Es war 20.17 Uhr, als Gerald Asamoah Samstag-Abend zurückrief. Eine feine Geste des Stürmers, der sich schließlich nicht zu den Gründen für seine Suspendierung aus dem Schalker Kader hätte äußern müssen.

SCHALKE - Asamoah fühlt sich von Suspendierung verletzt / Wer ist der Maulwurf?

hb
17. September 2006, 10:46 Uhr

Es war 20.17 Uhr, als Gerald Asamoah Samstag-Abend zurückrief. Eine feine Geste des Stürmers, der sich schließlich nicht zu den Gründen für seine Suspendierung aus dem Schalker Kader hätte äußern müssen.

Es war 20.17 Uhr, als Gerald Asamoah Samstag-Abend zurückrief. Eine feine Geste des Stürmers, der sich schließlich nicht zu den Gründen für seine Suspendierung aus dem Schalker Kader hätte äußern müssen. Mittags hatte er noch ganz normal am Abschluss-Training auf dem Vereinsgelände teilgenommen, doch nach der anschließenden Mannschafts-Besprechung war "Asa" klar, dass ihm die Ausbootung für Berlin blühen würde. "Andy Müller hat mich am Freitag zu sich ins Büro gebeten und mich gefragt, ob das stimmen würde", teilte Asamoah RevierSport telefonisch mit.

"Das" ist ein Vorfall im internen Kreis, der schon einige Tage zurückliegt. "Ich habe mich mit einem Spieler unterhalten, wie wir es andauernd in der Kabine tun. Dabei habe ich unter anderem gesagt: Wenn ich fit bin und nicht spiele, dann gibt es Probleme", bestätigt der bald 28-Jährige die Version, die Schalke gestern um 15 Uhr auf der Vereins-Homepage veröffentlichte. "Gerald hatte im Mannschaftskreis angekündigt, dass er dem Trainer in der Öffentlichkeit Probleme bereiten werde, wenn er nicht alsbald in der Bundesliga von Anfang an spielen würde. Dieser Vorgang, der schon einige Tage zurückliegt, ist jetzt eher zufällig durchgesickert", wird dort Manager Müller zitiert. "Wir haben Gerald dazu befragt und er hat die Aussage eingeräumt. Ein solches Verhalten ist absolut inakzeptabel und verstößt gegen den Teamgeist. Daher hat Mirko Slomka die richtige Entscheidung getroffen, ihn nicht nach Berlin mitzunehmen. Die weitere Entwicklung wird im Verein beraten."

Asamoah ist nicht nur über den Vertrauensbruch eines Kollegen enttäuscht, sondern auch über die strenge "Diszi" der Verantwortlichen. "Ich bin seit acht Jahren hier und habe mir noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Auch jetzt habe ich keinen Fehler gemacht und finde die Maßnahme nicht richtig", fühlt sich der Publikums-Liebling verletzt und zu Unrecht bestraft.

Zunächst soll die Verbannung nur für das eine Match gelten, doch schon jetzt ist klar, dass sich der Fall nicht mit einem Gespräch unter Männern begraben lassen kann. Asamoah muss mit dem Ruf eines "Stinkstiefels" leben. Selbst wenn er schon Montag wieder begnadigt würde, das gegenseitige Vertrauen wäre nachhaltig gestört. Nach Berlin will der Nationalspieler heute nicht fahren, um seine Truppe von der Tribüne aus zu unterstützen. "Ich bespreche jetzt mit meinem Berater, wie es weiter geht. Mein Herz hängt an Schalke, aber die Geschichte muss geklärt werden", möchte Asamoah möglichst noch am Montag das Gespräch mit dem Vorstand, sprich Müller, suchen.

Wird an Asamoah ein Exempel statuiert?

RevierSport-Kommentar

Von Heiko Buschmann

Wer selbst einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass in der Kabine viel Mist erzählt wird. Grüppchenbildungen gibt es von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, nicht jeder kann mit jedem, so ist es auch in der Gesellschaft abseits des Sports. Sitzt bei unterklassigen Amateuren der Coach normalerweise mit in der Umkleide, wird im Profibereich separiert. Es ist gut, dass der Trainer nicht alles mitbekommt, was auch über ihn so erzählt wird. Naturgemäß sind die Ersatzleute unzufrieden, stänkern hinter dem Rücken der Verantwortlichen rum.

Dass ein Komplize das interne Wissen dann nutzt, um beim Trainer zu petzen, zeugt von ganz schlechtem Charakter. Interessant ist aber auch die Härte der Sanktion seitens des Vereins. Man hätte den Vorfall sicher eleganter lösen können, als die Suspendierung öffentlich zu machen.

So beschleicht einen das ungute Gefühl, an dem bisher nicht vorbestraften Asamoah werde ein Exempel statuiert. Mirko Slomka und Andreas Müller, beide noch relativ neu im Geschäft, haben die Machtprobe mit einem verdienten Spieler gesucht und vorerst gewonnen.

Wer weiß, ob es dabei bleibt.

Autor: hb

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