Zum Sieg gegen den VfB Stuttgart trug Sebastian Deisler nichts mehr bei.

Sebastian Deisler: Die ersten Schritte des ewigen Patienten

19. November 2006, 10:52 Uhr

Zum Sieg gegen den VfB Stuttgart trug Sebastian Deisler nichts mehr bei.

Zum Sieg gegen den VfB Stuttgart trug Sebastian Deisler nichts mehr bei. In der 3. Minute der Nachspielzeit eingewechselt, kam der ewige Patient beim 2:1 (2:1) der Bayern im 79. Südderby in knapp 30 Sekunden nur noch auf zwei Ballkontakte. Doch als Schiedsrichter Michael Weiner die Partie abpfiff, riss der 26-Jährige als Erster die Arme hoch und jubelte derart ausgelassen, als hätte sein Klub gerade die 21. Meisterschaft perfekt gemacht. Die ersten Aktionen in einem Pflichtspiel nach 259 Tagen oder über acht Monaten Verletzungspause waren für Sebastian Deisler eine Erlösung. `Es war etwas Besonderes, nach so langer Zeit wieder in der Arena sein zu dürfen und ein Spiel zu spielen. Das ist für mich eine Riesenfreude´, sagte er später.

In der Bundesliga hatte er seit dem 4. März nicht mehr gespielt, zehn Tage später zwang ihn eine Knorpelabsprengung im rechten Knie zu der letztlich quälend langen Pause. Seine Teamkollegen umarmten ihn nach den ersten gelungenen Gehversuchen am Samstag herzlich. `Es gibt einige Spieler in der Mannschaft, die wissen, wie es ist, wenn man nicht mehr das machen kann, was man so sehr liebt´, sagte Deisler über die Zuwendung - und man spürte, wie glücklich er darüber war, zurück zu sein. Sein wievieltes Comeback das nun ist, weiß er selbst nicht. `Hoffentlich das letzte´, sagt er - zu oft wurde der von Franz Beckenbauer zum `größten deutschen Talent´ geadelte Profi schon von schweren Verletzungen oder der Krankheit Depression zurückgeworfen. So manches Bundesligaspiel sowie die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 hat er so verpasst.

`Ich freue mich, dass ich jetzt endlich wieder dabei bin´, sagte er. Die Freude ist auch bei seinem Klub groß, schließlich hat die Kreativabteilung des FC Bayern schon bessere Zeiten erlebt. `Ich hoffe, der Mannschaft spielerisch weiterhelfen zu können´, sagte Deisler, der bei seiner erneuten Rückkehr nichts überstürzen will. `Das geht nun alles Schritt für Schritt´, meinte er - und die Art, wie er es sagte, ließ darauf schließen, dass Deisler dabei eher an kleine Schritte denkt. Dass ihn sein Weg irgendwann zurück in die Nationalmannschaft führt, wird nicht nur Bundestrainer Joachim Löw hoffen. `Man sieht ja, dass wir im Mittelfeld Alternativen nötig haben´, sagte Manager Oliver Bierhoff in der Münchner Abendzeitung: `Und wir alle wissen, was Sebastian Deisler für herausragende Qualitäten hat.´

Wenn Deisler `konstant zum Einsatz kommt und beständig seine Leistung bringt, wird er im Frühjahr 2007 wieder ein Kandidat für den Kader sein´, meinte Bierhoff deshalb. Der Verband mache dem 36-maligen Nationalspieler aber `keinen Druck´, ergänzte er: `Wir hoffen, dass er nichts überstürzt.´ Deisler selbst hat nach den wenigen Sekunden gegen Stuttgart aber offenbar Blut geleckt. `Ich werde nun im Training Gas geben und mein Bestmögliches geben´, sagte er. Schon am Mittwoch in der Champions League bei Spartak Moskau hofft er auf einen weiteren Kurzeinsatz. Spätestens in der Rückrunde soll er wieder von Beginn an spielen - um dem FC Bayern dann vielleicht auch wieder zu Siegen zu verhelfen.

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