BVB-Coach Jürgen Klopp kann auf eine starke Spielzeit seiner Truppe zurückblicken. Im großen Interview zieht er Bilanz und wagt einen Ausblick auf 2010/2011:

Klopp zieht Bilanz

"Ich habe nichts Übernatürliches"

Matthias Dersch
18. Mai 2010, 10:23 Uhr

BVB-Coach Jürgen Klopp kann auf eine starke Spielzeit seiner Truppe zurückblicken. Im großen Interview zieht er Bilanz und wagt einen Ausblick auf 2010/2011:

Jürgen Klopp, was schätzen Sie, wie viele Google-Einträge wir mit der Wortkombination „Interview Klopp“ gefunden haben?

Keine Ahnung. Echt nicht. Ein paar hundert vielleicht.

Es waren 144.000.

Waaas? Unglaublich! Ich habe eigentlich das Gefühl, dass ich deutlich mehr Interviews abgesagt als gegeben habe.

Sind Sie eine Medienfigur?

Ich fühle mich nicht so, auch wenn 144.000 eine erschreckende Zahl ist. Öffentlichkeitsarbeit ist ein Teil des Jobs. Die Leute wollen eben informiert werden. Wenn Sie sich nicht für uns interessieren würden, hätten wir in der vergangenen Saison nicht über eine Million Zuschauer im Signal Iduna Park gehabt.

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Wann geht Ihnen die Öffentlichkeitsarbeit auf den Geist?

Nie, denn wenn ich einen Interviewtermin mit Journalist XYZ ausgemacht habe, dann habe ich mich bewusst dafür entschieden, respektiere mein Gegenüber zu 100 Prozent und nehme mir Zeit.

Wir haben in einem Text über Sie die Formulierung „Klopp ist ein Alchimist der Neuzeit“ gefunden. Können Sie sich vorstellen, warum?

Nein, ganz und gar nicht!

Sie stehen Im Verdacht, aus unbekanntem Spielermaterial Gold machen zu können.

Das ist ein Riesenkompliment. Aber ich kann nicht zaubern, habe nichts Übernatürliches. Was ich habe: Großen Spaß daran, Jungs zu helfen, die talentiert sind und eine gute Einstellung zu ihrem Job mitbringen. Ich treibe Entwicklungen gerne voran, habe aber noch nie aus jemandem etwas gemacht, der nicht kicken konnte. Das muss ich leider zugeben. Trotzdem Danke. Wer auch immer das geschrieben hat, ist ein netter Mensch.

Subotic, Hummels, Schmelzer, Großkreutz, Bender, Sahin – ist so eine Reihe nicht zwangsläufig endlich? Kann in einer Mannschaft zu viel Jugend stecken?

Natürlich ist das möglich. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass jeder, der Jahrgang 1988 ist, automatisch eine Riesengranate sein muss. Auch wenn es für uns das perfekte Baujahr zu sein scheint. Wir wissen, dass wir auch Glück hatten mit den Burschen. Ihr Talent haben wir früh erkannt, dass es herausragende Charaktere sind, hat sich erst im Laufe der Zeit herausgestellt.

Was sollten Sie auch sonst sagen…?

Ich würde Sie nicht verschaukeln! Wären Sie nach Saisonschluss bei unserer Party in einer Dortmunder Disco dabei gewesen, hätten Sie gesehen, dass alle – wirklich alle – miteinander Spaß hatten. Da saßen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc genau so wie unsere 21-Jährigen. Wir sind in dieser Saison alle zusammengewachsen. Mit der Verantwortung, die wir den jungen Spielern übertragen haben, sind sie sensationell umgegangen. Dass uns auf der Zielgeraden die Körner ausgegangen sind, ist natürlich auch mir nicht verborgen geblieben. Deshalb war ich auch der Erste, der sich über Platz 5 gefreut hat. Insgesamt war das eine Saison, die ich mir so nicht vorstellen konnte.

Autor: Matthias Dersch

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