Heckings Abschied unter Tränen: Alemannia sucht neue Führungsfigur

08. September 2006, 14:04 Uhr

Als Dieter Hecking sich nach seinem kuriosen Abgang zu Hannover 96 unter Tränen von seiner Mannschaft verabschiedete, hielt Alemannia Aachen am Freitag bereits intensiv nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau.

Als Dieter Hecking sich nach seinem kuriosen Abgang zu Hannover 96 unter Tränen von seiner Mannschaft verabschiedete, hielt Alemannia Aachen am Freitag bereits intensiv nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau. `Wir wollen einen Trainer, der in unsere Strukturen passt. Nach Heckings Abschied bricht hier natürlich nicht alles zusammen´, erklärte Alemannia-Manager Jörg Schmadtke, der das erfolgreiche Werben des Liga-Konkurrenten um den Erfolgscoach zurückhaltend als `äußerst außergewöhnlich´ bezeichnete. Weiter nachtreten wollte Schmadtke nach dem verlorenen Tauziehen um Hecking dann auch nicht: `Dafür müsste ich mich auf die Diskussionsebene der Ethik und Moral begeben´.

Und Schmadtke hat in den kommenden Tagen wahrlich andere Probleme. Die klaffende Lücke, die Hecking sportlich und menschlich hinterlässt, soll durch einen charismatischen Trainer mit Führungsqualität ausgefüllt werden. Als erster Anwärter auf den Trainerstuhl gilt Jos Luhukay, der erst kurz vor Saisonbeginn bei Zweitligist SC Paderborn die Brocken hingeschmissen hatte. `Es wäre sehr unseriös, die Spekulationen zu kommentieren. Ich habe noch mit niemandem gesprochen, es gibt nichts Konkretes´, sagte der 43-jährige Niederländer aber in seiner Heimat auf sid-Anfrage. Hecking, der die Alemannia nach 36 Jahren wieder ins Oberhaus führte und 2004 das Pokalfinale gegen Werder Bremen (2:3) erreicht hatte, hatte am Vormittag einen emotionalen Abschied genommen. `Ich habe den Jungs meinen Dank für zwei geile Jahre ausgesprochen´, erklärte der 41-Jährige, der zuvor in der Kabine des Tivoli seine letzte Ansprache an die Mannschaft gerichtet hatte.

Die Anhänger aber haben die Erfolge des Taktikfuchses fast schon vergessen, sie würden `Judas´ (Kommentar aus dem Fanforum) am liebsten persönlich vom Hof jagen. Die Fan-Basis fordert jetzt die Installation von Tivoli-Idol Erik Meijer, der am Freitag an der Trainingseinheit teilnahm. Der Stürmer, der nach dem Aufstieg ins Oberhaus seine aktive Karriere beendet hatte, wäre sicherlich eine Identifikationsfigur. Allerdings hat der Wunschtraum einen Haken: Meijer besitzt keinen Trainerschein. Schmadtke gerät derweil selbst ins Zentrum der Diskussionen: Aachen droht Gerüchten zufolge einen weiteren `Baumeister´ des Aufstiegs zu verlieren. `Klar ist gar nichts. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen und schließe das im Moment aus´, sagte er zu den aufkeimenden Gerüchten, er werde bei den 96ern eventuell in der sportlichen Leitung Ilja Kaenzig ersetzen.

Ein klares Dementi klingt anders, aber im Pokalspiel der Alemannia beim Chemnitzer FC soll Schmadtke gemeinsam mit Co-Trainer Dirk Bremser auf der Bank Platz nehmen. In Hannover dagegen ist die Freude über die Rückkehr des `verlorenen Sohnes´ Hecking riesig. `Dieter ist ein echter Roter. Wir haben den Kontakt nie abreißen lassen´, erklärte 96-Sportmanager Carsten Linke. Und auch Klubchef Martin Kind freute sich diebisch darüber, dem Aufsteiger seinen Wunschtrainer `ausgespannt´ zu haben: `Dieter bringt emotionale Nähe zum Verein mit. Er hat in den oberen drei Ligen erfolgreich gearbeitet.´ Die Ablösesumme soll gut 750.000 Euro betragen. Angeblich soll Hannover im Jahr 500.000 Euro bezahlen. Das wäre fast das Doppelte von Heckings bisherigem Salär in Aachen.

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