Schiri-Bubi Kempter wie ein alter Hase

27. August 2006, 11:38 Uhr

Der Jüngste meisterte seine Feuertaufe wie ein alter Hase:

Der Jüngste meisterte seine Feuertaufe wie ein alter Hase: Michael Kempter leitete am Samstag das Spiel VfL Bochum gegen Energie Cottbus (0:1) im Alter von 23 Jahren und 210 Tagen und gab als jüngster Schiedsrichter in der Geschichte der Fußball-Bundesliga ein beachtliches Debüt. Kempter löste Hermann Schröder ab, der bei seinem Debüt 25 Jahre und 307 Tage alt war. So souverän, wie sich der Schwabe aus Sauldorf auf und auch abseits des Platzes gab, gilt er zu Recht als der große Hoffnungsträger in der seit dem Fall Hoyzer leidgeprüften Referee-Zunft. `Natürlich ist das ersten Mal etwas Besonderes gewesen, die Aufregung war auch größer als sonst. Aber jetzt freue ich mich riesig, dass alles so gut geklappt hat´, erklärte der Bankangestellte, der sich danach mit Familie und Freunden eine kleine Feier gönnte.

Das Dinner hatte er sich verdient. `Ich habe ihm spontan nach dem Spiel gratuliert´, sagte Energie-Trainer Petrik Sander und schränkte sein Lob nur ein klein wenig ein: `Wenn er noch behutsamer im Umgang mit Gelben Karten wird, wird er noch besser.´ Stolze achtmal zeigte Kempter Gelb, doch der Schiedsrichter-Coach beim DFB, Günter Linn, winkte ab: `Die waren alle berechtigt.´ Lob gab es auch von den unterlegenen Bochumern. Vor allem Kapitän Thomas Zdebel war beeindruckt: `Er kam nicht arrogant rüber und hat den Ball immer flach gehalten. Das macht dann auch uns Spielern Spaß.´ Kempter meinte: `Sie haben mich akzeptiert. Das war wichtig.´

Auch nach dem Spiel fand Kempter (`Die Komplimente tun gut´) die richtige Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein. Markus Merk und Herbert Fandel seien immer seine großen Vorbilder gewesen, aber nun wolle er sich seine eigenen Fußstapfen suchen - `in anderen geht´s sich schlecht.´ Dass der junge Mann mit den frech gegelten Haaren wie Betrüger Hoyzer die Bodenhaftung verliert, steht nicht zu befürchten. Für die nächsten Schritte auf der Karriereleiter will er sich Zeit nehmen. `Immer schön langsam Schritt für Schritt. Ich will erst mal in der Bundeliga Fuß fassen. Dann sehen wir weiter´, meinte Kempter, und Beobachter Linn nickte zustimmend.

Für die Schiedsrichterei interessierte sich Kemper bereits seit frühester Kindheit: `Andere in meinem Alter waren Ballack-Fan. Ich dagegen war Merk- und Fandel-Fan. Ich habe mir Fußballspiele vor allem wegen der Auftritte der Referees angeschaut.´ Seine Karriere begann im zarten Alter von elf Jahren. Damals schrieb er DFB-Obmann Eugen Strigel einen Brief, weil er unbedingt wissen wollte, wie man Schiedsrichter wird. Mit 15 pfiff er bereits in der Landesliga, mit 17 Oberliga und mit 22 zeigte er Zweitliga-Urgestein Willi Landgraf rotzfrech die Rote Karte.

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