiteren Rückschlag gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten würden die Diskussionen um "Don Jupp", der nach wie vor zumindest offiziell die Rückendeckung von Sportdirektor Peter Pander genießt, auch in der Winterpause weitergehen. Doch selbst ein freiwilliger Rückzug von Heynckes scheint im Falle einer weiteren Pleite möglich. Pikanterie am Rande: Nach dem bislang letzten Auftritt der Gladbacher in Bochum am 26. Oktober 2004 (0:3) musste der damalige Trainer Holger Fach seinen Stuhl räumen.

10.000 Gladbacher kommen mit nach Bochum

Heynckes gibt zu, dass die Situation nicht spurlos an ihm vorübergeht. "Borussia ist für mich nicht irgendein Verein, ich bringe totale Identifikation mit", sagte der 61-Jährige dem kicker. Auch die Borussia-Fans sind trotz der erbärmlichen Vorstellung ihres Klubs beim 1:1 gegen den Tabellenletzten FSV Mainz 05 weiter mit Herzblut bei der Sache. In Bochum werden 10.000 Anhänger der "Elf vom Niederrhein" erwartet.

"Wir müssen so gut spielen, dass die Fans uns unterstützen und man die Gladbacher nicht hört", lautet das einfache Rezept von Bochums Trainer Marcel Koller gegen drohende Auswärtsspiel-Atmosphäre im eigenen Stadion.

Die VfL-Profis sehen als entscheidenden Vorteil, dass sie im Gegensatz zu ihren Gladbacher Kollegen seit Beginn der Saison im Abstiegssumpf stecken. "Uns haut so leicht nichts mehr um", meinte Kapitän Thomas Zdebel, und Abwehrspieler Pavel Drsek fügte hinzu: "Gegen Gladbach ist es für uns ein Sechs-Punkte-Spiel - genau wie jedes andere auch."

Einzige Sorge der Bochumer: Der in den letzten fünf Spielen viermal erfolgreiche Zvjezdan Misimovic hat erneut Probleme mit der Wade. Hinter dem Einsatz des Bosniers steht ein kleines Fragezeichen. Bei den Gladbachern sitzt nach mehrwöchiger Verletzungspause Stürmer Oliver Neuville wohl zunächst auf der Bank. Sein Nationalmannschaftskollege Marcell Jansen fehlt nach einer Knieoperation weiterhin.

Autor: pst1

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