Brasilianische Fußballer sind meistens Virtuosen mit dem Ball.

Brasilianische Kämpfer im Borussen-Duell

22. September 2006, 10:40 Uhr

Brasilianische Fußballer sind meistens Virtuosen mit dem Ball.

Brasilianische Fußballer sind meistens Virtuosen mit dem Ball. Mönchengladbachs Kahe und Dortmunds Tinga fallen nicht unbedingt in dieses Raster, aber mit ihrer geradlinigen und aggressiven Spielweise hatten die Beiden vor dem Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund am Freitagabend in der Bundesliga für Furore gesorgt. Kahe, in der vorigen Saison schon als Fehleinkauf abgestempelt, trifft endlich das Tor und schoss sich mit drei Treffern sogar an die Spitze der Torschützeliste, Landsmann Tinga sorgt im BVB-Mittelfeld für viel Schwung. Die Leistungssteigerung von `Shrek´, wie Kahe in Anlehnung an ein liebenswertes Film-Monster von der Boulevard-Presse genannt wurde, hat mehrere Gründe. `Ich bin jetzt seit einem Jahr hier. Am Anfang war es sehr schwer, weil ich nichts verstanden habe. Aber das klappt inzwischen ganz gut, und vor allem habe ich jetzt auch das Trainingslager vor der Saison mitgemacht´, sagt der 24-Jährige, der mit vollem Namen Carlos Eduardo de Souza Floresta heißt.
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In dieser Vorbereitung speckte er gleich sechs Kilo ab und ist seitdem viel spritziger und einsatzfreudiger. Der Rückhalt, den er beim neuen Gladbacher Coach Jupp Heynckes genießt, tut ein Übriges: `Das ist für mich ganz besonders wichtig. Jupp Heynckes hat mir einfach das Vertrauen gegeben. Ich rede viel mit ihm, und da ist gleich ein ganz anderes Vertrauen, wenn man die gleiche Sprache spricht.´ Vor dem Borussen-Duell schoss Kahe die letzten drei Gladbacher Tore - zum 1:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld und bei der 2: 4-Pleite bei Alemannia Aachen. In der gesamten vorigen Saison hatte der Stürmer nur zweimal getroffen. Als körperlich präsenter Stoßstürmer ergänzt er sich gut mit dem kleinen und schnellen Oliver Neuville. Eher Power-Fußball als Ballzauberei zeichnet auch den Dortmunder Neuzugang Paulo Cesar Fonseca do Nascimento, kurz Tinga, aus. Der 28 Jahre alte, vielseitig verwendbare Mittelfeldspieler hat sich in seinen ersten beiden Bundesliga-Spielen und einem DFB-Pokal-Einsatz schon perfekt eingefügt - und der BVB alle drei Spiele gewonnen.

`Jede seiner Aktionen ist darauf ausgerichtet, den kürzesten Weg zum Tor zu suchen´, sagt Trainer Bert van Marwijk, der das hohe Tempo und die Agressivität des nur 1,70 m großen Kraftbündels lobt. Tinga, der nach dem Gewinn der Copa Libertadores, Südamerikas Gegenstück zur Champions League, von Internacional Porto Alegre an den Borsigplatz kam, gibt sich alle Mühe, sich perfekt zu integrieren. Schon in den ersten Wochen in Dortmund hat er fleißig Deutsch gelernt, von Landsmann Dede ließ er sich bei den ersten Schritten in der neuen Heimat helfen - unter anderem dem Kauf zweier Handys für sich und seine Frau Milene, eine Architektur-Studentin, und einer Playstation für sich und seinen Sohn Davis (4), der nach Aussage des Papas `schon ein großer BVB-Fan´ ist. Der Wechsel vom brasilianischen Spitzenklub nach Dortmund war für Tinga, der als Kind gemeinsam mit Weltfußballer Ronaldinho und später auch schon einmal bei Kawasaki Frontale in Japan spielte, keine einfache Entscheidung.

`Internacional ist mein Lieblingsverein. Es war immer mein Traum, dort zu spielen. Deshalb war es schwierig, nach nur einer Saison wieder zu gehen´, erklärt er: `Aber der Reiz, bei einem großen Klub in Europa zu spielen, war größer. Und als dann noch Dede angerufen hat, um mich zu überzeugen, war klar, dass ich wechseln werde.´ In Dortmund musste er sich aber an eine unbekannte Denkweise gewöhnen. `Bei Internacional war schon Platz zwei eine Enttäuschung´, erklärt Tinga, warum ihm das BVB-Ziel UEFA-Cup-Platz fast schon zu wenig ist.

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