Als Jan Schlaudraff am 7. Oktober 2006 erstmals im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auflief, hatte die Bundesliga die Jagd auf das wohl größte Schnäppchen schon längst aufgenommen.

Bundesliga jagt Schnäppchen Schlaudraff

13. Oktober 2006, 13:35 Uhr

Als Jan Schlaudraff am 7. Oktober 2006 erstmals im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auflief, hatte die Bundesliga die Jagd auf das wohl größte Schnäppchen schon längst aufgenommen.

Als Jan Schlaudraff am 7. Oktober 2006 erstmals im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auflief, hatte die Bundesliga die Jagd auf das wohl größte Schnäppchen schon längst aufgenommen. Bayer Leverkusen und der VfB Stuttgart bekundeten in dieser Woche ihr Interesse an dem Linksaußen von Erstliga-Rückkehrer Alemannia Aachen, die Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen und Hamburger SV sollen ihre Fühler auch schon ausgestreckt haben. `Das interessiert mich überhaupt nicht. Ich konzentriere mich auf Fußball. Wenn es denn so kommt, dann ist es halt so´, sagt der 23 Jahre alte Schlaks zum regen Interesse. Das kommt nicht von ungefähr.

Mit elf Toren und sieben Vorlagen war er in der Vorsaison bester Scorer der Alemannia und damit maßgeblich an der Rückkehr des Traditionsklubs ins Fußball-Oberhaus nach 36-jähriger Durststrecke beteiligt. Nach sechs Spieltagen führt der gebürtige Westerwälder zusammen mit dem Bremer Diego die Scorerliste der Bundesliga an (4 Tore, zwei Vorlagen). Als Lohn wurde er von Bundestrainer Joachim Löw beim 2:0 des WM-Dritten gegen Georgien in Rostock in der 65. Minute gebracht und zugleich zum erst dritten Aachener Nationalspieler nach Reinhold Münzenberg (1930-1939/41 Länderspiele) und Michael Pfeiffer (1954/1). `Das war ein Riesenerlebnis und tolles Gefühl´, sagte Schlaudraff nach seinem ersten Einsatz.

Was die Aachener Konkurrenz neben den Fähigkeiten des dynamischen und technisch versierten Flügelspielers, der mit dem Ball noch beschleunigen kann, wild macht, ist eine Klausel in seinem bis 2008 laufenden Vertrag. Demnach soll er zum Saisonende 2006/2007 für eine festgeschriebene Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro wechseln können. `Er ist ein interessanter Spieler, nicht nur für uns. Schließlich kennt seine Vertragssituation mit der Ausstiegsklausel wohl jeder in der Liga´, erklärte Bayer-Sportchef Rudi Völler gegenüber der Bild-Zeitung. Zum Vergleich: Für U21-Nationalspieler Stefan Kießling zahlte Leverkusen 5,5 Millionen Euro Ablösesumme, für Nationalstürmer Lukas Podolski hat Bayern München geschätzte 10 Millionen Euro an den 1. FC Köln überwiesen.

Schlaudraff hätte schon im Sommer wechseln können (Nürnberg, Frankfurt), entschied sich aber dann doch für Aachen, wohl auch wegen des Zugeständnisses mit der Klausel. Dem Shootingstar fiel der Erfolg, `den er sich durch seine Leistung verdient hat´ (Trainer Michael Frontzeck), allerdings nicht in den Schoß. 2002 kam das Talent von Hassia Bingen zu Borussia Mönchengladbach, bekam unter Holger Fach seine Chance in der Bundesliga, bevor er unter Dick Advocaat bei den Amateuren verschwand. Mit entsprechend breiter Brust und sehr großem Selbstvertrauen kam Schlaudraff dann 2004 zu Alemannia Aachen - und dort anfänglich auch das eine oder andere Mal recht knapp zum Training.

Diese Attitüden haben ihm die Ikonen Erik Meijer oder Willi Landgraf schnell ausgetrieben. Vor der neuen Saison absolvierte der 1,80 große und 68 Kilogramm `leichte´ Stürmer zusammen mit seinem Kumpel und Mitspieler Sascha Dum ein spezielles Fitnessprogramm, um körperlich robuster zu werden. Das hat sich offensichtlich gelohnt. Für Aachen zahlt sich das `nur´ sportlich aus, denn die vertraglich festgehaltene Ablösesumme liegt deutlich unter dem Vereins-Rekordtransfer Ugur Inceman, der 2001 für 2,7 Millionen Euro nach St. Pauli wechselte.

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